Die Rute kupiert, die Ohren verstümmelt – schon die Schilderung, was vielen Tierheimhunden angetan wurde, hat das Potenzial, dass den Zuhörern schlecht wird. Wer schön sein will, muss leiden, sagt ein Sprichwort. Es bezieht sich auf die Menschen. Wie Hunde leiden und Schmerzen ertragen müssen, weil sie einem Schönheitsideal von Menschen entsprechen sollen – unvorstellbar. Viele dieser Tiere landen im Duisburger Tierheim, sind durch ihre schlimmen Erlebnisse verhaltensauffällig und kaum zu vermitteln. Neun Fellnasen – alle mit Maulkorb – wurden jetzt beim „Date our dogs“ Interessenten vorgestellt.

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In Deutschland ist es verboten, den Tieren Rute oder Ohren zu kupieren, aber im Ausland wird es oft gemacht. Das Leiden hat teilweise lebenslange Folgen für die Vierbeiner. So wie beim Mischling Patrick, genannt Teddy. Er kennt keine gemütliche Wohnung, kein liebevolles Zuhause. „Er kam aus dem Ausland und wurde bei uns abgegeben, da war er noch kein Jahr alt“, erzählt Anna Koltermann, Abteilungsleiterin Hund im Tierheim. Das ist fünf Jahre her, es habe schon lange keine einzige Anfrage mehr für ihn gegeben.
Tierheim Duisburg: Hund bekommt seit fünf Jahren keine einzige Anfrage
„Von der Optik her ist er ein harter Typ, aber er ist super sensibel“, erklärt die gelernte Hundetrainerin Koltermann. Lange musste er tierärztlich versorgt werden, damit er keine Schmerzen mehr an den Ohren hat. Medikamente braucht er auch heute noch. Die Wolfskralle, das ist ein zusätzlicher Zeh beim Hund an der Innenseite der Hinterläufe, der den Boden nicht berührt. Diese Kralle wächst bei ihm ins Fleisch, wenn sie nicht geschnitten wird. Daher wird mit ihm auch trainiert, dass er beim Tierarzt ruhiger ist.

In einen Haushalt mit Kindern kann Teddy definitiv nicht vermittelt werden. „Eigentlich ist er ein cooler Begleiter, aber man muss seine Körpersprache interpretieren können, einen sehr ruhigen Umgang mit ihm haben, weil sein Gemüt immer auf der Kippe steht“, schildert die Trainerin seinen Charakter. Auch seine Rute kann er nicht als Kommunikationsmittel einsetzen, weil er keine mehr hat. Er ist definitiv kein Anfängerhund.
Vermittlung ist extrem schwer
Tierpflegerin Svenja Gith, die auf dem Spaziergang durch die Umgebung des Tierheims dabei ist, freut sich, dass Teddy heute einige Menschen um ihn herum erträgt. Er legt sich sogar auf den Rücken und lässt sich kraulen. Und wartet natürlich auf Leberwurst aus der Tube – zur Belohnung. Ungefähr 15 Hunde sind es seit langem, deren Vermittlung extrem schwer ist. Dabei sind es oft echt nette Kerle, man muss den Umgang mit ihnen aber beherrschen.
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Zum Dauergast geworden ist auch Chopper, der dreieinhalb Jahre alt ist, aber schon seit zweieinhalb Jahren nur das Tierheim als sein Zuhause kennt. Auch er hat die Ohren kupiert, die Wunden sind aber gut verheilt. Chopper, ein Kangal, wurde von einer Familie aus der Türkei mit nach Deutschland gebracht. Es gab in der Familie drei Kinder und es fehlte die Zeit, Chopper vernünftig zu sozialisieren. Das führte zu einer problematischen Entwicklung. Er wurde an Freunde verschenkt und dann noch einmal weiterverschenkt, weil niemand mit ihm zurechtkam. Schließlich landete der junge Hund im Duisburger Tierheim.
Das Problem mit Kangals
„Kangals sind eigentlich Hütehunde, die sich alleine um Schafe kümmern, sie bewachen und Wölfen die Stirn bieten. Die Rasse ist es gewohnt, selbst zu entscheiden, wann, was gemacht wird. Er kennt alle Befehle, aber er fragt sich eher, warum niemand auf ihn hört“, charakterisiert Anna Koltermann den Rüden. Dann könne es durchaus wenig entspannte Situationen für den Hundeführer am anderen Ende der Leine geben.

Er braucht also konsequentes Training, und zwar dauerhaft. Eine Mietwohnung im dritten Stock – das ist nichts für Chopper. „Am besten geeignet ist ein großes Grundstück oder ein Gelände, das er bewachen muss“, sagt die Trainerin. Einen anderen Kangal hat das Tierheim vor längerer Zeit an einen Putenhof vermittelt, wo er super Arbeit leistet.
Austausch mit Heim in Gelsenkirchen
Das Duisburger Tierheim hat auch schon Tiere mit dem Gelsenkirchener Tierheim getauscht, das oft Erfolg hat, Kangals zu vermitteln. „Aber die Interessenten wollen dann echte Schlachtschiffe an Hunden haben, Chopper ist aber für diese Rasse eher zierlich. Er ist ein Cabrio-Hund, den bisher leider niemand will“, bedauert sie.
Jedes Tier mit seinem individuell schlimmen Schicksal wird den Interessenten an diesem Sonntag vorgestellt. Schonungslos, ehrlich, mit allen Vorzügen und Eigenheiten. Unter den Besuchern ist auch Kiki Klein, die mit Sohn und Schwiegertochter gekommen ist, weil sie einen solchen Hund sucht. „Wir wollen uns dann gegenseitig helfen, damit der Hund gut betreut ist, wenn jemand mal keine Zeit hat.“
Ihre Hündin ist im vergangenen Jahr gestorben. „Chopper würde ich nehmen, aber ich habe eine Mietwohnung, das ist nicht möglich“. Zwei Hunde hatte sie schon und möchte wieder einen älteren Hund aufnehmen. Vor der Herausforderungen hat sie keine Angst. „Einen Welpen aufziehen, das kann ja jeder“, sagt sie.





