Städte

Wittener Geograf schreibt zwei Bücher für Entdecker

Wollen dazu ermuntern, in Städten auf Entdeckungsreise zu gehen: Architekt Kai Kühmichel (li.) und der Wittener   Geograf Prof. Lienhard Lötscher.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Wollen dazu ermuntern, in Städten auf Entdeckungsreise zu gehen: Architekt Kai Kühmichel (li.) und der Wittener Geograf Prof. Lienhard Lötscher.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Witten.   Lienhard Lötscher und Kai Kühmichel haben Bücher zur Stadtentwicklung und Architektur geschrieben. Mit Wittener Beispielen – für Entdecker.

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Das Revier – eine Region, in der die Städte beinahe nahtlos ineinander übergehen. Viele pendeln zum Job, leben in Witten, arbeiten in Essen, Herne oder Gelsenkirchen. An den Häusern in unseren Städten hastet man im Alltag oft achtlos vorbei. Der Wittener Geograph Prof. Lienhard Lötscher und der Architekt Kai Kühmichel wollen dies ändern. Sie haben ein Hand- und ein Feldbuch geschrieben, das Interessierten erklärt, wie sich Städte entwickelt haben und welche Architektur unsere Umgebung prägt. Neben Beispielen aus New York, London, Paris und dem Ruhrgebiet spielt hierbei auch Witten eine Rolle.

Lötscher, der privat seit 30 Jahren in Bommern zuhause ist, war bis zu seiner Pensionierung Professor für Kultur- und Siedlungsgeographie an der Ruhr-Universität Bochum. Während seiner Tätigkeit als Wissenschaftler ist der heute 71-Jährige mit der Kamera nicht nur in Deutschland, sondern weltweit unterwegs gewesen. Sein privates Bildarchiv umfasst 20 000 bis 30 000 Dias, schätzt der gebürtige Schweizer. Ein Fundus, aus dem er und der Gelsenkirchener Architekt Kai Kühmichel beim Schreiben der Bücher schöpfen konnten.

Vom Irak bis nach Schwaben

Ihr 300 Seiten starkes, reich bebildertes Handbuch liefert Hintergrund-Informationen, um verstehen zu können, wie Städte sich von ihren Anfängen bis heute über die Jahrhunderte entwickelt haben. Mit Lötschers und Kühmichels Feldbuch und einem Plan der Stadt in der Tasche, die man sich gerne einmal näher ansehen möchte, kann man auf Entdeckungstour gehen.

Das Feldbuch zeigt farbige und leicht verständliche Plan- und Luftbild-Ausschnitte und auch Hausfassaden – etwa vom alten Hattinger Rathaus, vom Borsigplatzviertel in Dortmund oder der Siedlung Teutoburgia in Herne. Erklärt wird, wann dort welche Alltags-Architektur entstand, welche Merkmale diese hat, zum Beispiel bei der Gestaltung der Fassaden und Dächer.

Villa Gustav Lohmann ist ein Beispiel

Im Handbuch erfährt der Leser auch viel Geschichtliches. Zum Beispiel über die Stadt Arbela (Arabisch Arbil) im heutigen Irak, die mit einer über 6000-jährigen Siedlungsgeschichte als eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Welt gilt. Aber auch über antike Städte wie Delos und Milet, von der Stadt im Mittelalter – wie zum Beispiel Bern in der Schweiz oder Nördlingen in Schwaben.

Im 19. Jahrhundert, der Zeit der Industrialierung, kommt dann Witten ins Spiel. Das Muttental als eine der „Wiegen des Bergbaus“ im Ruhrgebiet. Aber auch Häuser, die im 19. Jahrhundert gebaut wurden – wie die Villa Gustav Lohmann an der Ruhrstraße 78. Das repräsentative Gebäude wurde ab 1873 im Auftrag des Unternehmers Gustav Lohmann (1847-1934) errichtet, damals in direkter Nachbarschaft zur Kornbrennerei der Familie.
Ein Haus, dessen Fassade aus Pariser Sandstein besteht. Ein Gebäude, an dem man gleichzeitig mehrere Stilformen erkennen kann, wie Architekt Kai Kühmichel erläutert. So wird man bei einem Blick auf die Lohmann-Villa auch an die Antike erinnert. Denn im Erdgeschoss sieht man ionische, im ersten Obergeschoss korinthische Säulen, an der Front jedoch barocke Balustraden.

„Witten ist doch überall“

Von 1903 ist das „rote Haus“ an der Ruhrstraße 60, das Betrachtern durch seine neogotische Fassade ins Auge fällt. Auch der Jugendstil hat an einigen denkmalgeschützten Gebäuden in Witten seine Spuren hinterlassen. Lötscher und Kühmichel haben sich für das Haus Nr. 30 in der Schillerstraße entschieden, das sie neben Haus-Beispielen aus Gelsenkirchen und Herten in ihr Buch aufgenommen haben.
Ein Gebäude im klassizistischen Stil kann man an der Ruhrstraße 76 sehen. Ein Haus-Beispiel aus Witten für einen Stil, in dem während des gesamten 19. Jahrhunderts europaweit Rats- und Bürgerhäuser gebaut wurden. Was Prof. Lienhard Lötscher schmunzelnd mit dem Satz kommentiert: „Witten ist doch überall.“

>>> DIE AUTOREN

Lienhard Lötscher, gebürtiger Schweizer, war Professor an der Universität Basel, der TU München und Inhaber des Lehrstuhls Kultur- und Siedlungsgeographie der Ruhr-Universität Bochum. Seit 30 Jahren lebt Lötscher privat in Bommern.

Kai Kühmichel ist Architekt und Stadtplaner. Der Gelsenkirchener lehrte Architektur und Stadtplanung an der Fachhochschule Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und im Master-Studiengang Städtebau NRW, dessen Seminare in der FH Köln stattfinden.

Lötschers und Kühmichels Handbuch (300 S., 27,90 €) und Feldbuch (80 S., 7,90 €) „Vom Haus zur Stadt. Stadtentwicklung sehen-erkennen-verstehen“ sind im Münsteraner Lit-Verlag erschienen.

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