Stadtarchiv

Das Stadtgedächtnis zieht um

In den neuen Räumen im Saalbaukeller: Dr. Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Stadtarchivs. Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool

In den neuen Räumen im Saalbaukeller: Dr. Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Stadtarchivs. Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool

Foto: WAZ

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Witten. Wenn man die Mitarbeiter des Stadtarchivs mit ihren weißen Schutzanzügen und dem Mundschutz durch die Katakomben des Saalbaus wuseln sieht, könnte man glatt glauben, „CSI Witten“ hätte einen Mord aufzuklären.

Doch Dr. Martina Kliner-Fruck und ihre Mitarbeiter sichern keine Spuren, sie ziehen um – mit zigtausend Schriftstücken.

Und weil all diese alten Unterlagen gesichtet und sortiert werden müssen, kann Staub aufwirbeln. Das ist auch der Grund für die Schutzkleidung. Der Umzug des Stadtarchivs ist sozusagen eine Rückkehr. Denn die Räume im Keller des Saalbaus wurden 1975 für das Stadtarchiv eingerichtet. Im Laufe der Jahre wanderten Teile des Archivs an verschiedene Orte, doch jetzt wird wieder alles zusammengeführt: Im Saalbaukeller und beim Stadtarchiv selbst an der Ruhrstraße 69.

Doch vor die Ordnung hat der liebe Gott den Schweiß gesetzt. Seit Januar schon wird der große Umzug vorbereitet. In der letzten Woche dann legten Stadtarchiv-Mitarbeiter, Techniker des Saalbaus, Mitarbeiter des Museums und der Bücherei sowie Helfer acht Stunden am Tag Hand an. „Die Arbeit war aufwändig, anstrengend und hat bestimmt viel logistische Planung des Stadtarchivs erfordert“, erzählt Helfer Florian Winkler (19). „Alles sah am Anfang nach weniger aus, als es dann wirklich war. Aber ich finde es wichtig, die Unterlagen zu erhalten, die noch gebraucht werden. Und die Rollregalanlage ist zwar alt, aber echt Kult.“ Und sie spart eine Menge Platz: Denn nur wenige Regale sind fest verankert, zu den anderen muss man sich den Zugang mit einer Art Anker „erdrehen“. Sonst sind sie zusammengeschoben.

Jeder Umzug ist immer auch eine gute Gelegenheit, sich von überzähligen Unterlagen zu trennen. Das gilt auch fürs Stadtarchiv. Und so wandern einige Texte, die für Witten nicht so wichtig sind oder die beispielsweise auf Mikrofilm oder in anderen Städten eingesehen können, ins Altpapier oder in andere Archive.

Was bleibt, soll sich wohlfühlen können: Die Luftfeuchtigkeit liegt im Saalbaukeller bei 46 Prozent, genau im Idealbereich von 50 Prozent +/- 5, die Temperatur darf nicht unter 14 und über 18 Grad steigen. Beides kontrolliert ein Messgerät, das auf einem Tisch in der Mitte des Raumes steht.

Nachdem Phase eins des Umzugs geschafft ist, geht’s jetzt wieder los: Weitere alte Magazinräume können freigeräumt und Unterlagen aus dem Vorarchiv gesichtet werden, d.h. sortiert, magazintechnisch bearbeitet, elektronisch verzeichnet und dann ins Archiv überführt werden. Dazu gehören auch Quellen aus dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit des Wiederaufbaus Wittens, die nicht nur für Forscher sehr interessant sind.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben