Hören! in Essen lautet am Donnerstag, 22. Oktober, von 10 bis 21 Uhr der nächste Stopp der Grand Snail Tour, der gemeinsam von Urbane Künste Ruhr und der Folkwang Universität der Künste veranstaltet wird.
Am Viehofer Platz fordert das Sound Practice Research-Kollektiv Essen dazu auf, den Ort gemeinsam als Ausgangspunkt einer klanglichen Erkundung zu erleben. Unter der Leitung von Jan St. Werner haben sich Studierende verschiedener Fachrichtungen der Folkwang Universität der Künste unter diesem Namen zusammengetan. Im Fokus stehen die architektonischen und situativen Bedingungen des Platzes, die durch Hören, Improvisation und elektronische Komposition erfahrbar werden. Gemeinsam mit Norbert Palz und seiner Klasse von der Universität der Künste Berlin sowie in Zusammenarbeit mit Tänzerinnen und Tänzer der internationalen Tanzkompanie Constanza Macras / Dorky Park kommen zudem Urban Reflectors zum Einsatz: eigens entwickelte Betonformen, die im öffentlichen Raum positioniert, klanglich bespielt und als Reflektoren und Resonanzkörper untersucht werden.
Jan St. Werner ist Musiker, Komponist und Klangkünstler und prägt seit den 1990er-Jahren mit Mouse on Mars die internationale experimentelle Musikszene. Seit Anfang 2025 ist er Professor an der Folkwang Universität der Künste. Gemeinsam mit dem Klangkünstler und Komponisten Michael Akstaller und Studierenden erforscht er experimentelle Formen des Hörens, Komponierens und kollektiven Gestaltens mit Klang. Im Zentrum steht die Frage, wie das Hören neue Perspektiven auf urbane Räume eröffnet und gemeinschaftliche Erfahrungen ermöglicht. Der Tourstopp macht diese Praxis unmittelbar erfahrbar und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, den Viehofer Platz als klingenden Resonanzraum neu zu entdecken. Am Abend wird die Erkundung in der Neuen Musik Zentrale (NMZ) mit einer Lecture von Norbert Palz und dem gemeinsamen Anhören der Feldaufnahmen des Tages fortgesetzt.

Programm am 22. Oktober
- Klangliche Erkundungen des Stadtraums um 10 Uhr
Das Sound Practice Research-Kollektiv lädt gemeinsam mit Gästen zu einem vielseitigen Programm rund um den Viehofer Platz ein: Mit Instrumenten, Klangobjekten, portablen Mikrofonen und den Urban Reflectors wird der Stadtraum aktiviert und auf seine Echos, Reflexionen und Resonanzen untersucht. Offene Aktionen wie Klatschen und Schreien laden zum Mitmachen ein; Field Recordings, Hörstationen und Klangexperimente eröffnen neue akustische Perspektiven auf die Umgebung. - Sound Practice Research-Kollektiv um 17 Uhr
Ab 17 Uhr richtet sich das Programm ausdrücklich an Besucherinnen und Besucher und fasst die vorherigen experimentellen Workshops noch einmal zusammen. Ein offener Slot bietet Raum für spontane klangliche Experimente des Sound Practice Research-Kollektivs. - Lecture mit Norbert Palz und gemeinsames Hören um 19 Uhr
Zum Abschluss gibt Norbert Palz in der Neuen Musik Zentrale (Viehofer Platz 18) Einblicke in seine Arbeit und die Überlegungen hinter dem Instrument Urban Reflector. Anschließend werden gemeinsam Feldaufnahmen des Tages angehört und die akustischen Erkundungen noch einmal zusammengeführt.
Sound Practice Research
Der Studiengang Sound Practice Research der Folkwang Universität der Künste widmet sich der theoretischen und praktischen Erforschung von Klang und Musik in all seinen Dimensionen. Unter der Leitung des Künstlers und Musikers Jan St. Werner sowie eines internationalen Teams von Lehrenden und Gästen bietet das Programm einen interdisziplinären Rahmen, der Kulturwissenschaft, Musikwissenschaft, Kunst, Musik, Performance, künstlerische Forschung, Medienproduktion sowie Methodiken zeitgenössischer und experimenteller Komposition zusammenführt.
Der zweijährige Masterstudiengang versteht Klang als eigenständiges künstlerisches Material, das über Musik hinausreicht. Klang bildet den Ausgangspunkt, jedoch ausschließlich nicht das Ziel: Musik wird als eine von vielen möglichen Ausdrucksformen innerhalb eines erweiterten Feldes künstlerischer, räumlicher, performativer und technologischer Praktiken begriffen.

Chronik
- Begleitet wird die Grand Snail Tour von Künstler*innen aus dem Bereich Literatur, Fotografie und Illustration, die zeitgleich zum Aufenthalt des Tourmobils Eindrücke und Reflexionen aus jeweils derselben Stadt sammeln und diese visuell oder literarisch ins Bild setzen. So entsteht ein Paratext zur dreijährigen Tour, der in Form einer Reisechronik, als ein Kaleidoskop an Geschichten, Verbindungen, Momentaufnahmen in den 53 Städten und Gemeinden der Region Gleichzeitigkeiten und Ungleichzeitigkeiten zur Grand Snail Tour sichtbar werden lässt.
Lucia Jost (*1998 in Berlin) ist Fotografin und lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Fotografie am Lette-Verein und ist seit ihrem Abschluss 2022 freiberuflich tätig. In ihren Langzeitprojekten beschäftigt sie sich mit weiblicher Emanzipation, Intimität und dem Leben in Großstädten. Ihre Arbeit verbindet dokumentarische Ansätze mit inszenierten Porträts und bewegt sich zwischen persönlichen und politischen Perspektiven. Dabei untersucht sie, wie Weiblichkeit durch Gemeinschaft, Orte und geteilte Erfahrungen geprägt wird. Ihre Fotografien wurden international ausgestellt und 2023 mit dem Portrait of Humanity Award des British Journal of Photography ausgezeichnet. Ihre Arbeiten erscheinen regelmäßig in Magazinen und Zeitungen wie Vogue Germany, ZEITmagazin, Der Spiegel, GEO und taz.
Internationale Künstlerinnen und Künstler
Einen wesentlichen Bestandteil der Grand Snail Tour bildet ein - sich nach und nach erweiternder - Pool an Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler, die individuell vor- und ausgestellt, vor allem jedoch tatsächlich benutzt werden. Präsentiert wird eine Auswahl aus der ständig wachsenden Sammlung, die bisher die folgenden Werke umfasst.
Cem A. – floor pieces and stanchions
Havîn Al-Sîndy – Worte an den Ohren, an der Haut, an der Zelle
Aram Bartholl – Choir Of Missed Connections
Cosima von Bonin – 7000 Palmen
Jordi Colomer – NEW RUHR MAP
Kasia Fudakowski – Palliative Patterns
Lütfiye Güzel – Local Blackouts
Anna Haifisch– Kleine orange Schnecke
Nils Norman – Tablescapes
Sowatorini Landschaft– Sonne Art Minigolf
Anna Viebrock – HEUTE DEMNÄCHST ENDE
Stefan Marx – Nordmarkt und Kiosk
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Infos
GRAND SNAIL TOUR #33
Räumen in Hattingen
Donnerstag, 10. September
11 bis 18 Uhr
Adresse
HAZ Arbeit + Zukunft e.V.
Am Walzwerk 19
45527 Hattingen












