Naturdenkmal wurde gefällt

Das Ende der Blutbuche

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Witten. „Es ist wirklich traurig“, sagt Ralf Löchel. Der Landschaftsarchitekt beim Umweltamt des EN-Kreises begleitete sichtlich betreten das Fällen der Blutbuche vor dem Haus In der Lake 24.

Das Naturdenkmal in Heven war nicht mehr zu retten, weil seine Wurzeln stark von Pilzen befallen waren. Dadurch war die Standsicherheit des rund 200 Jahre alten und etwa 20 Meter hohen Baumes nicht mehr gegeben, der direkt neben einem Haus stand.

Damit keiner der teils mächtigen Zweige auf dessen Dach kracht, gehen die Arbeiter beim Fällen gestern und heute entsprechend vorsichtig vor. Ein Hubsteiger mit einem Korb brachte einen der Männer nahe an die äußeren Zweige heran, die er dann mit der Kettensäge abtrennte und von Hand an ungefährlicher Stelle abwarf. So arbeitete sich der Mann zu den dicker werdenden Ästen durch. Auch bedingt durch das trockene Wetter gingen die Fällarbeiten zügig voran. Dennoch sah man mit einer gewissen Wehmut, wie ein Baum, der über 200 Jahre braucht, um sich so würdevoll zu entfalten, innerhalb von Stunden verschwindet.

Mit dem Fällen wurde eine Firma aus dem niederrheinischen Brüggen beauftragt, die mit fünf Mitarbeitern in Heven angerückt war. Gleich vor Ort wurden die kleineren Zweige gehäckselt, „die wuchtigeren Teile des riesigen Baumes hat dann die Firma zur Entsorgung mitgenommen“, erzählt Ralf Löchel. Während der Fällarbeiten war die Straße im Umkreis der Blutbuche gesperrt.

„Dass wir dieses Naturdenkmal gefällt haben, war keine Bauchentscheidung“, unterstreicht Löchel. Bereits 2006 und 2009 seien Gutachten über den Zustand der Blutbuche in Auftrag gegeben worden. „Und ich habe durch mehrfache jährliche Kontrollen festgestellt, dass der Pilzbefall sehr zügig vorangeschritten ist“, so Löchel, der beim EN-Kreis u. a. für Naturdenkmäler zuständig ist.

Der Experte erklärte, dass der Pilzbefall die Wurzeln angreife, wodurch die Nährstoffversorgung für den gesamten Baum nicht mehr gegeben sei. „Zuletzt war die Krone der Blutbuche ziemlich licht und man konnte beobachten, wie die Spitzen der Äste abstarben“, schildert Löchel.

Er bedauere, dass es immer weniger Naturdenkmäler gebe. „Wer meint, er habe einen Baum im Garten, der sich zur Anerkennung als Naturdenkmal eigne, kann sich bei uns melden. Natürlich muss es ein Baum sein, der zum Beispiel von seinem Wuchs, von der Art oder vom hohen Alter her dafür in Frage käme“, so der Naturdenkmal-Experte.

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