- Das Veterinäramt Mülheim hat 17 Tiere aus katastrophalen Bedingungen gerettet, darunter Ponys, Schafe und Ziegen, die unter Parasitenbefall und Mangelernährung litten.
- Die ursprünglichen Tierhalter erhielten ein Tierhaltungsverbot, da sie trotz mehrfacher Anordnungen die Tiere weiterhin vernachlässigten.
- Die geretteten Tiere sind auf dem Weg der Besserung und sollen an neue Besitzer vermittelt werden, die artgerechte Haltung gewährleisten können.
Halb verhungert, krank und von Parasiten wie Würmern befallen – so fand das Veterinäramt in Mülheim Ponys, Schafe und Ziegen vor. Ein schwerwiegender Fall von massiven tierschutzrechtlichen Verstößen, ordnen die Fachleute ein. Auch nach diversen Kontrollen und Anordnungen seitens der Stadt änderte sich daran nichts, die Halter ließen die Tiere laut Behörde weiter verwahrlosen – dann zog das Veterinäramt die Reißleine. Es nahm 17 Vierbeiner in Obhut und verbot den Besitzern, künftig Tiere zu halten. Jetzt sollen die Ponys, Schafe und Ziegen an neue Besitzer vermittelt werden.
Unter erbärmlichsten Bedingungen mussten die drei Shetlandponys sowie zwei Kamerunschafe, vier Ziegen und acht Zwergziegen offenbar ihr Dasein fristen, bis das Veterinäramt einschritt und sie aus der schlechten Haltung befreite. Zu wenig oder gar kein Futter, mangelnde Hygiene in den Ställen, etwa weder ausreichend Licht noch Belüftung, zudem offenbar über Jahre keine adäquate tierärztliche Versorgung – die Reihe der Beanstandungen, die das Veterinäramt gegen die ursprünglichen Tierhalter vorbringt, reißt nicht ab.
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Schaf aus Mülheim musste eingeschläfert werden

Eines der Ponys sei in einem „katastrophalen Zustand“ vorgefunden worden, schildert die stellvertretende Amtstierärztin Dr. Carolin Richter, es sei hochgradig abgemagert gewesen, habe einen erheblichen Wurmbefall gehabt und habe umgehend in einer Tierklinik behandelt werden müssen. Alle drei Ponys wiesen zudem bis heute erhöhte Leberwerte auf. „Da es sich aber um junge Pferde handelt und die Leber ein regenerierungsfähiges Organ ist, hoffen wir, dass sich die Pferde vollständig erholen“, ist die stellvertretende Amtstierärztin zuversichtlich. Doch für einen der Vierbeiner kam nach der Sicherstellung jede Hilfe zu spät: „Ein Schaf musste aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes umgehend euthanasiert werden“, schildert Dr. Carolin Richter.

Generell hätten alle beschlagnahmten Tiere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Alle kleinen Wiederkäuer wiesen bei der Inobhutnahme einen deutlich reduzierten Ernährungszustand auf. Zudem stellte sich heraus, dass die Ziegen und Schafe an einem Befall mit Kokzidien, Parasiten, die vorwiegend den Magen-Darm-Trakt befallen, und Würmern sowie an einem Mineralstoffmangel leiden. „Die kleinen Wiederkäuer werden sich vollständig erholen“, schätzt die Veterinärin den Gesundheitszustand der Tiere ein.
Schlechte Haltung in Mülheim: Zu wenig Futter, Stallboden nass, kein Tageslicht
Doch nicht nur an artgerechtem und vor allem ausreichendem Futter sowie tierärztlicher Betreuung mangelte es den Tieren offenbar. Die Ponys, Schafe und Ziegen waren augenscheinlich in entsetzlichen Behausungen untergebracht: „Zum Zeitpunkt der Fortnahme waren die Haltungseinrichtungen der Tiere lediglich mit einer geringen Menge Einstreu (Stroh) ausgestattet. Der Bodenuntergrund war größtenteils feucht.“
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Es ist die Rede von Ammoniak-Geruch, der den städtischen Kontrolleuren beim Öffnen der Verschläge – ohne natürlichen Tageslichteinfall – entgegenschlug. Die Weide nebenan sei augenscheinlich ungenutzt gewesen – dort stand das Gras hoch, man habe keine Anzeichen gefunden, dass die Tiere dort in den vergangenen Monaten gestanden hätten. Die schlechte Haltung der Tiere blieb nicht unbemerkt: „Hinsichtlich der Tierhaltung liegen dem hiesigen Veterinäramt diverse Tierschutzbeschwerden vor.“
Amtstierärztin spricht von Animal Hoarding in Mülheim

