Erinnerung an einen dunklen Tag

Foto: WAZ

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Am 9. November jährt sich die Reichspogromnacht des Nazi-Regimes zum 70. Mal. Die Stadt erinnert an dieses Datum mit Veranstaltungen rund um das Ruhr Gymnasium.

Er zählt zu den dunkelsten Tagen deutscher Geschichte: der 9. November 1938. „Für uns ist es heute fast unvorstellbar, was die Menschen in der Reichspogromnacht erleben mussten”, sagt Kirsten Schikorr, neue Schulleiterin des Ruhr-Gymnasiums. „Deshalb ist es so wichtig, ein Bewusstsein für die Vergangenheit zu schaffen.” Die Nazis zerstörten damals die Synagoge in direkter Nachbarschaft der Schule und zeigten damit ihren Antisemitismus auch in Witten offen.

In besonderer Weise mit der Geschichte verbunden, haben die Lehrer des Gymnasiums in den vergangenen Wochen verschiedene Akzente in den Schulklassen gesetzt, um die Ereignisse am 9. November 1938 gemeinsam mit den Schülern aufzuarbeiten. So diskutiert der elfte Jahrgang mit einem Zeitzeugen über das Geschehen und die zwölften Klassen beschäftigen sich in Literaturkursen mit szenischen Lesungen zum Thema.

Die Stufe zehn dokumentiert die jüdische Geschichte in einer Ausstellung. Interessantes Ergebnis dieser Arbeit: „Jüdische Schüler haben 1938 bereits Kopfnoten erhalten”, berichtet Religionslehrer Ernst-Werner Borttscheller. „Mit dem Unterschied, dass diese im Hinblick auf das politische Verhalten vergeben wurden.”

Dieses und andere Details sind am Freitag von 9 bis 12.30 Uhr im Foyer des Ruhr-Gymnasiums zu sehen. Ergänzt wird die Präsentation der Schüler durch zahlreiche Biographien Wittener Juden, die das Stadtarchiv für das Projekt zur Verfügung gestellt hat.

Am Sonntag eröffnet die zentrale Gedenkveranstaltung der Stadt Witten, des Stadtarchivs sowie der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und dem Freundeskreis der Israelfahrer, ebenfalls im Ruhr-Gymnasium, mit dem Theaterstück „Hin und weg sehen”, das um 16 Uhr in der Aula der Schule gezeigt wird. Im Anschluss daran öffnet die Ausstellung „Darüber weine ich so – und mein Auge fließt von Tränen” im Eckhaus am Mahnmal der Synagogenstraße/Ecke Breite Straße. Mit dieser audio-visuellen Darbietung hat der Fotodesigner und städtische Angestellte Jörg Fruck der ehemaligen Wittener Juden-Gemeinde vor über zehn Jahren ein Denkmal gesetzt.

Bürgermeisterin Sonja Leidemann wird die Gedenkveranstaltung mit einem Grußwort eröffnen. „Seit 20 Jahren gedenken wir der Opfer mit einer Mahnwache in der Synagogenstraße”, sagte sie vorab. „Diese Tradition wollen wir auch in diesem Jahr fortführen.” Eine Stadt, die modern sein will, müsse sich schließlich ihrer Vergangenheit bewusst bleiben.

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