Gerade ist sie wieder in die Luft gegangen, mit Passagieren, die solch einen Flug sonst vielleicht nie erlebt hätten: Ena, sieben Jahre alt, und ihr Bruder Adin (9), durften in Begleitung ihres Papas Platz nehmen in der Propellermaschine der Mülheimerin Andrea Lukner und in luftiger Höhe eine Runde übers Ruhrgebiet drehen. Die Kinder: begeistert von dem unvergleichlichen Erlebnis. Die Pilotin: beseelt davon mitzuerleben, welche Freude sie ihren kleinen Passagieren machen konnte. Das möchte sie auch sterbenskranken Menschen ermöglichen.

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„Wenn man fliegt, ist man von seinen Sorgen losgelöst“, beschreibt Andrea Lukner ihre Empfindungen, wenn sie mit ihrer Maschine in der Luft ist. „Alle Sorgen sind dann auf dem Boden.“ Dass gerade Menschen, die in absehbarer Zeit unaufhaltsam auf das Ende ihres Lebens zusteuern mit dem Gedanken spielen, durch die Hilfe des Wünschewagens noch ein letztes Mal etwas ganz Besonderes zu erleben – etwa einen Rundflug mit Lukners Piper „Al Force One“ – kann sich die hauptberufliche Tätowierkünstlerin daher gut vorstellen. „Ich begeistere gerne andere fürs Fliegen und teile mit ihnen die Freude daran“, erklärt die Mülheimerin, die sich durchaus bewusst ist: „Für manche ist es vielleicht das einzige Mal, dass sie so etwas erleben.“
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Wünschewagen, unterstützt aus Mülheim, erfüllt Todkranken letzte Wünsche
Für Menschen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind und noch einen allerletzten Herzenswunsch haben, setzt das Team des ehrenamtlich organisierten Wünschewagens alle Hebel in Bewegung, um diesen zu erfüllen. Getragen wird das Ehrenamtsprojekt vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Regionalverband Ruhr e.V.. So kann der Wünschewagen in der Region inzwischen bereits seit zehn Jahren unterwegs sein.

Begleitet werden die Fahrten mit den Sterbenskranken von ehrenamtlichen Helfern, in der Regel mit medizinischer Vorbildung, um sicherzustellen, dass der besondere Fahrgast allzeit gut betreut ist. Die Kosten, vom Sprit bis hin zur manchmal notwendigen Übernachtung, übernimmt der ASB Ruhr aus seinem Wünschewagen-Spendentopf. Rund 80 Ehrenamtliche engagieren sich im Bereich Rhein/Ruhr laut ASB für den Wünschewagen und ermöglichen so die Erfüllung von letzten Herzenangelegenheiten.
Letzter Herzenswunsch: Ein Rundflug übers Ruhrgebiet?
Solch ein Herzenswunsch könnte eben auch ein Rundflug übers Ruhrgebiet sein – an der Seite von Andrea Lukner als Pilotin und begleitet von den ehrenamtlichen Betreuern. Bislang habe sich das allerdings noch nicht ergeben. Denn nicht wenige der bereits geplanten Wünschewagen-Touren – ganz gleich ob Zoobesuch, Fahrt ans Meer oder eben zum Flughafen – müssen abgesagt werden, weil der Fahrgast es gesundheitlich nicht mehr schafft oder aber bereits verstorben ist, verdeutlicht der Saarner Peter Brill, der fast von Beginn an zum Team der Ehrenamtlichen gehört, die die Todkranken auf der Fahrt in dem speziell ausgestatteten, umgerüsteten Krankentransportwagen begleiten. „Es ist schon einige Male vorgekommen, dass wir einen Fahrgast im Hospiz oder im Pflegeheim abholen wollten und er in der vorangegangenen Nacht gestorben ist“, erzählt der Ehrenamtliche.
Fliegerin Andrea Lukner weiß um die Befindlichkeiten der Wünschewagen-Gäste: „Wer mitfliegen möchte, sollte noch so fit sein, um über ein Treppchen einzusteigen.“ Sie hätte aber auch schön ältere Passagiere, „die Hüfte hatten“, ohne Probleme mitgenommen, ermutigt die Mülheimerin.
Jolanthe-Aktion für den Wünschewagen - lesen Sie auch:
Lukner, die seit Jahren in der Innenstadt am Löhberg ihr Tattoo-Studio betreibt und kürzlich im Buch „Die besten Tätowiererinnen in Deutschland“ porträtiert worden ist, kam zum Fliegen durch reine Neugier und die Nähe zum Flughafen auf den Raadter Höhen. „Ist doch toll, dass wir sowas direkt vor der Haustür haben“, findet sie. Erst machte sie beim Schnupperfliegen mit, schloss dann die Ausbildung ab und schaffte schließlich ihre Propellermaschine an, einen Oldtimer von 1964. „Das Flugzeug hat eine gute Reichweite und kann viel tragen“, erklärt die Hobbypilotin.
Mülheimer Hobbypilotin nimmt Kinder mit auf Rundflüge
So fliegt die Mülheimerin zusammen mit ihrem Mann auch schonmal in den Urlaub – bis auf die Nordseeinseln, nach Slowenien oder – mit Zwischenlandungen – bis auf die Kanaren. „Da waren wir auf La Palma an dem Punkt, der für uns mit dem Flugzeug als westlichster zu erreichen ist.“ Doch genauso wie die Flüge an entlegenere Ziele genießt sie die „Heimrunden“ über Mülheim und die angrenzenden Städte. „Es ist diese ganz andere Perspektive, die man von der oben hat.“

Dass Ena, Adin und ihr Vater kürzlich gemeinsam mit Andrea Lukner abheben und ihr Zuhause von oben bestaunen durften, ist übrigens dem Verein Rolli Rockers Sprösslinge, einer Initiative, die Kindern und Familien in Not hilft, zu verdanken. Ena hatte bei der Tombola des Sommerfestes von Rolli Rockers im vergangenen Jahr den Hauptpreis ergattert – den Rundflug übers Ruhrgebiet. Nicht zum ersten Mal hatten Kinder, die von dem Verein betreut werden, die Möglichkeit, in Lukners Maschine mitzufliegen. Schon drei Mal hatte die Hobbypilotin kleinen Passagiere auf Initiative von Rolli Rockers zu dem unvergesslichen Abenteuer verholfen. „Gerade in dieser Zeit braucht man schöne Erlebnisse und ein paar glückliche Momente“, ist die 53-Jährige überzeugt.
Mülheimer Benefiz-Aktion Jolanthe sammelt für den Wünschewagen
Damit der ASB-Wünschewagen, der durch Spenden finanziert und ehrenamtlich betrieben wird, weiterhin unterwegs sein kann, um Sterbenskranken letzte Herzenswünsche zu erfüllen, sammeln wir mit unserer alljährlichen Benefiz-Aktion Jolanthe von WAZ und NRZ Geld für das Projekt.
Möchten Sie im Rahmen unserer Aktion Jolanthe spenden? Das Spendenkonto ist freigeschaltet (Verwendungszweck „Wünschewagen“): DE 05 3625 0000 0175 0342 77, Sparkasse Mülheim. Wer eine Spendenquittung erhalten möchte, gibt bitte seinen vollständigen Namen und seine Adresse an.





