Steampunk

Steampunk-Flohmarkt nimmt mit auf eine verrückte Zeitreise

Alfred Franke (50) verkauft auf dem Steampunk-Flohmarkt ein ausrangiertes Rehgeweih vom Dachboden des Nachbarn. Hier erhält es wieder eine Bestimmung.

Alfred Franke (50) verkauft auf dem Steampunk-Flohmarkt ein ausrangiertes Rehgeweih vom Dachboden des Nachbarn. Hier erhält es wieder eine Bestimmung.

Foto: Svenja Hanusch

Witten.   Der Steampunk-Flohmarkt auf Zeche Nachtigall in Witten bietet kreative Basteleien und verrückte Gestalten. Ohne „Goggles“ geht hier gar nichts.

Sie ist das Erkennungszeichen der Steampunker: die Goggles – eine alte Schweißerbrille, die es in vielen Variationen und mit allerlei Verzierungen gibt. Beim Steampunk-Flohmarkt auf Zeche Nachtigall trägt sie praktisch jeder. Wolfgang Schade, 39 Jahre alt, ist noch auf der Suche nach der perfekten Goggles. Der Leverkusener erinnert ein wenig an eine lebende Werkstatt, mit ganz viel Liebe, Kunst, Verrücktheit, Mechanik – und mit Mäusen.

Aber nicht irgendwelche Mäuse: „Zeitreisende Navigationsmäuse.“ Er selbst blüht voll auf in seiner Rolle als „Roboter, der von den Mäusen gesteuert wird.“ Am Bauch und auf dem Rücken sind „Schalteinheiten“, in Handarbeit zusammengebaute Kästen, dazu viel Schmuck. Und eben die Mäuse. Direkt neben den „Zwergschlammelfen“, die mit ihm gemeinsam auf Zeitreise gehen.

„Craziness“ der Steampunker fasziniert

Er bleibt nicht die einzige Attraktion beim Steampunk-Flohmarkt am Sonntag. Doch so richtig erklären, was Steampunk ist, kann niemand. Angefangen habe bei Schade alles mit einer alten Anzughose, einer Weste und einer Schlägermütze. Schnell wird beim Flohmarktbesuch klar: Das ist nichts für langweilige Spießer.

Bianca Rohmann aus Castrop-Rauxel hat einen buntgefederten Piratenhut zum Schnäppchenpreis von 35 Euro ergattert. Sie ist keine Steampunkerin, sondern hauptberuflich als Kinderschminkfee im Ruhrpott unterwegs. Es sei die „Craziness“, die abgefahrenen Ideen, die sie so sehr faszinieren. „Es muss keinen Sinn ergeben, man kann auch einfach eine Tuba zur Armbrust umbauen.“

Steampunker lieben Upcycling

Altes wieder mit neuem Leben erfüllen – ein wichtiges Motiv des Steampunks. Dafür hat Alfred Franke (50), Künstlername „Alfred von Gestern“, 100 Kilometer auf sich genommen. Angefangen hat bei ihm alles vor acht Jahren. „Man sieht tolle Sachen und wird vom Virus infiziert.“

Solche „tollen Sachen“ hat der 50-Jährige aus Kevelaer an seinem Stand im Angebot: etwa ein altes Rehgeweih vom Dachboden des Nachbarn. Eigentlich ein klarer Fall für die Tonne – beim Steampunk aber ist Wegschmeißen tabu. „Upcycling“ nennt Franke das.

Outfits sind keine Verkleidung

Größtes Fettnäpfchen für Außenstehende: Steampunker verkleiden sich nicht, sie „leben“ ihren Stil. „An Karneval würden wir uns nicht so anziehen“, sagen Sabine Adriane Copperhead-Verrier und Stephan von Zechenstetten, beides Künstlernamen.

Aber auf Künstler, die mal eben zum Spaß ein paar verrückte Sachen anziehen, wollen sich die beiden nicht reduzieren lassen. „Sachen, die sonst in den Altkleidercontainer gewandert wären, werden hier noch verwendet“, sagt Stephan. Er selbst trägt eine Anzugjacke, die ihm eigentlich zu klein ist. „Hier passt sie noch.“

Die nächste Bastelidee ist schon gefunden

Sabine hat indes schon die nächste Bastelidee: Aus zwei kleinen Blechdosen, in denen eingelegte Oliven gelagert waren, möchte sie die für Steampunker so typischen „Goggles“ basteln, die die Augen schützen sollen. Vor Dreck, Sand, Wind und all dem, was einem auf einer verrückten Zeitreise eben sonst noch so begegnen könnte.

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