Spitzname Mellmausland

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Der östlichste Stadtteil Wittens besticht durch üppige Natur, eine ruhige Wohnlage und unterschiedlichste Architektur.

Den schönsten Spitznamen für einen Stadtteil hat ohne Frage Rüdinghausen. Liebevoll wird er auch Mellmausland genannt. Doch werden die Mellmausländer nach der Herkunft des Wortes gefragt, ist die Antwort meist eine ohne Worte: Achselzucken und fragende Blicke.

Einige haben dennoch eine Antwort parat. Das Mellmausland leite sich von der ärmlichen Bevölkerung ab. So arm wie Mäuse eben seien die Menschen damals gewesen. Eine Version, die gerne erzählt wird. Eine andere hat Michael Löbel. In der Chronik „Unser Dorf” stünde die Geschichte des Mellmauslandes, versichert er. Löbel erzählt sie, kurz und knapp. „Das kommt von der Melde, einer Spinatpflanze. Daraus machte man Mus”, erzählt der 50-Jährige. Aus Meldemus wurde Mellmaus.

Löbel ist eigentlich Annener, „aber mit den Mellmausländern komme ich gut zurecht”, sagt der Wirt der Dorfschänke, der „einzigen Kneipe im Dorf. Sonst gibt's nur Restaurants”. Wenn der 50-Jährige von dort auf die Kreisstraße tritt und sich nach links wendet, kann er bis nach Dortmund gucken – DO-Persebeck. Die Stadtgrenze ist fast identisch mit den Gleisen der S-Bahn-Strecke.

Der Nähe zu Dortmund ist wohl auch die Sympathie für den BVB geschuldet. Ginge es nach dem Kneipier, hieße der nächste deutsche Fußballmeister Borussia. So steht es auf der Bundesliga-Magnettabelle. Die „Absteiger”, die hat er gar nicht erst platziert – die Bayern und Schalke. „Aber hier kommen auch Ückendorfer rein”, sagt Löbel. Ückendorfer, das sind Schalker.

Hinter den Gleisen, aber auf Wittener Stadtgebiet, ist der Kleingartenverein Mellmausland beheimatet. „Die Anlage ist außergewöhnlich schön”, sagt Maria Pogledic (75). Außergewöhnlich deshalb, weil sie aus Rondellen mit bis zu jeweils acht Parzellen besteht.

Architektonisch bietet Rüdinghausen eine große Bau-Vielfalt: Moderne Villen stehen mediterranen Fincas gegenüber, alte Fachwerkhäuser wechseln sich an den Straßen mit Neubauten ab, viele Häuser sind mit Efeu bewachsen. Einige Hausbesitzer ließen ihr Dach mit rot-glänzenden Pfannen bedecken, andere mit dunkelblauen. Oder installierten Photovoltaik- und Solaranlagen. Nicht zu vergessen, aber gut zu übersehen, der alte Bauernhof Günnemanns Kotten in einer Senke an der Brunebecker Straße.

Geradezu ein Paradies ist der Ortsteil für Familien mit Kindern. „Hier wohnen wir ländlich und in Waldnähe. Es gibt auch keinen Verkehr”, beschreibt Jennifer Warnfried-Bühren diese komfortable Wohnlage. Kindergärten und Schulen befinden sich im Stadtteilkern sowie im Ortsteil „Auf dem Schnee”.

Tanja Brozios zog vor sieben Jahren hierhin. Zuvor lebte sie Auf dem Schnee und in Annen. „Aber hier”, sagt die 32-Jährige, „lebt es sich am schönsten. Wir wollen nicht nochmal wegziehen.” Auch ihre Tochter Denise (8) „will nicht woanders wohnen”.

An der üppigen Natur erfreut sich Heinz Block schon seit mehr als 60 Jahren. „Man ist sofort im Grünen”, sagt der 79-Jährige. Dazu komme die wunderbare Verkehrsanbindung. 1960 baute er nördlich des Rheinischen Esels sein Haus. Scheint die Sonne, hilft der Wittener seinem Schwiegersohn, direkt auf der anderen Seite des Esels, im Garten. „Als Rentner kann man sich das ja aussuchen.” Und, ist der Rollrasen schon bestellt? „Ach wat, hier kommt ganz normaler Rasen hin.”

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