Lesung

Wittener Autorentreff liest in Seniorenheimen

Alle Augen waren auf Helmut Rinke gerichtet, als der Autor und pensionierte Lehrer in der Boecker Stiftung seine Geschichten vorlas.

Alle Augen waren auf Helmut Rinke gerichtet, als der Autor und pensionierte Lehrer in der Boecker Stiftung seine Geschichten vorlas.

Foto: Bastian Haumann

Witten.   Helmut Rinke liest Senioren eigene Werke vor. Er ist Mitglied einer Autorengruppe, die regelmäßig in Wittener Altenheimen zu Gast ist.

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Helmut Rinke ist pensionierter Lehrer und hat vor einiger Zeit das Schreiben für sich als Hobby entdeckt. Seine Geschichten aus dem Alltag liest er zwei Mal im Jahr den Senioren aus der Boecker Stiftung an der Breite Straße vor.

Rinke ist Mitglied des Autorentreffs, den es seit 1990 in Witten gibt. Die 20 Autoren sind regelmäßig in allen zwölf Wittener Seniorenheimen zu Gast. Etwa 30 bis 40 Lesungen im Jahr kommen da zusammen.

An diesem Nachmittag haben sich mehr als zwanzig alte Damen und Herren in dem Raum vor der Kapelle versammelt. Rinke beginnt mit einem Gedicht: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland – sofort sprechen einige Zuhörer die Verse mit. „Die Geschichten aus der Frühzeit, vom Krieg, der Nachkriegszeit und den Schwierigkeiten – das bringt bei den Menschen Erinnerungen hoch“, sagt Autor Helmut Rinke. Für die Senioren ist die Lesung eine willkommene Abwechslung. „Sie freuen sich so sehr darauf, weil oft alte Geschichten kommen, mit denen die Lebensgeister wieder geweckt werden“, sagt Stefanie Aufermann, Diplom-Pädagogin im sozialen Dienst.

Beim Wesentlichen bleiben

Dieter Berrar wohnt seit einem Jahr in der Boecker Stiftung. Bei der Frage nach seinem Alter muss er kurz überlegen. „Ich bin 1943 geboren“, sagt er schließlich. Die Lesung gefällt ihm gut: „Ich gehe immer hier hin.“

Auch Bewohnerin Hannelore Mertens-Hillebrandt (75) genießt die Nachmittage, an denen die Autoren zu Gast sind. „Es ist so schön, eine andere, schöne Sprache zu hören. Das ist schon ein Genuss.“ Die Seniorin hat früher selbst viel gelesen, wie ihr Mann verrät. Er lebt noch zu Hause, aber besucht seine Frau jeden Tag. Gudrun Wallach ist 85 Jahre alt und erst seit Kurzem in der Altenpflege. „Ich wohne jetzt hier und habe auch vor hier zu bleiben“, sagt sie und lacht. „Ich bin ja heute völlig überrascht worden von der Lesung und bin begeistert.“

Nach einer knappen Stunde mit kurzen Geschichten von alten Fords, Enkelkindern und über die Schönheit von Witten ist die Lesung vorbei. Helmut Rinke weiß, dass er vor den Senioren über alles reden darf – nur nicht über eine Stunde, sonst schläft sein Publikum ein. „Und irgendwie ist das Lesen für alte Menschen ähnlich wie das für Kinder“, sagt der pensionierte Lehrer. „Man muss beim Wesentlichen bleiben.“

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