Neuveröffentlichung

Geschichten aus der Geschichte

1. Hälfte 19. Jahrhundert, vorn Zeche Louisenglück. Aus: Schoppmeyer, Witten. Geschichte von Dorf, Stadt und Vororten.

1. Hälfte 19. Jahrhundert, vorn Zeche Louisenglück. Aus: Schoppmeyer, Witten. Geschichte von Dorf, Stadt und Vororten.

Heinrich Schoppmeyer legt neues Standardardwerk vor. Historiker beschreibt in zwei Bänden Wittens Entwicklung von der Agrargesellschaft bis heute.

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Für Alteingesessene wie für Zugezogene sind diese beiden Bände ein spannendes Weihnachtsgeschenk: „Witten – Geschichte von Dorf, Stadt und Vororten“ steht ganz unspektakulär auf jedem der Bücher.

Doch was Prof. Dr. Heinrich Schoppmeyer, langjähriger Vorsitzender des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark, hier auf über 1000 Seiten zusammengestellt hat, ist nicht nur ungeheuer faktenreich, sondern beleuchtet als eine Art „Geschichten aus der Geschichte“ die Dimensionen, die der Zeitenwandel für den Einzelnen oder ganze Familien mit sich brachte.

Einflussreiche Familien

Das gilt für verschiedene Höfe, Bauern und Kötter ebenso wie für die Herren auf Steinhausen, Haus Crengeldanz oder Haus Berge. Während in der frühen Stadtgeschichte einflussreiche Familien wie jene der von Witten oder jene der streitlustigen Hardenstein-Erbauer Hardenberg allmählich verschwanden, gaben mit der Industrialisierung andere den Ton an, etwa die Bergers, Lohmanns, Müllensiefens oder Schotts. Die Bedeutung des Wittener Kornmarktes für die Region stellt der Historiker Schoppmeyer ebenso anschaulich heraus wie das Aufkommen der Industrie, unter anderem mit der Gründung von Stahl- und Glasfirmen, flankiert vom Eisenbahnbau und Kohleabbau.

Über die beiden Weltkriege, die Zerstörungen großer Teile der Innenstadt Ende 1944/März 1945, den Wiederaufbau, die Hoffnungen der 60er und die wirtschaftlichen Verwerfungen sowie die kommunale Finanzkrise seit den 70er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart reicht das Werk. „Nicht abgeschlossen ist bisher eine Debatte über die Zukunft von Stadtbücherei und Märkischem Museum“ heißt es da auf einer der hinteren Seiten. „Wie wahr“, möchte man kopfnickend hinzufügen.

Großes Ganzes im Auge behalten

Was dieses umfangreiche Werk ausmacht, das in mehrjähriger Arbeit entstand, ist neben aller Recherche-Arbeit und der akribischen Suche in weit über Wittens Grenzen reichenden Archiven, ist neben vielen Grafiken, Tabellen und historischen Fotos vor allem eines: nämlich Heinrich Schoppmeyers Fähigkeit, die feinen wirtschaftlichen, kulturellen, religiösen und politischen Stränge über all die Seiten miteinander zu verweben. Der Leser verliert dadurch bei allen Details das große Ganze nicht aus den Augen und versteht, dass viele aktuelle Probleme (u.a. Bevölkerungsrückgang, Sozialgefälle in den Stadtteilen, komplizierte Führung einiger Straßen und deren Überlastung) historisch gewachsen sind.

Für alle Wittener, denen „ihre“ Stadt am Herzen liegt, ist dieses zweibändige Werk geradezu ein „Muss“.

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