Schulprojekt

Gymnasium in Witten hat sogar geschlechtsneutrale Toiletten

Schülersprecher Alper Demir (li.) und Mirko Englich (re.) enthüllten stolz das Schild mit dem neuen Titel.

Schülersprecher Alper Demir (li.) und Mirko Englich (re.) enthüllten stolz das Schild mit dem neuen Titel.

Foto: Jürgen Theobald

Witten.   Das Albert-Martmöller-Gymnasium hat den Titel „Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage“ erhalten – und will sein, was die AfD nicht ist.

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„Die AfD ist keine Alternative“, hat sich die 14-jährige Ceyda mit weißem Stift auf ihre Lederjacke geschrieben. Sie scheint damit die Haltung ihrer gesamten Schule auf dem Rücken zu tragen: „Schule ohne Rassismus“ darf sich das Albert-Martmöller-Gymnasium (AMG) seit Dienstag nennen – und will damit ein Zeichen gegen rechtspopulistische Politik und Hetze im Internet wie auf offener Straße setzen, wie Schulleiter Johannes Rienäcker in einer durchaus politischen Feierstunde bekräftigte.

Als 19. Schule im EN-Kreis, siebte Schule in Witten und letztes Gymnasium in der Stadt ist das AMG damit Teil des bundesweiten Courage-Netzwerks, das sich gegen Diskriminierung jeglicher Art positioniert – gegen Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder Kleidungsstil. „Hier gibt es wenig Probleme mit Dingen wie Rassismus“, sagt Ceyda über ihre Schule. Sitznachbar Nate (17), der sich selbst als Transgender-Junge bezeichnet, stimmt zu: „Es ist hier gar nicht möglich, diskriminierend zu sein.“ Für Schüler wie Nate, die sich einem anderen Geschlecht als dem bei der Geburt zugehörig fühlen, gibt es geschlechtsneutrale Toiletten am AMG. Ebenso eine Regenbogen-AG für lesbische oder schwule Schüler und Schülerinnen. „Inzwischen ist es für die Schüler mehr eine Beleidigung, als schwulenfeindlich denn als schwul bezeichnet zu werden“, sagt Alper Demir, Schülersprecher und Moderator der Titelverleihung.

„Nicht das Volk, das Herr Gauland gerne hätte“

Um den Titel „Schule gegen Rassismus“ zu erhalten, mussten Unterschriften von 70 Prozent aller am Schulleben Beteiligten – vom Hausmeister bis zum Schulleiter – gesammelt werden. Jeder Unterzeichner verpflichtet sich, gegen Diskriminierung vorzugehen und seine Mitmenschen zu achten. „Wir haben schnell die Unterschriften sammeln können“, sagt Alper. „Am Ende haben sogar 88 Prozent mitgemacht.“

Aber es sind nicht bloß die Unterschriften. Gemeinsam mit Mitstreitern der Schülervertretung hat der 19-Jährige im Unterricht oder an Infoständen auf dem Schulhof über Diskriminierung, Grundrechte und Toleranz aufgeklärt. „Beleidigungen gehören zum Schulalltag leider dazu“, sagt Alper. „Aber viele wissen inzwischen, wann die Grenze zur Diskriminierung erreicht ist.“

Damit alle Schüler diese Grenze kennen, soll im Schulalltag künftig noch mehr für ein tolerantes Miteinander getan werden – durch Unterstützung des 2008er Vize-Olympiasiegers im Ringen, Mirko Englich. Der Wittener Top-Athlet ist Pate des Projekts – und auch er hätte Ceydas Lederjacke tragen können. „Wir wollen zeigen“, sagt Englich, „dass wir nicht das Volk sind, das ein Herr Gauland gerne hätte“.

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