Selbst für die stellvertretende Amtstierärztin Dr. Carolin Richter ein extremer Fall: „Meiner fachlichen Einschätzung nach liegt hier ein Fall von Animal Hoarding vor. Denn typisch für Animal Hoarder ist, dass Tiere in einer großen Anzahl gehalten und nicht mehr angemessen versorgt werden. Die betroffenen Tierhalter sind jedoch nicht oder nur eingeschränkt dazu in der Lage zu erkennen, dass es den Tieren in ihrer Obhut schlecht geht. Dies ist vorliegend der Fall.“
Welche Konsequenzen hat das nun für die Tierhalter? Klar ist: Sie dürfen künftig Tiere weder halten noch betreuen. Denn: „Es wurde gegenüber drei Familienmitgliedern ein vollständiges Tierhaltungs- und Betreuungsverbot, gegenüber einem Familienmitglied ,nur‘ ein Pferdehaltungs- und Betreuungsverbot erlassen“, so die stellvertretende Amtstierärztin, die erklärt: „Die Haltungs- und Betreuungsverbote wurden verhängt, da bei diversen durchgeführten tierschutzrechtlichen Kontrollen der Tierhaltung über einen längeren Zeitraum immer wieder bei verschiedenen Tierarten teilweise massive tierschutzrechtliche Verstöße festgestellt wurden. Im Vorfeld erlassene umfangreiche tierschutzrechtliche Anordnungen wurden seitens der Tierhalter nicht eingehalten.“
Beschlagnahmte Tiere aus Mülheim sind freundlich und menschenbezogen

Wie haben die sichergestellten Tiere die schlechte Haltung überstanden, verhalten sie sich – nach allem, was sie erlebt haben – dem Menschen gegenüber scheu und argwöhnisch? Das sei nicht der Fall, haben die Betreuer beobachtet. Zwei der Shetlandponys seien zutraulich und freundlich, einer der vierjährigen Wallache sei derart ausgeglichen, dass er für Kinder geeignet sei. Auch die einjährige Stute verhalte sich aufgeschlossen und menschenbezogen. Einzig der andere vier Jahre alte Wallach sei mitunter schreckhaft und daher nicht für Kinder geeignet, verhalte sich aber grundsätzlich freundlich.
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„Die Shetlandponys müssen nicht zusammen vermittelt werden. Sie können mit einem bereits vorhandenen sozial verträglichen Shetlandpony oder in eine Shettygruppe vergesellschaftet werden“, so Dr. Carolin Richter. Auch die Ziegen und Schafe seien umgänglich, zutraulich, teils gar verschmust und menschenbezogen.
Wer gibt den in Mülheim sichergestellten Tieren ein neues Zuhause?
Die Tiere seien inzwischen umfangreich tierärztlich behandelt worden und alle auf dem Weg der Besserung. Was künftige Halter, die den Tieren ein neues Zuhause geben wollen, aber wissen müssten, betont Richter, sei: „Die Ponys haben schlechte Leberwerte, daher ist noch Medikation und tierärztliche Kontrolle nötig.“ Die Shettys seien aber noch jung genug, um wieder ganz gesund werden zu können.
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Wer den Tieren ein neues Zuhause geben will, kann sich unter Angabe seiner vollständigen Kontaktdaten per E-Mail unter veterinaeramt@muelheim-ruhr.de an das Mülheimer Veterinäramt wenden. Damit es die Vierbeiner in Zukunft – und idealerweise bis zu ihrem Lebensende – besser haben, müssen Interessenten nachweisen, dass die Tiere in ihrem neuen Zuhause „entsprechend der tierschutzrechtlichen Vorgaben art- und bedürfnisgerecht gehalten werden, so Richter. „Zur Überprüfung, ob diese Anforderungen erfüllt sind, wird eine amtstierärztliche Vorkontrolle erfolgen.“ Die Tiere werden gegen eine Schutzgebühr von 50 bis 200 Euro pro Tier abgegeben.
Hat der Horror der Tiere, die unter den erbärmlichen Bedingungen leben mussten, damit nun ein Ende? Offenbar nicht, denn, so das Veterinäramt: „Wir gehen davon aus, dass derzeit weitere Tiere von der Familie gehalten werden. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.“




