„Die haben an dem Tag keinen Krebs.“ Das ist der Satz, der wohl am besten beschreibt, was passiert, wenn Ruth und Jochen Vaupel mit dem Wünschewagen des ASB vorfahren. Die Krankenschwester und der Hausarzt gehören zu den ehrenamtlichen Helfern, die schwer erkrankten Menschen einen letzten Wunsch erfüllen, einen letzten Ausflug zu einer wichtigen Familienfeier, zum liebsten Fußballverein oder ans Meer.

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„Der letzte Ausflug führt an Sehnsuchtsorte und zu lieben Menschen“, sagt Jochen Vaupel, der in Mülheim wohnt und eine Hausarztpraxis in Essen-Kettwig hat, in der er mit seiner Frau gemeinsam arbeitet. Die Vaupels sind erfahrene Begleiter auf letzten Wegen. Er war als Palliativarzt im Hospiz und daneben noch Notarzt. Sie arbeitete ebenfalls im Hospiz.

Warum das Mülheimer Paar in seiner Freizeit Wünschewagen fährt

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Ihr gesamtes Berufsleben widmen sie dem Wohlergehen von Menschen. Warum auch ihre Freizeit? „Das sind die Randbereiche der Medizin, wo man mit dem, was man kann, etwas Schönes erleben kann. Es ist auch deshalb immer etwas Besonderes, weil man in das Leben der Menschen eintaucht“, sagt Jochen Vaupel.

So erinnert sich der Hausarzt an eine Situation, in der ein letztes Treffen zweier Schwestern arrangiert werden sollte. „Die eine Schwester hat Krebs, die andere ist im Pflegeheim. Da geht es um die Frage, wer besser dran ist.“ Er erinnert sich auch an einen Fall, als eine Frau sich beim Wünschewagen-Team meldete, um eine Fahrt ihres schwer kranken Mannes zur Hochzeit des Sohnes zu arrangieren. Vor Ort habe sich dann herausgestellt, dass sich längst nicht alle über das Erscheinen gefreut haben. Am Ende gab es aber noch eine bewegende Versöhnung.

Der Wunsch: Ein letztes Mal den Schützenumzug anführen

Die Menschen melden sich selten selbst beim Wünschewagen-Team, oft sind es Kinder, Partner oder Betreuer. Beide Vaupels erinnern sich lebhaft an einen Ausflug mit einem Mann, der jahrzehntelang in seiner Heimat im Schützenverein aktiv war. Jedes Jahr führte er den Umzug als Fahnenträger an. Im Alter wurde der Weg in die Heimat zu weit. Es war sein Sohn, der ihm mit dem Wünschewagen einen letzten Besuch ermöglichen wollte.

Ehepaar Vaupel fährt im Wünschewagen mit
Ruth Vaupel wurde als Erste auf den Mülheimer Wünschewagen aufmerksam und fährt schon seit 2017 mit. „Und ich mache alles, was meine Frau macht“, sagt Jochen Vaupel scherzhaft. Inzwischen fahren sie nur noch zusammen.© privat | Privat

Als der Wünschewagen am Zielort ankam, stand bereits der gesamte Schützenverein parat. Am Rollstuhl des Schwerkranken wurde eine Halterung für die Fahne angebracht, so dass er ein letztes Mal das tun konnte, was er so viele Jahre getan hatte: den Zug anführen. Am Ende des Tages hätten die Schützenkameraden ihm noch ein Ständchen gebracht. „Bis zum nächsten Jahr“, hieß es zum Abschied. „Dabei haben alle geweint“, erinnert sich Ruth Vaupel, die seit 2017 mit dem Wünschewagen unterwegs ist.

Mülheimer Arzt sagt: „Das Sterben ist an dem Tag weit weg“

Und doch betont ihr Mann: „Wünschewagen-Fahrten sind keine Taschentuch-Veranstaltungen. Das Sterben ist an dem Tag weit weg.“ Und wie geht das Ehepaar mit der großen Verantwortung um, die sie bei solchen Gelegenheiten übernehmen? „Es ist anstrengend. Wenn wir wieder zu Hause sind, ist der Tag dann auch zu Ende“, sagt Jochen Vaupel. Seine Frau ergänzt: „Das ist der Grund, warum wir keine Fahrten mit Übernachtung machen. Man braucht danach Zeit zum Durchatmen.“

Ehepaar Vaupel fährt im Wünschewagen mit
Einmal mit dem Renntaxi über den Nürburgring brettern - auch den Wunsch konnten die Vaupels erfüllen.© privat | Privat

Dennoch ist und bleibt es eine Herzensangelegenheit. „Ich mache das auch für das Lächeln am Ende des Tages“, sagt sie und erinnert sich an eine Fahrt mit einer besonders schwachen Patientin, die ein letztes Mal den Marsch der Nationen beim CHIO erleben wollte. Leider war es an dem Tag sehr heiß und die Kraft ging kurz vor dem Finale, bei dem traditionell weiße Taschentücher geschwenkt werden, aus. „Wir mussten abbrechen, aber als wir zurück ins Hospiz kamen, stand das gesamte Personal Spalier und schwenkte weiße Taschentücher.“ Menschlichkeit schenken und Menschlichkeit erleben - das kann man im Wünschewagen in besonders intensiver Form.

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Unterstützung für Mülheims Wünschewagen: So kann man helfen

Damit der ASB-Wünschewagen, der durch Spenden finanziert und ehrenamtlich betrieben wird, weiterhin unterwegs sein kann, sammeln wir mit unserer alljährlichen Benefiz-Aktion Jolanthe von WAZ & NRZ Geld für das Projekt.

Möchten Sie im Rahmen unserer Aktion Jolanthe spenden? Das Spendenkonto ist freigeschaltet (Verwendungszweck „Wünschewagen“): DE 05 3625 0000 0175 0342 77, Sparkasse Mülheim. Wer eine Spendenquittung erhalten möchte, gibt bitte seinen vollständigen Namen und seine Adresse an.