Sport

Nina Martin gibt Mädchen mit Down-Syndrom Ballettstunden

Nina Martin (re. hinten) mit ihrer ganz besonderen Ballettmädchen-Gruppe, Kinder mit dem Down-Syndrom.Foto:Steffi Kirstenpfad

Nina Martin (re. hinten) mit ihrer ganz besonderen Ballettmädchen-Gruppe, Kinder mit dem Down-Syndrom.Foto:Steffi Kirstenpfad

Witten.   Nina Martin, die im EvK als Physiotherapeutin arbeitet, gibt in ihrer Freizeit Mädchen mit Down-Syndrom Ballettstunden. Aufführung in Witten.

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„Fußball ist unser Leben“ sang 1974 die deutsche Fußball-Nationalmann­schaft. Nina Martin und ihre Schwester Marie-Claire müssten ihre Schallplatte „Ballett ist unser Leben“ nennen. Denn die Ge­schwister haben ein Hobby, das ihnen riesigen Spaß macht und ihr Leben ausfüllt: das Ballett.

„Ich tanze seit Jahrzehnten und kann gar nicht mehr ohne“, schwärmt Nina Martin, die in Schwerte zuhause ist und im Evangelischen Krankenhaus Witten als Physiotherapeutin arbeitet. „Schon mit dreieinhalb Jahren habe ich das Ballett für mich entdeckt, das mir so viel gibt“, sagt sie. Im Laufe der Jahre nahm die gebürtige Bochumerin Übungsstunden, auch in Witten, in der da­maligen Ballett­schule von Karen Bieling.

„Ich kann im Krankenhaus meine Kenntnisse einsetzen“

Nach der Schule und dem Abitur begann die heute 26-Jährige zunächst eine Ausbildung als Ergotherapeutin und arbeitete einige Jahre mit schwerbehin­derten Bewohnern im Hans-Vietor-Haus in der Evangelischen Stiftung Vol­marstein. Doch ihr Ehrgeiz und ihr Wunsch, Patienten bestmöglich helfen zu können, führte sie zu der neuen Hochschule für Gesundheit nach Bochum, wo sie das duale Studium zur Physiotherapeutin begann und abschloss.

„Beide Berufe ergänzen sich und ich kann im Krankenhaus meine Kenntnisse ideal einsetzen und die oft er­staunlichen Fortschritte bei den Patienten be­obachten“, berichtet Martin über ihre Therapien auf den Stationen und bei den Ambulanzen in der Physikalischen Abteilung. Da ihr ihre ehemaligen Patien­ten in Volmarstein aber auch noch am Herzen liegen, besucht sie diese regel­mäßig ganz privat. „Ich habe da Freundschaften ge­schlossen. Die Menschen sind mir immer noch wichtig.“

„Warum sollte meine Schwester nicht Ballett lieben?“

Die meisten Stunden ihrer Freizeit verbringt Nina Martin in der Ballettschule Schwerte. Ihr Motto: Üben, üben, üben, trainieren und den Körper elastisch halten. „Ballett ist Kunst, nicht Wettkampf“, sagt ihre dortige Che­fin. Die Japanerin Mitsuru Yatogi-Januszeschski unterrichtet in ihrer Schule Menschen, die Freude an Tanz und Musik ha­ben. Und Nina Martin ist wegen ihres Talents inzwischen sogar „aufgestie­gen“ – von der „einfachen“ Elevin zur zertifizierten Ballett-Pädagogin nach der sogenannten Waganowa-Lehrmethode. Diese wurde für das klassische Ballett von der russischen Balletttänzerin und Tanzpädagogin Agrippina Waganowa entwickelt.

Nina Martin gibt neben ihrer eigenen Rollenarbeit als Solistin auch Unterricht im Kin­derballett. Aber nicht nur. Denn sie unterrichtet zwei ganz besondere Gruppen: acht Mädchen mit dem Down-Syndrom. „Sie sind alle trotz ihrer Behin­derung mit Spaß bei der Sache, sind fleißig und lustig zugleich. Sie er­lernen beim Ballett Gleichgewicht und Ausdauer, sie haben Erfolge und stär­ken ihr Körper- und Selbstwertgefühl“, sagt Martin.

Mit dabei in einer Gruppe ist Marie-Claire, ihre zwölfjährige Schwester. „Meine Mutter hat schon getanzt. Ich habe schon früh getanzt. Warum sollte meine kleine Schwester nicht auch das Ballett lieben“, betont Nina Martin.

>>> KARTEN FÜR DIE WITTENER AUFFÜHRUNG

Am Sonntag, 17. Juni, präsentiert die Ballettschule Schwerte ab 16 Uhr im Saalbau ihr Jubiläumsprogramm „Best of 10 years“. Karten gibt’s im Vorverkauf: Tel. 02304/976 7392 oder über www.ballettschule-schwerte.de. Erwachsene zahlen 15, Kinder und Jugendliche zehn Euro.

Der britische Arzt John Langdon Down hat 1866 erstmals das Down-Syndrom beschrieben. Die Ursache ist eine Veränderung am Erbgut. Genauer: an der Anzahl der fadenförmigen Gebilde, die das Erbgut tragen, die sogenannten Chromosomen. Die betroffenen Zellen enthalten nicht – wie üblich – 23 Chromosomen-Paare, sondern ein zusätzliches Chromosom.

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