Kommunalpolitik

Streit um Straßennamen: Rosenthalring oder Krumstück?

Foto: WAZ FotoPool

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Im Stockumer Neubaugebiet Wellershoff soll einem Ratsbeschluss zufolge eine künftige Straße den Namen „Rosenthalring” erhalten. Die Heimatfreunde Stockum/Düren hätten lieber den Namen „Krumstück” gesehen.

Weil sie damit nicht durchkamen, fechten sie den Ratsbeschluss an und haben die Kommunalaufsicht eingeschaltet. Denn, so argumentieren sie, der Beschluss sei rechtswidrig zustande gekommen.

Erneut gibt es damit nach dem Gezerre um den „Oskar-Knufinke-Weg” Ärger um eine Straßenbenennung. Der Rat war in seiner - mit nur einer Gegenstimme getroffenen – Entscheidung seiner eigenen Vorgabe gefolgt, bei Neubenennungen von Straßen Wittener Frauen verstärkt zu berücksichtigen.

Von SS-Männern erschossen

Laura Rosenthal führte mit ihrem Mann Hugo die Lebensmittel- und Gemischtwarenhandlung „Gebr. Rosenthal“ im familieneigenen Haus Hörder Straße 326, ganz in der Nähe der künftigen Straße. Die SA warf den jüdischen Kaufleuten die Fensterscheiben ein, wenig später wurde das Geschäft zwangsarisiert. Hugo Rosenthal wurde zunächst ins KZ Sachsenhausen verschleppt und später im KZ Riga durch Zwangsarbeit bei schlechter Ernährung ermordet. Laura Rosenthal erschossen SS-Männer in Riga.

„Mit der Namenswahl wird im öffentlichen Raum einerseits an eine mehr als 30 Jahre in Stockum ansässig gewesene und aktive jüdische Geschäftsfrau erinnert, die wie viele Jüdinnen in Deutschland versucht hat, während der KZ-Haft ihres Ehemannes und ihres Sohnes das Überleben und Weiterleben der Familie unter der NS-Verfolgung zu sichern. Die Namenswahl ermöglicht auch ein Gedenken an den aus Annen stammenden Kaufmann Hugo Rosenthal, der von den Nationalsozialisten ums Leben gebracht wurde”, heißt es im Stadtarchiv.

Verweis auf die Ackerkrume

Der Leidensweg der jüdischen Familie ist dem Vorsitzenden der Heimatfreunde Stockum/Düren, Pfarrer i.R. Ernst Borttscheller, gut bekannt. Ihn stört jedoch, dass Hugo Rosenthal aus Annen stammt, „in Stockum war ja nur das kleinere Geschäft. Deshalb frage ich mich, was soll der Unsinn?” Auch wenn die Bedeutung der Flurstück-Bezeichnung „Krumstück” nicht eindeutig geklärt sei - möglicherweise verweist es auf die Ackerkrume - so bliebe der Begriff auf Dauer durch den Straßennamen erhalten.

Der Rat mochte diesem Vorschlag auf seiner letzten Sitzung nicht folgen und entschied sich mit breiter Mehrheit für die Ehrung der ermordeten Familie. Das wiederum mögen die Heimatfreunde nicht hinnehmen. Sie fordern nun Landrat Dr. Arnim Brux auf, als Kommunalaufsichtsbehörde den Ratsbeschluss als „rechtswidrig” aufzuheben. Dass unter anderem Fristen nicht eingehalten worden seien, weist Stadtsprecher Jochen Kompernaß zurück: „Wir leben in einer Demokratie, und der Rat hat klar entschieden. Dem sollte man sich fügen.”

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