Verkehr

Piraten für S-Bahn-Halt an Wittener Pferdebachstraße

Der Bahnübergang Pferdebachstraße mit Blick in die Ziegelstraße (rechts). Bei der Bahn denkt man über eine Haltestelle für die S5 an der Wittener Pferdebachstraße nach.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Der Bahnübergang Pferdebachstraße mit Blick in die Ziegelstraße (rechts). Bei der Bahn denkt man über eine Haltestelle für die S5 an der Wittener Pferdebachstraße nach.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Witten.  Die Bahn denkt über einen Haltepunkt der S5 an der Pferdebachstraße nach. Die Wittener Piraten, das EvK und ein Student begrüßen dies.

Wittens Piraten wollen sich für eine S-Bahn-Haltestelle an der Pferdebachstraße/Ecke Ziegelstraße stark machen. Stoppen solle hier künftig die S5, die Witten mit Hagen und Dortmund verbindet. Einen entsprechenden Antrag werden die Piraten im nächsten Verkehrsausschuss am 14. Dezember einbringen. Das Evangelische Krankenhaus hat schon signalisiert, dass die Klinik eine solche S-Bahn-Anbindung sehr begrüßen würde.

Hintergrund: Die Deutsche Bahn hatte vor zwei Jahren eine so genannte DB „Stationsoffensive“ angekündigt. Deutschlandweit sollen 350 neue Haltepunkte entstehen, die nach einer ersten Einschätzung als verkehrlich sinnvoll erscheinen und wirtschaftlich betrieben werden könnten.

Ein wertvoller Impuls für den Stadtteil

Auch für Nordrhein-Westfalen wurden Standortideen erarbeitet. Am 21. September war im Ausschuss für Verkehr und Planung der VRR AöR (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr Anstalt öffentlichen Rechts) eine Liste mit neun möglichen neuen Stationen vorgestellt worden, an deren Verwirklichung weiter gearbeitet werden soll – darunter der Halt an der Pferdebachstraße. Die tatsächliche Umsetzung hänge von den finanziellen Rahmenbedingungen des Projektes ab, wie es heißt.

Wittens Piraten-Partei hält einen Stopp der S5 an der Pferdebachstraße für einen „wertvollen Impuls für den Stadtteil“. Pendler und Anwohner erhielten dadurch eine ortsnahe Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, erklärt Björn Frauendienst. Der auf Stadt- und Verkehrsplanung spezialisierte Geograf, der an der Universität Bochum arbeitet, sitzt als sachkundiger Bürger für die Piraten im Wittener Verkehrsausschuss.

„Selbst der Sonnenschein ist noch im Einzugsbereich“

Frauendienst weist darauf hin, dass von der neuen S-Bahn-Haltestelle natürlich auch das Evangelische Krankenhaus, andere umliegende Arbeitgeber – etwa aus dem Wullener Feld – sowie Studenten und Mitarbeiter der Uni Witten/Herdecke profitieren würden. „Selbst der Sonnenschein ist noch im Einzugsbereich.“ Daher sprechen sich die Piraten in ihrem Antrag dafür aus, dass die Stadt die Überlegungen der Bahn begrüßen und den möglichen neuen Haltepunkt in die Planung für den Umbau der Pferdebachstraße miteinbeziehen soll.

Beim Evangelischen Krankenhaus würde man sich freuen, wenn man einmal in wenigen Gehminuten in die S5 ein- und aussteigen könnte. Verwaltungsdirektorin Ingeborg Drossel: „Das EvK wäre für Patienten, Besucher und Mitarbeiter ohne Auto noch besser erreichbar als bisher.“ Mitarbeiter könnten die S-Bahn-Linie nach Dortmund und Hagen nutzen, ohne dass sie am Hauptbahnhof oder in Annen in den Bus umsteigen müssten.

Der Arbeitsweg würde sich um einiges reduzieren

„Der Arbeitsweg und eventuelle Wartezeiten würden sich um einiges reduzieren. Vielleicht wären dann mehr Mitarbeiter als bisher bereit, mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit zu kommen“, so Drossel auf eine Anfrage unserer Zeitung. Ihre zusätzliche Hoffnung: Vielleicht würde auch die Parkplatzsituation an der Pferdebachstraße entschärft, „wenn Mitarbeiter und Besucher einen nahen S-Bahn-Haltepunkt nutzen könnten“.

Einen neuen Haltepunkt der S5 an der Pferdebachstraße wird es – wenn er denn kommt – nicht schon 2018 geben, sagt Björn Frauendienst. Der auch als Kreisvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland weiß, dass bei solchen Projekten bis zur Umsetzung „Jahre ins Land gehen können“. Nichtsdestotrotz: Auch Domenik Treß von der Uni Witten/Herdecke hält einen nahen Zugang zur S-Bahn für wichtig.

Student schreibt Mobilitätskonzept für die Uni

Der Student schreibt mit seinem Kommilitonen Milan Loose an einem Mobilitätskonzept für die Hochschule. Der 24-Jährige: „Derzeit kommen etwa 40 Prozent der Studenten und Mitarbeiter mit dem Auto zum Campus.“ Jeweils weitere 25 Prozent nutzten das Rad oder den Bus. „Der Rest läuft oder fährt in einem Auto mit.“ Treß würde sich aber wünschen, dass so wenig Leute wie möglich mit dem Wagen zur Universität kommen.

Über 2400 Studierende gibt es dort jetzt im Wintersemester – und die Uni ist weiter auf Wachstumskurs. Studenten, die mit dem Rad über die Pferdebachstraße zur Hochschule fahren, seien derzeit „unsicher“ unterwegs, sagt Domenik Treß. Die Straße sei voller Schlaglöcher. „Eine Katastrophe.“ Radfahrer fühlten sich außerdem häufig bedrängt, da Autofahrer nicht genug Abstand hielten.

Auch eine engere Bus-Taktung wäre für die Uni wichtig

Eine S-Bahn-Haltestelle in Höhe der Dirschauer Straße fände der Student „perfekt“ – da diese dann ganz nah an der Uni liegen würde. Notwendig sei aber auch eine engere Bus-Taktung. Die Linie 371, die Dortmund-Oespel mit Wittens Hauptbahnhof verbindet, hält auf dem Campus. In den späteren Abendstunden und an den Wochenenden müsse sie aber häufiger unterwegs sein, findet Treß. Ab 20.26 Uhr komme sie werktags nur noch stündlich. „Wir haben an der Uni auch Abendveranstaltungen!“

Was laut VRR schon feststeht: Ab Dezember 2019 gibt es einen neuen S-Bahn-Fahrplan. Für die Linie S5, die Witten mit Hagen und Dortmund verbindet, bleibt es zur Hauptfahrzeit beim 30-Minuten-Takt.

Auch interessant
Leserkommentare (5) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik