Denkmaltag

Eine Erinnerung an düstere Zeiten

Auch der Bunker an der Augustastraße kann am Denkmaltag besichtigt werden.

Auch der Bunker an der Augustastraße kann am Denkmaltag besichtigt werden.

Foto: WAZ

Witten.   Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag öffnen geschichtsträchtige Stätten ihre Türen –so auch der Hochbunker an der Augustastraße.

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Licht aus. An den Betonwänden leuchten gelbe Streifen auf – zur Orientierung, falls der Strom ausfällt. Pfeile zeigen in Richtung des Ausgangs. Die Luft ist klamm, feucht, modrig.

Licht an. Leuchtstoffröhren hängen an der Decke, die Wände sind hellgelb gestrichen, der Betonboden nackt und grau. Überall verlaufen Rohre, die eine ausreichende Belüftung sicherstellen sollen, im Ernstfall. Gut, dass sie bisher nicht gebraucht wurden. Gut, dass seit den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs kein Mensch mehr hier ausharren musste. Ängstlich wartend und hoffend.

Anlage zur Luftreinigung

Der Bunker an der Augustastraße, der am Sonntag anlässlich des Denkmaltags seine meterdicken Schutztüren öffnet, hat sich seit diesen Tagen verändert – 1941 zum Schutz vor Brandbomben gebaut, wurde er in den 1980er Jahren „im Zuge der atomaren Bedrohung“ saniert und mit einer Filteranlage ausgestattet. Würde die Umgebungsluft von Chemiewaffen verseucht, erläutert Denkmalpfleger Florian Schrader, solle die Anlage sie reinigen können. So ganz will man darauf nicht vertrauen.

Im Keller steht die Pumpe, die Luft von außen ansaugt und filtert, sie kann mit einem Notstromaggregat oder Handkurbeln betrieben werden. Die Bedienungsanleitung hängt an der Wand. „Die Technik gab es hier früher noch nicht“, erklärt Schrader, „der Bunker war nur für einen Aufenthalt von wenigen Stunden gedacht.“

Bunker ist „voll funktionsfähig“

500 Menschen konnten im Zweiten Weltkrieg auf den knapp 1500 Quadratmetern Schutz finden, 500 Menschen könnten auch heute noch hier unterkommen: „Der Bunker ist voll funktionsfähig und wird regelmäßig von der Feuerwehr überprüft“, sagt Florian Schrader. Auf jeder Etage gibt es Toiletten, vor Blicken geschützt durch weiße Plastikvorhänge, die an Stangen von der Decke hängen.

Ganz oben, in der dritten Etage, haben Menschen Spuren ihres Abwartens hinterlassen, haben Daten in die Wände geritzt: 14.2.44 steht dort, und 17.9.44. Die Höhe der Markierungen lässt erahnen, dass hier früher Stockbetten standen. Die Luft ist weniger modrig als im Keller. Trotzdem wirkt der kahle, langgezogene Raum beklemmend – das Motto des diesjährigen Denkmaltages „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ – hier ist es spürbar.

„Prachtvolle Schlösser und Kirchen haben es sehr einfach im Denkmalschutz“, sagt Schrader, „Denkmale wie dieses haben es schwerer.“ Doch gerade die weniger schönen Bauten, „die sich nicht harmonisch ins Stadtbild einfügen“, könnten Geschichte auf besondere Art sichtbar machen und uns auch an dunkle Zeiten erinnern.

Licht aus.

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