Stadtgeschichte

Der Herr der Bäder

Ein Foto aus guten Tagen: Schwimmwettbewerb im Stadtbad. Foto: Fritz Helbert

Ein Foto aus guten Tagen: Schwimmwettbewerb im Stadtbad. Foto: Fritz Helbert

Foto: WAZ FotoPool

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Witten. Wie viele Wittener hier ihre ersten Schwimmzüge gemacht haben, kann wohl niemand mehr sagen. Auch nicht, wie viele Paare sich in der Milchbar fanden. Das Stadtbad an der Gerichtsstraße war bis zum Abriss Treffpunkt der Wittener.

Wie viele kleine Wittener hier ihre ersten Schwimmzüge gemacht haben, kann wohl niemand mehr sagen. Auch nicht, wie viele Paare sich in der angesagten Milchbar fanden. Das Stadtbad an der Gerichtsstraße war bis zu seinem Abriss 2003 45 Jahre lang Treffpunkt der Wittener.

Fritz Helbert blickt auf diese Jahre zurück – mit einem Vortrag am Montag, 25. Oktober, um 20 Uhr im Stadtwerkehaus und seinem neuem Buch.

Helbert war von Anfang an dabei, schon bei der Eröffnungsveranstaltung des neuen Bades 1958. „Super“ war das neue Schwimmbad, erinnert sich der heute 76-Jährige. Er war von Haus aus eigentlich Zerspanungstechniker, aber eben auch begeisterter Schwimmer, der mit der Schwimmvereinigung Witten erfolgreich an Deutschen Meisterschaften teilgenommmen hat. Etwa 1957 entschied er sich, seinen Sport zum Beruf zu machen. Er startete als Schwimmmeister im Stadtbad, ab 1968 leitete er das Hallenbad in Annen.

Das Wasser im Stadtbad war damals kälter als es heute üblich ist, erinnert sich Helbert. Deshalb schwammen Kinder auch erst, wenn sie etwas größer waren. Überhaupt hatte das Stadtbad nichts von einem Spaßbad. Das Becken war tief, hier konnte man seine Bahnen ziehen. Und wer sich traute, der sprang aus drei, fünf oder siebeneinhalb Metern Tiefe. Helbert erinnert sich noch gut, als der Sprungtum fiel. Da war der Abriss des Stadtbades schon voll im Gange – trotz des breiten Bürgerprotestes und der 9200 Unterschriften, die die Initiative Bürgermeister Lohmann überreichte. Viele Fotos aus dieser Zeit und der Blütezeit des Bades hat er in seinem Buch „Das Wittener Stadtbad 1958 bis 2003“ verewigt, das er am 6. November um 11 Uhr in der Mayerschen Buchhandlung vorstellen will.

Zum Schreiben ist er durch einen Zufall gekommen. Eine junge Frau wollte ihn über das Hallenbad Annen befragen. Zuhause hatte Helbert sich im Laufe der Jahre schon ein großen Archiv aus Bildern und Zeitungsartikeln über die Wittener Bäder ersammelt. „Und diese junge Frau sagte, machen Sie doch mal ein Buch daraus.“ Entstanden ist dann „Hygiene – Sport – Freizeit. Eine Dokumentation zur Geschichte der Wittener Bäder“, das dann 2002 herauskam.

Regelmäßig hielt er dann Vorträge bei den Stadtwerken, die die Bäder 1989 übernommen haben. Und so wuchs sein neues Buch heran.

Dass Schwimmen mehr Leidenschaft als Beruf für Fritz Helbert ist, zeigt sich schon daran, dass der 76-Jährige noch immer dreimal in der Woche Schwimmunterricht gibt – Kindern aus Kindergärten und Schwimmvereinen in den Lehrschwimmbecken der Pferdebach- und der Hüllbergschule. „Ich sehe darin meine Aufgabe, dass Kinder schwimmen lernen“, sagt Fritz Helbert. „Es ist so wichtig, dass sie das beherrschen.“

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