Helene-Lohmann-Realschule

Wittener Realschüler schaffen den Alpencross

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Fast geschafft: Kay Brandt und Peter Appuhn (re.) freuen sich, dass die Berge hinter ihnen liegen.Foto:HLR

Fast geschafft: Kay Brandt und Peter Appuhn (re.) freuen sich, dass die Berge hinter ihnen liegen.Foto:HLR

Witten.   Gemeinsam haben die Zehntklässler die Radtour von der Zugspitze bis zum Gardasee bewältigt. Dabei wäre ihnen einmal fast die Puste ausgegangen.

Sie haben es tatsächlich geschafft: 15 Zehntklässler der Helene-Lohmann-Realschule haben die Alpen mit dem Rad überquert. Keiner hat schlapp gemacht – trotz stattlicher 4035 Höhenmeter, die erradelt sein wollten. „Wir sind quasi den halben Mount Everest hoch“, sagt Johanna Kleffmann stolz. Das Schlimmste waren aber nicht die Berge – sondern ausgerechnet die Flachetappe kurz vorm Gardasee.

Los ging’s am 29. Mai im österreichischen Zugspitz-Dorf Ehrwald. 376 Kilometer lagen da noch vor den Schülern, die das ungewöhnliche Projekt als Wahlpflichtfach gestartet hatten, am Ende also auch noch eine Note dafür bekommen.

Es galt die komplette Vorbereitung zu stemmen

Die Idee dazu hatte Christian Bockelbrink. Der Sport- und Deutschlehrer ist Mountainbiker, hat die Alpen selber schon vier Mal mit dem Rad überquert. Er bot die Fahrt den Schülern an, bezweifelte aber zunächst, dass sich genügend Teilnehmer anmelden würden. Schließlich galt es nicht nur zu radeln, sondern die komplette Vorbereitung zu stemmen: Sponsoren suchen, Unterkünfte buchen, Homepage pflegen, Pressearbeit machen und: ganz viel trainieren.

Zugegeben: Letzteres hat nicht bei allen so geklappt, wie es eigentlich sollte. Mitfahren durften trotzdem alle 15, „aus pädagogischen Gründen“, wie Christian Bockelbrink lächelnd sagt. Eine Entscheidung, die er zum Glück überhaupt nicht bereuen musste.

„Drei Stunden nur bergauf, das war schon echt schwer“

Alle haben die Tour bewältigt. Und selbst am dritten Tag, als die „Königsetappe“ 700 Höhenmeter den Reschenpass hoch führte, hat keiner gebockt. Obwohl: „Drei Stunden nur bergauf, das war schon echt schwer“, gibt Johanna zu. Das habe sie sich zu Hause so wirklich nicht vorgestellt.

Aber mit genügend Pausen und gutem Proviant, den die Eltern im Begleit-Fahrzeug auf der Bergkuppe servierten, haben alle auch diese Herausforderung gemeistert. Wenn auch unter Schmerzen. „Mir tat der Hintern so weh, ich konnte zeitweise nur noch im Stehen fahren“, gibt Dylan Brauckhoff grinsend zu. Alle Qualen aber hätten sich gelohnt: „Dieses Erlebnis, es zusammen zu schaffen, gemeinsam mit allen ein Ziel zu erreichen, das war einfach unbeschreiblich.“

„Das macht mir echt Gänsehaut“

Dass es ein „grandioses Erlebnis“ war, das bestätigt auch Christian Bockelbrink. „So was habe ich in meinen 19 Jahren als Lehrer noch nicht erlebt, das macht mir echt Gänsehaut.“ Es habe alles, aber auch wirklich alles gepasst: Sogar das Wetter spielte mit: Die Wittener radelten eine Woche lang bei Sommerwetter über die Berge. Und während es im Training Stürze, gerissene Ketten und defekte Schaltungen gab, lief beim Alpencross alles rund. Der eine Plattfuß am Abend zählt da nicht. Und dass Dylan in einen losen Gullydeckel getreten ist, der ihm bös das Bein aufschürfte, wird auch nur als Anekdote erzählt.

Fies, so richtig fies, war ausgerechnet nur die Flachetappe nach Trient, auf die sich eigentlich alle gefreut hatten. Da gab’s nämlich 90 Kilometer lang Gegenwind. „Das war zäh“, so Bockelbrink. Es ging einfach nicht voran. „Ich habe bestimmt zehnmal gesagt: Nur noch zwei Kilometer...“

Letzte Kilometer liefen gemschmeidig

Umso geschmeidiger lief dann die letzte Tour. Ordentlich bergauf ging es da zwar auch noch mal. Aber der Gardasee war schon zu sehen. Das hat die letzten Reserven bei den Zehntklässlern mobilisiert. „Und als wir dann in Torbole in den See reingesprungen sind, das war gigantisch“, erzählt Johanna. War das nicht zu kalt? „Doch klar, aber das war uns so was von egal.“

Das Bad war ein toller Abschluss der Fahrt, die Fahrt ein toller Abschluss der Schulzeit in Bommern. „Aber wir wollen alle in Kontakt bleiben“, versichern die Schüler. „Denn wir haben uns alle richtig lieb gewonnen.“

>>>BILDER UND FILME IM NETZ

Das Projekt soll keine einmalige Aktion gewesen sein. Christian Bockelbrink will den Alpencross im nächsten Jahr wieder anbieten. Dann für die Neuntklässler, die schon diesmal gerne mitgefahren wären.

Bilder und eine 25-minütige Dokumentation der Fahrt über die Alpen gibt es auf http://hlr-alpencross-2018.de

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