Sanierung der alten Deponie am Dorneywald

Lüftung für den Müll

Foto: WAZ

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Am Dorneywald an der Grenze von Stockum nach Dortmund tut sich was. Die alte Hausmülldeponie, ein Areal so groß wie ein Fußballfeld, wird saniert.

An den Wurzeln der gefällten Bäume, die Platz machen mussten für die geplanten Belüftungsgräben, sind mindestens 40 Jahre alte Zeugen der Wohlstandgesellschaft nicht zu übersehen: Plastiktüten, Fischkonserven oder auch eine Sektflasche scheinen im Laufe der Jahrzehnte mit den Baumwurzeln verwachsen zu sein. Damenstrümpfe sind auch dabei. „Der Müll liegt teils nur zehn Zentimeter unter der Oberfläche”, sagt Holger David vom Bochumer Sachverständigenbüro Geoconsult. Er leitet die Sanierung am Dorneywald, die von der Essener Firma Bilfinger Berger mit schwerem Gerät in die Tat umgesetzt wird.

Dass am Dorneywald etwas passieren musste, dafür ist ein ungiftiges, geruchloses aber explosives Gas verantwortlich: Methan (CH4). Es entsteht beim Faulen organischer Stoffe unter Luftabschluss. Und in der Erde der Mülldeponie, die 1969 abgedeckt wurde, dort, wo auch organische Haushaltsabfälle vor sich hin modern, findet es gute Bedingungen vor. „Sie müssen aber keine Angst haben. Wir messen ständig die Konzentration. Alle Werte liegen zurzeit bei 0,0. Was etwas riecht wie verfaulte Eier ist Schwefelwasserstoff”, beruhigt Holger David.

Drainage-Gräben

Es gab aber mal höhere Methan-Werte, die letztlich auch zum Handeln zwangen. Könnte sich das Gas sammeln, könnte es zu einer Verpuffung, im schlimmsten Fall zu einer Explosion kommen. Eine Versiegelung wäre kontraproduktiv, so David. Das Methan könnte unterirdisch wandern und in die anliegenden Häuser dringen. „Außerdem ist die jetzige Methode viel preiswerter.”

Die Vorgehensweise: Sechs Drainage-Gräben – bis zu drei Meter tief und 75 Meter lang – werden gezogen. Der Aushub wird gesammelt und kommt überwiegend in die Müllverbrennung. Die Gräben werden mit weißem Filtervlies ausgelegt und mit etwa 10 000 Kubikmeter Kies gefüllt. Abgedeckt werden sie später mit Mulch, der als Biofilter fungiert. Kies und Mulch sorgen gemeinsam dafür, dass das Methan auf dem Weg an die Oberfläche gefiltert und zunehmend verdünnt wird. „Zehn Zentimeter über dem Boden wird Methan nicht mehr messbar sein”, sagt Holger David. Es verflüchtigt sich.

Sickerwasser wird gefiltert

Das Lüften der Deponie soll dafür sorgen, dass der noch vorhandene Müll schneller verrottet. Der Prozess soll mit Wasserzufuhr zusätzlich beschleunigt werden. Und damit verunreinigtes Sickerwasser nicht in den nahen Dorneybach fließt, wird es in Rohren gesammelt und mit Aktivkohlefiltern gereinigt.

Bis in den Juli hinein wird die Deponie-Sanierung dauern. Holger David: „Wir werden den Erfolg der Arbeit aber über Jahre kontrollieren.”

Ab Juli übernimmt die Natur auf jeden Fall wieder den Müll.

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