Wirtschaft

Witten: ZF baut 100 Stellen im Werk für Großgetriebe ab

Ulrich Reinders (re.), Geschäftsführer der ZF-Industrieantriebe Witten GmbH, und ZF-Kommunikationsleiter Gernot Hein präsentierten vor zwei Jahren im Wittener Werk ein 8-Megawatt-Getriebe. Es war das bislang größte in Serie gefertigte Windkraftgetriebe der Welt.

Ulrich Reinders (re.), Geschäftsführer der ZF-Industrieantriebe Witten GmbH, und ZF-Kommunikationsleiter Gernot Hein präsentierten vor zwei Jahren im Wittener Werk ein 8-Megawatt-Getriebe. Es war das bislang größte in Serie gefertigte Windkraftgetriebe der Welt.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Stellenabbau bei ZF in Witten: Aufgrund einer schwachen Auftragslage bei Großgetrieben werden 100 Mitarbeiter ihre Arbeitsstellen verlieren.

Kein schöner Start ins Wochenende: Bei einer Informationsveranstaltung hat die Geschäftsführung von ZF am Freitag (7.2.) die Streichung von 100 Arbeitsplätzen in der Verwaltung bis Jahresende angekündigt. Außerdem sollen 110 Zeitarbeitsverträge nicht verlängert werden. Ein Grund ist die maue Auftragslage bei Großgetrieben, die in Witten gefertigt werden.

„Die traurige Nachricht wurde von den Leuten ruhig aufgenommen“, sagte ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. Im Wittener Werk an der Mannesmannstraße, das heute 735 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt, war man vor zwei Jahren stolz darauf, ein 8-Megawatt-Getriebe zu produzieren. 2018 war es das größte in Serie gefertigte Windkraftgetriebe der Welt. Es wird für große Offshore-Windparks weltweit hergestellt.

Großkunde hat Probleme mit Genehmigungen von Windrädern

Bei Großgetrieben gibt es Absatzprobleme, wie ein ZF-Sprecher gegenüber unserer Redaktion sagte. So habe ein großer Kunde seine Windkrafträder-Vorhaben auf Eis legen müssen, da dieser Probleme bei der Genehmigung zur Aufstellung der Windräder habe.

Der Unternehmenssprecher betonte, dass der Personalabbau in Witten sozialverträglich gestaltet werde. Es gebe keine Streichungslisten, sondern ein „Freiwilligenprogramm“, bei dem Mitarbeitern Abfindungen angeboten werden sollen. „Wegen der konjunkturell bedingt schwachen Auftragslage bei Großgetrieben“ werde zur Auslastung des Wittener Werks außerdem Produktion von anderen Standorten nach Witten verlagert.

Geschäftsführer hält weiteren Stellenabbau für nicht ausgeschlossen

Ulrich Reinders, Geschäftsführer der ZF-Industrieantriebe Witten GmbH, erklärte, dass das Wittener Unternehmen sich für die Zukunft positionieren müsse. „Dies kann nur gelingen, wenn wir wettbewerbsfähige Kostenstrukturen in allen Bereichen schaffen.“ In Witten werden Windkraft- und Industriegetriebe produziert, außerdem gibt es ein Service-Center für Wind- und Industriegetriebe. Dort werden Großgetriebe – auch von anderen Produzenten – gewartet und repariert.

Sollten der massive Kostendruck und die Preissteigerungen, unter denen die ganze Branche leide, sowie die weltweite Konjunkturschwäche anhalten und zu weiteren Auftragsrückgängen führen, sei gegebenenfalls mit einem weiteren Stellenabbau zu rechnen, kündigte Reinders an. Der Wittener ZF-Betriebsrat war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Als die ZF Friedrichshafen AG im Dezember 2015 die Windkraft- und Großgetriebesparte der Bosch Rexroth AG mit rund 850 Mitarbeitern in Witten übernahm, stieg der Konzern vom Bodensee in den Markt für Industriegetriebe ein. ZF-Kunden ordern diese in Witten zum Beispiel auch für Ölplattformen, Minenfahrzeuge oder Recycling-Maschinen.

2019 wurden in Witten 142 9,5-Megawatt-Windturbinen gebaut – die weltgrößten

2016 gab es aufgrund einer schwachen Auftragslage bei ZF Kurzarbeit. Ende Februar 2017 reisten Betriebsräte nach Passau, Sitz der ZF-Division Industrietechnik, um über Einsparungsstrategien am Wittener Standort zu sprechen. Dann die Wende. Im September 2017 hieß es: Der Laden läuft wieder.

Nach _Auskunft eines ZF-Sprechers wurden in Witten im vergangenen Jahr 142 9,5-Megawatt-Windturbinen gebaut – die weltgrößten ihrer Art in Serie. 93 weitere dieser Turbinen stehen in Witten bereits für 2020 auf dem Auftragszettel. Eine gute Nachricht.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben