„Nicht ist im Leben so sicher, wie die Steuern und der Tod!“ Diese Erkenntnis des 1790 verstorbenen Politikers und Erfinders Benjamin Franklin ist zeitlos aktuell. Dennoch gehen viele Menschen dem Thema Tod aus dem Weg. Die Mülheimerin Beate Kessler, die sich beruflich mit Nationalparks beschäftigt, macht das genaue Gegenteil.

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„Ich habe vor 14 Jahren mit meiner Freundin deren sterbende Schwester begleitet und das als eine sehr wertvolle Erfahrung erlebt“, erinnert sich Kessler. Als sie dann vor 13 Jahren in dieser Zeitung las, das stationäre Hospiz an der Friedrichstraße, suche ehrenamtlich Mitarbeitende, war für Beate Kessler klar: „Das könnte etwas für mich sein!“

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Sterbende in Mülheim zu begleiten relativiert die Alltagsprobleme

13 Jahre später gehört sie, immer noch gerne, zum Kreis der aktuell 30 Mitarbeitenden des 2012 eröffneten Hospizes. „Die beste Entdeckung, die ich hier gemacht habe, ist die Dankbarkeit für mein Leben und dass sich meine Alltagsprobleme angesichts sterbenden Menschen sehr stark relativieren“, sagt Kessler.

Hospiz in Mülheim an der Ruhr
Beate Kessler auf der Treppe des Hospizes in Mülheim. Als langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin erzählt sie von ihrer Motivation und der Arbeit in der Sterbebegleitung.© FUNKE Foto Services | Martin Möller

Drei Stunden ihrer Zeit investiert sie pro Woche in das Zusammensein mit den zwölf Hospizgästen. „Ich komme meistens abends und helfe bei der Zubereitung des Abendbrots. Und danach ergeben sich dann Gelegenheiten für Gespräche, fürs Zuhören, fürs Vorlesen oder auch einfach nur fürs Dasein und Halten“, berichtet Kessler. Die meisten Gäste, die auf der letzten Wegstrecke ihres Lebens unterwegs sind, sprechen mit Kessler und ihren ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen über ihr Leben, über ihre Kinder und über im Leben verpasste Chancen.

„Nicht nur unsere Gäste und deren Angehörigen sind für den Einsatz der Ehrenamtlichen dankbar. Auch unsere 20 hauptamtlich Mitarbeitenden freuen sich über den Austausch mit ihnen und über die Entlastung durch sie“, erklärt Einrichtungsleiterin Monja Mika.

Ehrenamt: Auch in Mülheim vielfach nur Engagement auf Zeit

Hospiz in Mülheim an der Ruhr
Monja Mika leitet die Mülheimer Einrichtung.© FUNKE Foto Services | Martin Möller

„Wer sich heute ehrenamtlich engagiert, tut dies in der Regel nur noch auf Zeit und nicht mehr ein Leben lang“, weiß Klaudia Schmalenbach. Die pensionierte Krankenhausseelsorgerin leitet heute den Förderverein des Hospizes, das einen Teil seines Budgets durch Spenden finanzieren muss und deshalb in besonderer Weise auf ehrenamtlich Mitarbeitende angewiesen ist. Getragen wird das Hospiz vom Evangelischen Krankenhaus und vom Diakoniewerk Arbeit und Kultur.

Deshalb laden Monja Mika und Klaudia Schmalenbach am Donnerstag, 21. August um 18 Uhr zu einem Infoabend in das Haus an der Friedrichstraße 40 ein. Die Abendveranstaltung in der 1885 errichteten Stinnes-Villa richtet sich an Menschen, die sich vorstellen können, ehrenamtlich im Hospiz mitzuarbeiten. „Wir brauchen vor allem an der Rezeption und im Betreuungsdienst am Wochenende und am Abend Ehrenamtliche, die unsere Hauptamtlichen entlasten und für unsere Gäste da sein können“, erklärt Mika.

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„Die Ausbildung der Ehrenamtlichen reflektiert eigene Lebenserfahrungen mit dem Sterben und vermittelt die Grundlagen der psychologischen Gesprächserfahrungen. Die 150 Ausbildungsstunden verteilen sich auf Wochenendseminare und Praktika“, gibt Schmalenbach Interessierten eine Vorschau. Weitere Informationen bekommt man im stationären Hospiz an der Friedrichstraße 40, unter der Rufnummer: 0208 97 06 55 00 und im Internet unter: www.hospiz-mh.de