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Corona: Kaum Patienten – Klinik denkt über Kurzarbeit nach

Virologe: Italienische Verhältnisse wird es hier nicht geben

Wie sinnvoll ist das Kontaktverbot? Erwarten uns "italienische Verhältnisse"? Virologe Prof. Dr. Ulf Dittmer beantwortet Fragen zur Coronakrise.

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Witten  Im Marien-Hospital Witten ist wegen Corona nur die Hälfte der Betten belegt. Mitarbeiter sollen Überstunden abbauen, Kurzarbeit ist im Gespräch.

In ganz NRW schalten die Kliniken auf Corona-Krisenmodus um. Häuser wie etwa das Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke stocken die Zahl ihrer Isolierbetten und Beatmungsgeräte auf. Nicht akute Operationen werden verschoben. All das setzt die Krankenhäuser auch finanziell unter Druck. Die St.-Elisabeth-Gruppe, zu der das Marien-Hospital in Witten gehört, fordert nun ihre Mitarbeiter auf, Überstunden abzubauen, Urlaub zu nehmen oder sogar Minusstunden zu machen. Sogar Kurzarbeit steht im Raum.

Ein entsprechendes Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt, ging kürzlich an die Mitarbeiter des Klinikverbundes. „Viele meiner Kollegen haben sich sehr darüber aufgeregt“, sagt ein Mediziner, der für die Gruppe arbeitet. „Wenn die Geschäftsführung das so durchzieht, ist das sittenwidrig.“

Mitarbeiter des Marien-Hospitals Witten sollen im zweiten Halbjahr mehr arbeiten

In dem Schreiben von Geschäftsführer Theo Freitag werden die Beschäftigten zunächst aufgefordert, nun Überstunden abzubauen und dafür in der zweiten Jahreshälfte mehr zu arbeiten - „wenn die Bedeutung von Corona abgenommen hat.“

Die Geschäftsführung verteidigte das Vorgehen auf Anfrage der WAZ. Bislang würden nur vereinzelt Covid-19-Erkrankte behandelt, weil diese oft nicht stationär aufgenommen werden müssten, erklärte Theo Freitag in einer schriftlichen Stellungnahme. Die derzeitigen Entwicklungen bei den Corona-Erkrankten würden auch nicht darauf hindeuten, dass es kurzfristig zu einem deutlichen Anstieg kommen werde. Und falls doch, würden dann „ausgeruhte Mitarbeiter kurzfristig diese Versorgung übernehmen“ können.

Zahl der Patienten drastisch gesunken – Operationen verschoben

Bislang seien durch die Krise und die daraus entstehende Verunsicherung seit Anfang März aber immer weniger Patienten in die Häuser der St.-Elisabeth-Gruppe gekommen, so Freitag. Aktuell sei rund die Hälfte der Betten in den Kliniken der Gruppe nicht belegt – im Wittener Marien-Hospital derzeit etwa 170 von 360 Betten.

Daher würden derzeit auch deutlich weniger Mitarbeiter für die Versorgung dieser Patienten benötigt. Neben Pflegekräften und Ärzten betreffe das unter anderem auch Reinigungskräfte, Mitarbeiter in der Küche, der Technik, der IT, der Patientenaufnahme und Sekretariate.

Die Klinik-Gruppe geht aber davon aus, dass viele Menschen ihre aufgeschobenen Operationen nach der Pandemie nachholen werden. „Diese Patienten werden dann berechtigter Weise eine Behandlung nicht nur erwarten, sondern auch einfordern“, schreibt der Klinikchef.

Geschäftsführung bringt Kurzarbeit ins Spiel, sollte "Überstundenabbau nicht gelingen"

Der Arzt, der das Schreiben der Geschäftsführung kritisiert, hätte gegen einen Überstundenabbau vor Beginn der Corona-Welle auch gar nichts einzuwenden. Sauer aufgestoßen ist ihm und anderen vor allem, dass selbst Kurzarbeit im Krankenhaus nicht ausgeschlossen wird. So heißt es in dem Brief an die Mitarbeiter: "Sollte der Überstunden- und Urlaubsabbau nicht gelingen, wird die St.-Elisabeth-Gruppe leider einen Antrag auf Kurzarbeitergeld stellen müssen."

Da kann der Mediziner nur den Kopf schütteln: „Gerade jetzt werden doch Menschen wie wir gebraucht. Ich persönlich brauche für meine Arbeit nicht von Fremden beklatscht zu werden, ich will auch nicht mehr Geld. Aber dass man uns mit Kurzarbeit droht, das muss wirklich auch nicht sein."

Klinikleitung verweist auf unzureichende finanzielle Hilfe von Bund und Land

Zudem ist der hergestellte Zusammenhang zwischen Überstunden und Kurzarbeit nicht korrekt: Laut der Bundesagentur für Arbeit kann Kurzarbeit erst dann beantragt werden, wenn Überstundenkonten geleert sind.

Die Klinik-Geschäftsführung verweist ihrerseits auf ihre "Verantwortung allen ihren Mitarbeitern gegenüber, langfristig die Gehälter bezahlen zu können." Wenn erkennbar sei, dass dies in Gefahr ist, weil der Rettungsschirm von Bundes- und Landesregierung bei den aktuellen Entwicklungen nicht reicht, müsse man entsprechend reagieren, so Geschäftsführer Freitag. Die Vorsitzenden der Mitarbeitervertretungen hätten ihre Unterstützung zu den Plänen in einer gemeinsamen Sitzung zugesagt. Allerdings betont die Mitarbeitervertretung in einem Aushang, sie habe "lediglich ihre Unterstützung in der Krise zugesagt", aber "diesen Maßnahmen nicht zugestimmt!"

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