Stockum/Düren

Schön wohnen im Bergbaudenkmal

Das ehemalige Fördermaschinenhaus der Zeche Wallfisch ist heute in Privatbesitz. Erwin Poniewaß wohnt darin.

Das ehemalige Fördermaschinenhaus der Zeche Wallfisch ist heute in Privatbesitz. Erwin Poniewaß wohnt darin.

Foto: Walter Fischer

Witten.   Zwei Familien haben das eindrucksvolle Haus am Steinäckerweg 19 in Stockum/Düren vor über 30 Jahren gekauft und komplett renoviert.

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Hoch ragt das dreistöckige Gebäude aus Ruhrsandstein am Steinäckerweg empor. Es liegt direkt hinter der A 44 und gehört gerade noch zu Stockum/Düren. Nicht viele, die vorbeikommen, werden wissen, was es damit auf sich hat: Nur ein kleines Schildchen unter der Hausnummer 19 verweist darauf, dass es sich um ein Denkmal handelt. „Das ehemalige Fördermaschinenhaus der Zeche Wallfisch, das um 1850 gebaut wurde, ist das älteste Schachtgebäude im Ruhrgebiet“, sagt Erwin Poniewaß (64), der heute darin wohnt.

1980 kaufte der gelernte Buchdrucker das gute Stück mit Ehefrau Marion und einem Arbeitskollegen – und ahnte schon, was er sich damit eingebrockt hatte. „Ich habe die Arbeit gesehen, die da auf uns zukam“, erzählt er. Immerhin schien das mittlerweile leerstehende Haus kurz zuvor dem Abbruch geweiht. 1925, als die Zeche aufgegeben wurde, hatte man das Maschinenhaus zu Wohnzwecken umgestaltet. Erst später sollte ein alter Schacht, den immer noch eine mächtige Betonplatte im Keller versperrt, aus Sicherheitsgründen verfüllt werden. Um Kosten zu sparen, entschied sich die Veba als Besitzer für den Abriss. „Doch als schon der Bagger anrollte, kam gerade der Denkmalpfleger vorbei“, sagt Erwin Poniewaß. Seitdem steht das Haus unter Denkmalschutz.

Reste eines Hauerbuchs gefunden

50 000 DM zahlten die beiden Familien dafür. „Aber das war ja auch alles Schrott“, so Poniewaß. Die neuen Besitzer mussten das Gebäude völlig entkernen. „Da konnte man von ganz unten bis ins Dach hochgucken.“ Viele morsche Balken der hölzernen Decken mussten ausgetauscht, Wände herausgerissen, Leitungen gelegt werden. Das volle Programm eben. „Zwei Jahre lang haben wir malocht.“ Und dabei ein paar Relikte des Steinkohlebergbaus entdeckt. Reste eines Hauerbuchs etwa, datiert von 1873. „Ist doch zu schade zum Wegschmeißen“, findet Poniewaß. Die vergilbte Seite steckt heute in einer Klarsichthülle im Aktenordner, der die Geschichte des Hauses erzählt. Auch eine alte Filzkappe fand sich bei der Renovierung.

Längst ist Erwin Poniewaß froh, dass seine Frau sich damals auf den ersten Blick in das alte Gebäude verliebte. „So ein Haus hat ja nicht jeder.“ Zwei großzügige Wohnungen von jeweils rund 150 m² nutzen jetzt die Eigentümer, zwei kleine Apartments unterm Dach sind vermietet. Drinnen erinnert so gar nichts an die bergbauhistorische Stätte. Doch wenn der gebürtige Bochumer, der schon lange in Witten lebt, im Garten arbeitet und mit dem Spaten mal etwas tiefer gräbt, dann findet er überall Kohle.

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