Cannabis-Legalisierung

„Gras verschafft mir Antrieb“

Foto: Daniel Karmann, dpa

Witten.   Die Wittener Piraten fordern die Legalisierung von Cannabis. Ein Hanf-Lobbyist sprach über „Droge oder Medizin“ im gut besuchten Alten Fritz.

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„Ich trage weder Rastalocken noch eine Schluffhose.“ Mit diesen Worten eröffnete Chris J. Demmer, Kreistagsmitglied der Piratenpartei und Sprecher des Deutschen Hanfverbands (DHV) seinen Vortrag, der das Thema Cannabis als Heilmittel allerdings nur streifte. Den Vortrag des Hanf-Lobbyisten „Droge oder Medizin?“ wollten viele Besucher am Montagabend im Alten Fritz hören. Eingeladen hatte die Piratenpartei.

Es gebe gute Gründe für eine kontrollierte Freigabe von Marihuana, findet Chris J. Demmer. Da sei zum einen der Jugendschutz. Ein Verbot mache die Droge noch attraktiver. Dass gerade Jugendliche sich auf dem Schwarzmarkt bedienen müssten, um an Cannabis zu kommen, eröffne auch den Zugang zu anderen, womöglich härteren Drogen.

Auch sei die Prohibition schädlich, dem Staat entstünden Kosten von jährlich einer Millarde Euro. Darüber hinaus sei durch das Verbot ein Rückstand bei Forschung und Medizin feststellbar. Dazu komme die „Existenzgefährdung für tausende Menschen“ durch sogenannte Rauschfahrten. Auch wer nicht „high“ am Steuer sitze, könne mit dem Entzug der Fahrerlaubnis rechnen, wenn festgestellt werde, dass er vor wenigen Tagen oder gar Wochen Cannabis konsumiert habe.

Anhand des Beispiels Niederlande schilderte Demmer die Absurdität im staatlichen Umgang mit Cannabis. Die Droge sei dort nämlich nur geduldet, zwar könnten niederländische Bürger in Coffeestops Cannabis kaufen, der Anbau sei jedoch verboten. In Deutschland, so Demmer auf Berufung auf eine Umfrage, findet sich keine Mehrheit für eine Legalisierung von Cannabis in der Bevölkerung.

Stefan Borggraefe, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Wittener Piraten, sprach sich in seiner kurzen Begrüßung zur Veranstaltung seiner Partei für „Rauschkunde“ an deutschen Schulen aus. Die Partei „Die Piraten“ setzt sich seit langem für eine kontrollierte Freigabe von Cannabis ein.

Am Rande der Veranstaltung wandte sich ein Betroffener an die WAZ. Mario B. aus Witten sei „anerkannt depressiv“, bekomme aber von hiesigen Ärzten kein Rezept für das Linderungsmittel Cannabis. „Damit ich meinen Alltag auf die Kette kriege, muss ich mir den Stoff auf anderem Wege besorgen“, erklärt er. „Denn Gras verschafft mir Antrieb.“

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