Polizei

Buttersäure-Anschlag in Witten: „Es stank bestialisch“

Niemand kommt mehr ins Rathaus: Feuerwehr und Polizei haben das Gebäude gesperrt, nachdem jemand im Treppenhaus Buttersäure verschüttet hatte.

Niemand kommt mehr ins Rathaus: Feuerwehr und Polizei haben das Gebäude gesperrt, nachdem jemand im Treppenhaus Buttersäure verschüttet hatte.

Foto: Susanne Schild

Witten.  Aufregung im Wittener Rathaus: Dort ist ein Anschlag mit Buttersäure verübt worden. Die Tat ereignete sich nahe den Sitzungssälen.

Nach einem Angriff mit Buttersäure musste das Wittener Rathaus am Mittwochmittag (16.10.) evakuiert werden. „Es stank bestialisch nach Erbrochenem“, meinte eine Mitarbeiterin. Offenbar hat jemand die Flüssigkeit in das Treppenhaus des ersten Obergeschosses, bei den Sitzungssälen, gekippt. Die Polizei ermittelt nun.

Etwa um 10.45 Uhr war der Geruch den Angestellten aufgefallen, eine Mitarbeiterin informierte die Feuerwehr und löste Alarm aus. Verletzt wurde niemand. Die zwölf Feuerwehrleute mussten mit Atemschutzmasken ins erste Obergeschoss vorrücken. „Das hält man nicht aus, so sehr stinkt das“, sagt Feuerwehrsprecher Uli Gehrke. Im Treppenhaus entdeckten sie eine auffällige Flüssigkeitsspur, die die Stufen hinuntergelaufen und bereits eingetrocknet war. Die erste Ahnung der Feuerwehrleute bestätigte sich nach einigen Messungen: Buttersäure. „In unmittelbarem Umkreis ist diese gesundheitsgefährdend“, sagt Uli Gehrke. Buttersäure reizt Augen und Atemwege, kann Haut zerstören. Vor allem riecht sie nach einer Mischung aus Erbrochenem, Schweiß und ranziger Butter.

„Mir ist der Geruch aufgefallen“, sagt Rathaus-Mitarbeiter Jürgen Tennié. „Ich bin dann auf den Flur gegangen und hab gedacht: Da hat halt jemand eine Stinkbombe geworfen.“ Dann sei er zurück ins Zimmer gegangen und habe gelüftet – bis die Evakuierungsmeldung auf allen Computern der Rathaus-Büros aufploppte und alle Hals über Kopf das Gebäude verließen.

Der restliche Arbeitstag ist dienstfrei

Nun stehen die Angestellten auf dem Rathausplatz und müssen warten. Denn zurück, nur um eine Tasche mit Handy oder Autoschlüssel zu holen, dürfen sie erst am Nachmittag wieder. Eine Seminarleiterin bräuchte dringend ihre Unterlagen, bevor sie die 70 km lange Heimreise antritt. Zwar haben alle für diesen Tag dienstfrei bekommen, aber ohne seine Wertsachen will keiner weg. „Zwangsfrei, sowas habe ich ja noch nie erlebt“, sagt Reinigungskraft Andrea Boopp. Sie steht vorm Rathausportal und weist Kunden ab, die eigentlich ins Bürgerbüro wollen und nun vor verschlossenen Türen stehen.

Auch Alarm am Technischen Rathaus

Besser hatten es die Kollegen vom Technischen Rathaus in Annen. Weil die Alarmanlage zwischen den Stadtgebäuden gleichgeschaltet ist, ist auch dieses geräumt worden. Die Feuerwehr rückte ebenfalls mit einem Löschzug an – und schnell wieder ab.

Die Feuerwehrleute begannen am Mittag bereits mit einer Intensivreinigung der Treppenhauswand. „Morgen herrscht (wahrscheinlich) wieder Normalbetrieb“, so Stadtsprecher Helmut Sonder. Die Polizei ermittelt nun, wer die Säure in das Rathaus gespritzt hat.

Nicht ungefährliche Stinkbombe

Buttersäure ist frei verkäuflich, mitunter wird sie genutzt, um zum Beispiel Maulwürfe zu vertreiben. Immer wieder gibt es aber Fälle, in denen diese nicht ungefährlichen Stinkbomben gezielt anders eingesetzt werden: im Jobcenter Bottrop 2012, in Fahrschulen in Lünen 2018, bei Geschäftsleuten oder in Fußballstadien. Zum Wittener Rathaus musste die Feuerwehr zuletzt Anfang September ausrücken. Auch damals war ein unangenehmer Geruch die Ursache – er ging aber von alten Akkus im Serverraum des Rathauses aus.

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