Johannis-Gemeinde

Wiederentdeckung eines Künstlers

Die Johanniskirche in Witten am Donnerstag, dem 20.09.2012. Egon Stolterfoht gestaltete die drei Kirchenfenster; am 23.09.2012 werden diese 100 jahre alt. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Die Johanniskirche in Witten am Donnerstag, dem 20.09.2012. Egon Stolterfoht gestaltete die drei Kirchenfenster; am 23.09.2012 werden diese 100 jahre alt. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Foto: Walter Fischer

Die Fenster im Altarraum der Johannis-Kirche prägen das Gotteshaus. Und doch kennt kaum jemand den Namen des Künstlers. Zu dessen 100. Geburtstag würdigt die Gemeinde Egon Stolterfoht mit einer Ausstellung

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Witten. Jeder, der schon einmal in der Johanniskirche gewesen ist, hat die beeindruckenden Fenster im Altarraum gesehen. Und doch kennt kaum einer den Namen des Künstlers, der diese Fenster geschaffen hat. Damit Egon Stolterfoht in Zukunft mehr Menschen ein Begriff ist, veranstaltet die Johannisgemeinde zu dessen 100. Geburtstag eine Ausstellung.

In Hamburg geboren

Sechs biblische Motive hat Stolterfoht in den drei Fenstern verarbeitet — im linken Evas Verführung durch die Schlange, darunter Jesu Taufe, im mittleren Fenster ist die Auferstehung Jesu zu sehen und Jona, der dem Wal entkommt. Und auf dem rechten Fenster schließlich ist der verlorene Sohn zu sehen, den sein Vater wieder in die Familie aufnimmt, darunter eine Szene aus dem letzten Abendmahl.

Dass Egon Stolterfoht, der 1912 in Hamburg geboren wurde, seit 1945 in Berlin lebte und dort 1986 auch starb, jetzt in Witten eine solche Ehrung erhält, ist Pfarrer Bernd Neuser zu verdanken. Er stöberte vor zwei Jahren im Gemeindearchiv, weil er Informationen über den Kornmarkt und die Johanniskirche suchte. Dann stieß er auf Stolterfohts Namen — und wurde neugierig. „Mich reizte es weiter zu recherchieren, nicht zuletzt deshalb, weil er hier so unbekannt ist.“

Er fand heraus, dass Stolterfoht zu einem exklusiven Künstlerzirkel um Franz Marc und Otto Dix gehörte, aber selbst nie mit seiner Kunst in die erste Reihe vorstieß. „Sein Schwerpunkt waren Tierdarstellungen“, fand Neuser ebenfalls heraus. Und folgerichtig sind in der Ausstellung, die am Sonntag um 11.15 Uhr in der Kirche eröffnet wird, nicht nur die Kirchenfenster zu bewundern, sondern auch viele Tierplastiken. Hinzu kommt ein Gemälde, das ein für Stolterfoht seltenes Menschenporträt zeigt.

Bekommen hat Neuser diese Exponate von Stolterfohts Mäzenin, Ursula Schmidtdammer. Die mittlerweile über 80-Jährige kommt am Sonntag auch zur Vernissage und spricht über die Kunst und das Leben Egon Stolterforhts. Ergänzt wird die Ausstellung durch Fotos von anderen Kirchenfenstern, die der Künstler in Detmold und in Berlin geschaffen hat. Weitere Ausstellungsstücke will auch Sybille Stolterfoht-Heidtke, die Tochter des Künstlers, mitbringen. Neuser hat sie über eine Briefaktion erreicht: „Ich habe einfach alle Stolterfohts in Berlin angeschrieben.“ Die Tochter meldete sich erst kürzlich und versprach, Erinnerungsstücke der Familie und Bilder zur Ausstellung beizutragen.

Ein sicheres Zeichen, dass sie der Johannis-Gemeinde nicht nachträgt, dass ihr Vater damals kein Geld für seine Fenster sah. Die Gemeinde habe bezahlt, hat Bernd Neuser herausgefunden. Doch die Bauhütte christlicher Künste, die damals nicht nur den Auftrag für die Fenster, sondern für den gesamten Altarraum erhielt, habe das Honorar nicht an die Künstler weitergegeben, so der Pfarrer weiter.

Wer jetzt neugierig geworden ist, ist am Sonntag um 11.15 Uhr herzlich zur Vernissage willkommen. Wer an diesem Tag nicht kann, hat bis zum 20. Oktober die Gelegenheit (DI, DO, SA von 10-13 Uhr).

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben