Welttag des Buches

"Onleihe Ruhr" startete zum Welttag des Buches

Unter www.onleiheruhr.de erreicht der Leser die digitale Bibliothek. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Unter www.onleiheruhr.de erreicht der Leser die digitale Bibliothek. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Foto: Walter Fischer

Witten.   Selina packt einen ganzen Stapel Bücher aus ihrem Ranzen auf die Theke in der Stadtbibliothek. Die will die Zehnjährige zurückgeben. Ab sofort könnte sie sich die Schlepperei ersparen, denn in der Bücherei hat ein neues Medienzeitalter begonnen: die digitale Ausleihe.

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Unter dem Namen „OnleiheRuhr“ haben sich die Bibliotheken von Witten, Bochum, Ennepetal, Hattingen, Herne und Schwelm zusammen geschlossen. Sie stellen nun gemeinsam 6000 Medien bereit, die künftig per Internet abrufbar sind. Den Welttag des Buches haben sie sich für den Start ausgesucht. Und deshalb hat die Wittener Zentrale an der Ruhrstraße an diesem Montag ausnahmsweise geöffnet. Tatsächlich kommen gleich um 15 Uhr ein paar Leser. Und wundern sich über den Beamer, der gleich im Eingangsbereich aufgebaut ist. Bibliothekarin Christine Mörs (26) erklärt hier gerade das neue System.

Sie hat sich federführend mit der Onleihe befasst, hat viel Freizeit geopfert und den E-Book-Reader, also das nicht mal taschenbuchgroße Gerät, mit dem sie die heruntergeladenen Werke lesen kann, manches Mal übers Wochenende mit nach Hause genommen. Sie habe noch kein ganzes Buch damit geschafft, aber doch 50 bis 60 Seiten. „Das ist angenehm“, sagt Christine Mörs. „Drei Stunden mit einem Wälzer oder drei Stunden mit dem kleinen Gerät – das merkt man schon an den Handgelenken.“ Die neue Art der Ausleihe habe weitere Vorteile, etwa für ältere Menschen: Die Schriftgröße des Lesegeräts ist veränderbar. Und Schmöker schleppen war gestern. Was Leseratten auch beim Koffer packen für den Urlaub positiv vermerken dürften. „Nur in den Sand fallen darf das E-Book natürlich nicht“, schmunzelt Mörs.

Nicht jeder Verlag macht bei der Aktion mit

Der erste, der an diesem Tag Interesse anmeldet am neuen „schwerelosen“ Medium, ist Reinhold Adamczak. Der 75-Jährige hat seit 40 Jahren einen Büchereiausweis. „Ich bin fast jede Woche hier.“ Und jetzt sei er gerade richtig neugierig auf die Onleihe. Nach einer kleinen Einführung hockt Adamczak schon selbst am Computer, um zu gucken, was es im Internet auszuleihen gibt – und das ist vom Roman übers Hörbuch bis zur Zeitschrift fast das Gleiche wie im realen Bestand der Zentrale, der derzeit rund 120 000 Medien umfasst. „Nur einen Harry Potter etwa wird man nicht finden“, weiß Christine Mörs. Denn nicht jeder Verlag macht bislang mit beim Herunterladen aus dem Internet.

Reinhold Adamczak stört das wenig. Er sucht eher Sachbücher oder Biografien. Und kommt gut klar am PC, nicht nur, weil er beruflich damit zu tun hatte: „Wenn man ein bisschen damit umgehen kann, geht das schon“, findet er. Eines der beiden E-Books, die in der Stadtbibliothek für eine Woche ausgeliehen werden können, wird er gleich mit nach Hause nehmen. „Ich spiele mit dem Gedanken, mir eins zu kaufen, will aber erst mal üben.“

Susanne Gassmann steht der Neuerung eher skeptisch gegenüber. Weil sie gern echte Bücher liest, hat sie der Bibliothek einen Karton mit 30 Krimis von Friedrich Ani mitgebracht, die sie über eine Aktion der Stiftung Lesen am Welttag des Buches verschenken durfte. Wie sie darauf kam. „Per Zufall übers Internet.“ Der Karton war natürlich ganz schön schwer. Fast wie Selinas Ranzen.

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