Stadtteil-Serie

Ohne die Steigung wäre die Kirchstraße noch netter

Sven Möller und Sylvia Guse mit Tageskind Hannah (1).

Sven Möller und Sylvia Guse mit Tageskind Hannah (1).

Foto: WAZ/FotoPool

Witten.   Unsere Stadtteil-Serie führt uns diesmal nach Herbede. Die Kirchstraße ist eine der reizvollsten Wittener Wohnecken – wenn der steile Berg hinauf zum Friedhof und nach Durchholz nicht wäre.

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Wer in der Herbeder Kirchstraße wohnt, spart das Geld fürs Fitnessstudio – der steile Berg hat es in sich. Dafür entschädigt die malerische Kulisse: Hübsche Fachwerkbauten, die Ev. Kirche von 1814, oben der Friedhof. Was will man mehr? „Dass der Berg begradigt wird“, scherzt Passant Gerd Isenmann. Ein Besuch vor Ort.


Wir fühlen uns hier total wohl. Vor knapp zwei Jahren sind wir vom Schnee auf einen Bauernhof nach Herbede gezogen. Der Vorteil: Man kann so viel zu Fuß machen. Ich laufe zur Ruhrtaler Gesenkschmiede, wo ich arbeite, die Kinder gehen zu Fuß in ihre Schulen, die Grundschule und die Kämpenschule. Selbst den Einkauf erledigen wir direkt unten in der Meesmannstraße. Oder wir gehen schnell rüber zum Stausee. Wir führen ein Landleben, sind aber mittendrin.

Auf unserem Hof haben wir Gänse und Hühner, ich bin auch Imker und seit kurzem haben wir unsere Schäferhündin. Die treibt die Gänse rein. Aber ein richtiger Hofhund wird Bakira nicht, sie ist ein echtes Familienmitglied.
Jörg Rieke, 44

Ich bin ganz schön aus der Puste. Seit 60 Jahren gehe ich fast täglich diesen Berg rauf. Oben laufe ich dann über den Friedhof bis zur Knappensiedlung. Ich bin ganz schön gehandicapt, zwei Knie-OPs, jetzt eine Augen-OP, aber man muss doch raus, sonst wird es noch schlimmer! Mich stört, dass die Kirchstraße abends so dunkel ist. Es gibt kaum Straßenlaternen und keinen Bürgersteig, darum hat meine Tochter meinen Rollator aufgepeppt. Ich habe ein Rücklicht und die LED-Lampe vorne ran. Oder man zieht eine Leuchtweste an. Aber im Dunkeln, zum Beispiel nach dem Kaffeetrinken in der Gaststätte zum „Pütt“ mag ich hier nicht gerne hergehen.
Helga Bodendieck, 81

Der Berg ist schon mühselig. Morgens gehe ich da mit meinen drei Kindern runter, zur Grundschule und dem Kindergarten. Mittags gehe ich einkaufen und dann laufen wir wieder hoch. Ich schleppe die Einkäufe, das macht mir nichts aus. Mein Mann kommt aus Herbede und ich bin in Solingen aufgewachsen, da bin ich Berge ja gewöhnt.
Svenja Fischer, 31

Seit 70 Jahren wohne ich hier. Manchmal denke ich, man müsste ins Dorf runter ziehen, dann ist man nicht so sehr vom Auto abhängig. Mir gefällt es hier im ältesten Teil von Herbede, ist eben meine Heimat. Nachteile? Ach da fällt mir vieles ein! Ich schimpfe sowieso oft. Dann schreibe ich Beschwerden an die Bahn oder an die Stadt oder an die Zeitung. Druckt mich mal mehr ab!
Gerd Isenmann, 70

Die Kirchstraße ist auch Kinderstraße: Unten gibt es den Ev. Kindergarten, dann eine Tagespflege für neun Kinder, und uns. Früher habe ich als Tagesvater gearbeitet. Ein Mann als Bezugsperson, das schien mir gerade für Alleinerziehende interessant. Inzwischen macht meine Freundin mit. „Tageseltern“ finden die Leute besser, das hat einen familiären Charakter.

Zurzeit betreuen wir vier Tageskinder, alle sind ein Jahr alt: Hannah, Lilith, Liam und Luca. Nachmittags kommen unsere eigenen Kinder dazu, die sind drei, fünf, sechs und dreizehn Jahre alt. Wir sind eine echte Patchworkfamilie.

Uns gefällt es hier in Herbede richtig gut. Alles ist nah beieinander und doch ländlich. Was uns fehlt, wäre ein Kulturcafé: Ein nettes Café, wo auch mal was geboten wird. Seit 2012 wohnen wir in diesem Fachwerkhaus an der Kirchstraße. Früher war das ein Lebensmittelladen, jetzt ist es Kinderhaus.
Sven Möller, 46, Sylvia Guse, 37

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