- In Mülheim wurde der heutige Freundhof, früher Streithof genannt, ab 1905 als Alterssitz für den Generaldirektor Emil Kirdorf erbaut, der einflussreiche Verbindungen zu führenden Industriellen und zur NSDAP pflegte.
- Nach Kirdorfs Tod 1938 stand das Anwesen zunächst leer, diente ab Juni 1945 als Quartier für britische Offiziere und später als Altenheim sowie Suchtklinik, bevor es seit 2008 wieder privat genutzt wird.
- Unsere Geschichte zur Historie des Landgutes im Broich-Speldorfer Wald zählt zu den meistgelesenen Stücken im Jahr 2025.
Der Uhlenhorst gehört bis heute zu den grünsten und bevorzugtesten Wohnquartieren der Stadt, die insgesamt einen Grünflächenanteil von mehr als 50 Prozent aufweist. Von der Großenbaumer Straße geht in südwestlicher Richtung der Freundhofweg ab. Dort liegt, östlich des Broicher Waldweges der Freundhof, der heute offiziell Uhlenhof heißt.

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Zwischen 1909 und 1945 hießen das Anwesen und der Weg Streithof beziehungsweise Streithofweg. Den Streithof ließ sich der damals 58-jährige Generaldirektor der Gelsenkirchener Bergwerks AG, Emil Kirdorf, ab 1905 als Alterssitz im Landhausstil errichten. Kirdorfs Architekt Wilhelm Zaiser ließ sich bei der Bauplanung von einem niedersächsischen Landgut inspirieren. Emil Kirdorf und seine Frau Mathilde Kauert zogen dort im Jahr 1907 ein und lebten dort bis zum Tode Emil Kirdorfs am 13. Juli 1938.
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Hitlers Vertraute lebten einst im Mülheimer Uhlenhorst
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Damals hieß der Freundhof Streithof und lag am Streithofweg. Denn der Bau- und Hausherr, dessen Anwesen Teil der Broich-Speldorfer Wald- und Gartenstadt war, sah sich als nationalkonservativer Streiter gegen alles und alle, die den gesellschaftspolitischen und sozialen Status quo des Deutschen Kaiserreiches (1871-1918) infrage stellten.


Kirdorf folgte, wie sein Nachbar, der Industrielle Fritz Thyssen (1873-1851,) dem Ideal eines patriarchalen Ständestaates. In seinen Augen war der Unternehmer der Herr im Haus, der für seine Arbeiter zu sorgen hatte und im Gegenzug von ihnen Gehorsam erwarten durfte. In der Weltsicht des Mannes, der von 1873 bis 1926 mit der Gelsenkirchener Bergwerks AG das um 1900 größte Bergbauunternehmen Europas führte, hatten Gewerkschaften, Arbeitskämpfe und Sozialdemokratie keinen Platz. Denn jeder Mensch hatte in seinen Augen an dem Platz zu leben und zu arbeiten, an den ihn seine soziale Herkunft gestellt hatte.
Kirdorf und Thyssen unterstützen Hitler aus patriarchalem Selbstverständnis
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die nicht nur geografischen Nachbarn Emil Kirdorf und Fritz Thyssen während der Weimarer Republik (1918-1933) zur Deutschnationalen Volkspartei gehörten und auch zu maßgeblichen Förderern Adolf Hitlers wurden. Hitler machte seinen Unterstützern im Uhlenhorst denn auch mehrfach seine Aufwartung. Dazu passte es auch, dass, anlässlich des 90. Geburtstags Emil Kirdorfs am 8. April 1937, aus der Großenbaumer Straße die Kirdorfstraße und aus dem städtischen Gymnasium (heute: Karl-Ziegler-Schule), die Kirdorfschule wurde.


Kirdorf, der als 17-jähriger Sohn eines Webereibesitzers aus Mettmann die damals in Mülheim ansässige Berufsschule der Weber besucht hatte, war auch ein begeisterter Reiter. Deshalb entschied er sich für ein Leben im Uhlenhorst, weil er dort seine Leidenschaft ausleben konnte.
Britische Besatzung übernimmt Mülheims ehemaligen Streithof nach dem Krieg
Drei Jahre vor seinem Tod ernannte die Stadt den Hausherrn des Streithofs zu ihrem Ehrenbürger. 1995 wurde ihm seine Ehrenbürgerschaft posthum vom Rat der Stadt aberkannt. Nach Kirdorfs Tod stand der Streithof bis 1945 leer.
Nachdem Mülheim im Juni 1945 Teil der britischen Besatzungszone geworden war, wurden dort Offiziere der britischen Militärregierung einquartiert. Nachdem sie das Anwesen, das seit Oktober 1945 als Freundhof am Freundhofweg lag, geräumt hatten, verkaufte die Gelsenkirchener Bergwerks AG den Wohnsitz ihres vormaligen Generaldirektors an das Deutsche Rote Kreuz (DRK).
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Streithof war Teil einer Wald- und Gartenstadt AG für wohlhabende Bürger Mülheims
Das DRK machte aus dem Anwesen ein Altenheim für 30 Senioren, das am 1. November 1951 eröffnet und 1972 geschlossen wurde, um es von 1973 bis 1999 als Suchtklinik mit 40 Behandlungsplätzen zu nutzen. Zuletzt wurde die Fachklinik in Kooperation mit dem 1973 vom Psychologen Hans-Werner Gessmann gegründeten Duisburger Psychotherapeutischen Institut Bergerhausen betrieben. Der Klinik-Standort im Uhlenhorst musste aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden, nachdem die nordrhein-westfälische Landesregierung das Institut aus dem gesundheitspolitischen Bedarfsplan gestrichen hatte. Seit 2008 wird der ehemalige Streithof wieder als privater Wohnraum genutzt.
Das Bauensemble
- seit 1990 denkmalgeschützt
- 2008 kernsaniert
- Toreinfahrt mit zwei Torhäusern
- zwei eingeschossige Wirtschaftsgebäude
- zweigeschossiges Hauptgebäude mit Zeltdach und quadratischem Grundriss
- zwei eingeschossige quergelagerte Zwischenbauten
- mit einer Bruchsteinmauer eingerahmte Gartenterrasse
- zwei Innenhöfe
- Wasserpumpe mit Bruchsteinbecken im vorderen Innenhof
Bau und Lage des Streithofs entsprangen der um 1900 populären Wandervogel-, Lebensreform-, Waldpflege- und Heimatschutzbewegung. In dieser heterogenen Bewegung konkurrierten progressive und reaktionäre Ideen miteinander, die in Teilen sogar zu einer konservativen Kapitalismuskritik führten. Im Zeitalter der Hochindustrialisierung wurde die Natur und das naturverbundene Leben als Kontrast zur zunehmenden Industrialisierung und Urbanisierung der modernen Gesellschaft gesehen und entsprechend romantisiert.
Die 1904 erfolgte Eingemeindung Broichs und Speldorf ermöglichte es der Stadt Mülheim, sich an der 1903 gegründeten Wald- und Gartenstadt AG zu beteiligen. Ihr Ziel war es, sozial privilegierte Bürger (Kaufleute, Beamte, Fabrikanten und Industrielle) von einer Stadt- und Revierflucht abzuhalten, indem sie ihnen ein attraktives Wohnquartier im Grünen anbieten konnte, das auch als Naherholungsgebiet für die breite Bevölkerung genutzt werden konnte. Deshalb wurde ab 1907 im Uhlenhorst auch ein Wegenetz angelegt.











