Wahlkampf

Wittener AfD soll Foto von zerstörtem Plakat gefälscht haben

Die Wahlplakate zur Europawahl hängen – jetzt gibt’s den ersten Ärger.

Die Wahlplakate zur Europawahl hängen – jetzt gibt’s den ersten Ärger.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   Ein Leser will gesehen haben, wie AfD-Sprecher Matthias Renkel am Sonntagmorgen ein Foto mit dem zerstörten Wahl-Plakat gefälscht hat.

Nach den Anschuldigungen durch die AfD-Ennepe-Ruhr wird nun auch Roland Löpke, Fraktionsvorsitzender der Wittener Piraten, juristische Schritte einleiten. AfD-Kreissprecher Matthias Renkel hatte Löpke beschuldigt, Wahlplakate abgerissen zu haben, und ihn deshalb angezeigt. „Gegen diese Rufschädigung muss ich mich wehren“, so Löpke. Gleichzeitig gibt es neue Vorwürfe – diesmal gegen die AfD: Ein Leser erklärte im Gespräch mit der WAZ, er habe gesehen, wie Renkel zerstörte AfD-Plakate unter denen der Piraten deponiert und dann fotografiert habe.

„Plakat wurde aus dem Kofferraum geholt“

Der 47-Jährige, dessen Name der Redaktion bekannt ist, erklärte, er habe am Sonntagmorgen mit seinem Auto an der Ecke Im Esch / Sprockhöveler Straße am Straßenrand angehalten, um mit seiner Mutter zu telefonieren, als ein Wagen vor ihm hielt. „Herr Renkel, den ich aus der Presse kenne, stieg aus und holte ein Plakat aus dem Kofferraum.“ Der AfD-Mann habe das bereits vermackte Schild unter das der Piraten an der Laterne auf den Boden gelegt und alles fotografiert. „Dann packte er das AfD-Plakat wieder ein und fuhr weiter.“

Der Augenzeuge konnte es kaum fassen: „Ich bin total schockiert. Ich bin zwar kein Pirat, wähle eine andere Partei, aber das geht gar nicht.“ Er wisse, dass in der Politik öfter mal mit harten Bandagen gekämpft werde. „Aber das ist kriminell.“ Der 47-Jährige hat kein Foto von den Vorgängen gemacht. „Aber meine Mutter, die ich ja am Telefon hatte, hat alles mitbekommen.“ Sie sei „Geräuschezeugin“. Am Montag werde er zur Polizei gehen und das Gesehene melden. „Und ich bin bereit, das auch unter Eid auszusagen.“

Matthias Renkel versicherte auf Nachfrage, er habe nur die abgerissenen Plakate aufgesammelt und zuvor fotografiert, um zu dokumentieren, dass es sich um ein AfD-Plakat gehandelt habe. Die Anschuldigungen seien nichts als eine „linke Retourkutsche“.

AfD blieb Beweis bislang schuldig

Auch Chef-Pirat Löpke wird heute zur Polizei gehen. Er will Anzeige wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung erstatten. AfD-Sprecher Renkel hatte behauptet, Löpke sei beim Abreißen der AfD-Plakate auf der Ruhrbrücke von ihm bekannten Zeugen „auf frischer Tat erwischt worden“. Davon gebe es auch Fotos. Diesen Beweis blieb die AfD aber bislang schuldig.

In einem im Internet veröffentlichten AfD-Statement heißt es nun hingegen, Löpke sei „mutmaßlich auf frischer Tat erwischt“ worden. Der Wittener Chef-Pirat nennt das „ein klassisches Eigentor“ der AfD: „Ich laufe sicherlich als Wittener Ratsmitglied am helllichten Tag an einer viel befahrenen Straße herum und reiße Wahlplakate ab! Und wie erwischt man eigentlich jemanden ‚mutmaßlich‘?“

Die Anschuldigungen ließen sich leicht entkräften, so die Piraten. Löpke: „Die AfD bewegt sich mit solchen Aktionen und Äußerungen weit außerhalb des demokratischen Diskurses. Verleumdungen und falsche Verdächtigungen sind ernste Straftaten. Dagegen muss ich mich wehren.“

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