Kultur

Leipziger Pfeffermühle bot scharfzüngiges Kabarett

Die Pfeffermühler Franziska Schneider, Matthias Avemarg und Michael Rousavy (von li.) in Aktion auf der Saalbaubühne. Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Die Pfeffermühler Franziska Schneider, Matthias Avemarg und Michael Rousavy (von li.) in Aktion auf der Saalbaubühne. Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Witten.   Die Leibziger Pfeffermühle war mit ihrem Programm „Agenda 007“ zu Gast im Saalbau. Etwas für Menschen mit Sinn für schwarzen Humor.

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Scharfzüngig, bitterböse und mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor gewürzt war das Programm „Agenda 007“ der Leipziger Pfeffermühle. Die politische Satire des Trios aus Sachsen, das im Saalbau gastierte, war gepaart mit bissigen Pointen, deftigen politischen Witzen, geschliffenen Dialogen, kommödiantischen Spielszenen und Gesangseinlagen, die es in sich hatten.

Nicht nur die Lachmuskeln der Gäste im vollbesetzten Theatersaal wurden arg strapaziert. Das Showvergnügen wurde streckenweise zu einem brillanten Denkvergnügen. Schlag auf Schlag ging es im Programm um Überwachung, Islamisten, Schrebergarten-Idylle, Migranten, Gefährder und Staatstrojaner. Der uralte Traum der DDR-Stasi wurde als gesamtdeutsche Wirklichkeit inszeniert. Kein öffentlicher Ort ohne Kamera. Handys, die stets und ständig mithören. Drohnen, die in jeden Winkel des Privatlebens gucken. Die Geheimdienste sind allmächtig, aber sie arbeiten im Verborgenen. Schwarzmalen oder Hellsehen – das war mehr als einmal die Frage.

Messerscharfe Wortspielereien

Franziska Schneider, Matthias Avemarg und Michael Rousavy brachten mit beißendem Spott auf der Saalbaubühne endlich Licht ins geheimdienstliche Dunkel. Allerdings gaben sie in ihren blauen Kitteln und den beigefarbenen Poppelin-Mänteln eher das Bild von schlecht getarnten Agenten ab. Diese haben nicht die Obrigkeit im satirischen Visier, sondern die Bevölkerung im allgemeinen – auch die Neubürger mit Migrationshintergrund.

Der Syrer gibt den Depp, weil er nicht richtig Deutsch kann. Und soll doch in der Schrebergartenidylle eine neue Bleibe finden. Vorausgesetzt, er versteht die „Freizeitlärm-Richtlinie“. Und zum Essen gibt es schließlich jede Menge „Humus“ – im Kleingarten. Solche messerscharfen Wortspielereien gehören zum Standardrepetoire der „Pfeffermüller“.

Hintersinnniger Sprachsalat

Aber auch die „alten Mütter mit ranziger Milch“ bekommen ihr Fett ab. Ungeschoren dagegen bleiben die Männer, die mit 70 Jahren noch Vater werden. Das „Verfassungsschutzorchester“ spielt den Integrationsblues. Und der demente Opa soll vom Nazi-Opfer zum Nazi-Verbrecher umgepolt werden – da ist der Status besser. Angesichts der Überwachungskameras solle man doch besser nur noch geschminkt das Haus verlassen, meinen die Leipziger schmunzelnd.

Es wird sinniert über Schiller, der einen Zivilisten auf Obst schießen lässt, was dann auch noch große Literatur wird. Oder die „Haarscheren, die nach Pilga mekkern“. Sorry, die Herrscharen, die nach Mekka pilgern. Dieser hintersinnige Sprachsalat, dieses unverständliche Kauderwelsch hatte es allerdings in sich. Die „Pfeffermüller“ hatten die Lacher auf ihrer Seite. Dann gab es noch den „Polizisten-Mitleidssong“ mit dem Refrain „Wir sind die blöden Bullenschweine, die Vollpfosten vom Dienst“. Ein politischer Kabarett-Abend, der verging wie im Fluge.

>>> AUCH ZU DDR-ZEITEN AUF DER BÜHNE

Die „Leipziger Pfeffermühle“ ist eine deutsche Geschichte. 1944 in Leipzig gegründet, war Kabarett in der DDR-Zeit eine Gratwanderung zwischen Zensur und Bespitzelung. Politische Satire musste sich zwischen den Zeilen verstecken.

Seit der Wende suchen die Sachsen immer nach neuen Formaten, um sich in der medialen Überflutung auf der Bühne Gehör zu verschaffen.

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