Tag des offenen Denkmals

Blick hinter verschlossene Türen

Ein Päuschen in tollem Ambiente: Elle und Friedhelm Nickolmann im Flur des obersten Stockwerks der Villa Ruhrtal. Fotos:Bastian Haumann

Ein Päuschen in tollem Ambiente: Elle und Friedhelm Nickolmann im Flur des obersten Stockwerks der Villa Ruhrtal. Fotos:Bastian Haumann

  Das schöne Wetter machte den „Tag des offenen Denkmals“ zum Besuchermagneten. Besonders beliebt sind die Villa Ruhrtal und die Ruine Hardenstein.

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Gut, wer einen Termin bei einem der Finanzberater in der Villa Ruhrtal hat oder sich in der Concept-Loft innenarchitektonisch inspirieren lassen möchte, dem öffnet sich die Tür auch so. Anderen bleibt sie verschlossen. Nicht so beim Tag des offenen Denkmals, als der Prachtbau sich erstmals der Öffentlichkeit präsentierte.

Das Interesse war groß, bereits um 12 Uhr flanierten zahlreiche Besucher durch die drei Etagen der 1889 erbauten Villa. „Ich wollte eigentlich nur mal wieder um den Kemnader See joggen“, sagt Sabrina Wendt, „doch dann habe ich mich kurz umentschieden“. Keine schlechte Entscheidung.

Die 30-jährige Studentin der Kunstgeschichte aus Bochum hat hier viel zu entdecken. Den Mosaik-Fußboden im Eingangsbereich, die neoklassizistische Architektur, die Reminiszenzen an die italienische Renaissance. Die dann aber doch nicht so ganz stimmig ist. Sie fachsimpelt mit einer Besucherin und stellt fest: „Dafür sind die Wandmalereien zu sehr in Pastell gehalten.“

Meik Terrahe, Interior Designer für die Agentur Connect Sense, macht den Gebäudeführer. Er weiß, dass ursprünglich die Brauerfamilie Brinkmann hier gewohnt hat und im Haus gegenüber ihr Bier brauen ließ. Viel später wurde das Haus umgewandelt, viele Hoesch-Mitarbeiter fanden in Mietwohnungen ein Zuhause. Terrahe: „Das ist eine der am besten erhaltenen neoklassizistischen Villen im Ruhrgebiet.“

Besucher in Mittelalterkostümen

Nicht so gut erhalten ist die Burg Hardenstein in Herbede. Seit ungefähr 1775 eine Ruine, lockte sie am Sonntag bei sonnigem Spätsommerwetter zahlreiche Besucher. Die, die in Mittelalterkostümen herumliefen, zählten nicht wirklich dazu. Doch was heißt Kostüm! „Das ist eine Gewandung“, erklärt Carsten Kruse. Der 43-Jährige kommt aus dem Raum Arnsberg und ist oft zu Gast auf Mittelaltermärkten. Angeregt wurde er durch das Rollenspiel „Das schwarze Auge“. Jetzt trägt der Zerspanungsmechaniker einen schweren Waffenrock mit weißem Kreuz im Stil der Johanniter. An der Hüfte baumelt ein Schwert.

„Ich nehme oft an Schwertkämpfen auf Mittelaltermärkten teil“, sagt der sympathische Mann. „Das klingt bekloppt, macht aber einen Heidenspaß.“ Doch Obacht! „Das Schwert ist zwar stumpf und auch nicht spitz, aber es ist immer noch eine Waffe.“

Jürgen Narbutt, lässt auf der Leier mittelalterliche Weisen erklingen, Kruses Frau Katharina spinnt Bergschaf-Wolle für den Eigenbedarf, der gemeinsame Sohn Otis tollt in seiner Tunika herum, eine Gruppe Weibsvolk flechtet Körbe. Jeder kann mitmachen. Kuchen werden verkauft und nicht nur Kinder haben Spaß an Armbrust- und Bogenschießen. Katinka Morgenstern liest Märchen, die Gruppe „Faux pas“ tanzt. Außerdem wird die Burgruine erklettert.

Dieses kleine Mittelalterspektakel mit seinen vielen Bauern, Rittern und Mägden in Gewandung war sicherlich eine der Hauptattraktionen bei diesem gelungenen Tag des offenen Denkmals.

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