Kammermusiktage

So klingt der Hammerteich

Reihenweise stehen Spaziergänger an der Borbach-Brücke an, um durch Rohre das Wasser rauschen oder Stimmen aus dem Boden zu hören.

Reihenweise stehen Spaziergänger an der Borbach-Brücke an, um durch Rohre das Wasser rauschen oder Stimmen aus dem Boden zu hören.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.   Stimmen murmeln aus dem Boden, Modellschiffe tragen Lieder übers Wasser. Ein Damen-Chor brummt und summt. Die Kammermusiktage machen’s möglich.

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Sonst sorgen die schnatternden Enten für den Grundton des Hammerteichs. Doch bis zum Sonntag (7.5.) kommt eine Vielzahl ungewöhnlicher Klänge hinzu. Denn das idyllische Gewässer zwischen Helenenberg und Hohenstein ist diesmal die Außenstelle der Wittener Tage für Neue Kammermusik.

In den Vorjahren zog es das Musikfestival, das Fans ungewöhnlich moderner Klänge aus der ganzen Welt in die Ruhrstadt lockt, bereits ins Muttental, ins Ruhrtal oder auf den Hohenstein. In dieser 49. Ausgabe des traditionsreichen Festival – dessen Innen-Konzerte im Saalbau, Märkischen Museum, in Haus Witten, der Johanniskirche und der Blote-Vogel-Schule stattfinden — ist also der Hammerteich die Open-Air-Station. Bereits am Freitag wandelten zahlreiche Spaziergänger um das Gewässer, die sich von den Klanginstallationen überraschen ließen.

Dabei hielten einige Vorbeikommende ihre Ohren an Rohre, die neben der Brücke am Borbach-Zulauf aufgestellt sind. Nicht nur das murmelnde Wasser dringt herauf, sondern aus dem Boden erzählen Stimmen über die Entstehungsgeschichte des Teiches für das namensgebende Hammerwerk. „Aber das ist schon Urzeiten her“, klingt es herauf. Die Stimme stammt aus der Befragung von Hammerteich-Besuchern, die Thomas Taxus Beck für seine Klanginstallation „Senken“ durchgeführt hat. Ergänzt wird sie durch Töne, etwa von verfremdetem Spechtklopfen, die aus kleinen Lautsprecherboxen kommen. Sie hängen in Büschen und Bäumen.

Komponist Gordon Kampe hat Geschichten, Stimmen und Lieder aus Witten gesammelt und schickt sie mit Modellbooten aufs Wasser. „Drei Schiffe fahren hier mit unterschiedlichen Programmen, die sich auf USB-Sticks befinden, über den Teich“, beschreibt Norbert Droste, Vorsitzender des Wittener Schiffsmodellbau-Clubs (WSC) die Aktion. „Die Leute sind entzückt, weil das schön aussieht und spannend klingt“, hat er festgestellt.

Auch drei Wittener Musikgruppen unter Dirigent Martin Martmöller sind am Festival beteiligt: Männergesangverein Deutsche Eiche Hammertal, der gemischte Chor Stairway und acht Jekits der Rüdinghauser Grundschule. Einige Stairway-Damen summen, brummen und pfeifen gerade melodisch am Ufer: „Das ist schwieriger als ein normales Lied zu singen“, hat Heike Hasse festgestellt.

An einer anderen Stelle stehen zwei Musiker, die das Stück „Hämmern, tröten, schnattern“ der Schweizer Komponistin Barblina Meierhans für Schlagzeug und Trompete aufführen – gemeinsam mit Kollegen auf der anderen Uferseite. „Wir stehen über Kopfhörer in Kontakt“, beschreibt ein Musiker vom Klangforum Wien seinen Part. Er heißt Christoph Walder. „Wie der Wald, das passt doch hierher“, meint er amüsiert.

Wer möchte, kann sich aber auch seine eigenen Toncollagen basteln. Indem man nämlich kräftig in Cathy van Ecks Installation „Erster Versuch, den Wind zu drehen“ pustet. Der Windmesser am Ufer dreht sich dann, der Wind wird über darauf gerichtete Lautsprecher hörbar. Noch bis Sonntag birgt der Hammerteich also viele erstaunliche Geheimnisse.

Konzert-Busse pendeln zum Hammerteich

Für Musikfans pendeln Busse zwischen Saalbau und Hammerteich. Kostenlose Tickets gibt es an der Saalbaukasse.

Am Samstag starten Busse am Saalbau gegen 13 und 13.30 Uhr sowie gegen 21 und 21.30 Uhr für die nächtliche Teichumrundung mit Taschenlampe. Am Sonntag fahren sie um 13 und 13.30 Uhr.

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