Beitragsaffäre

Beitragsaffäre: Wittener SPD-Chef erklärt Rücktritt

Da war er noch der starke Mann: Thomas Stotko bei der Hauptversammlung seiner Partei Anfang 2013  im Stadtwerke-Foyer.

Da war er noch der starke Mann: Thomas Stotko bei der Hauptversammlung seiner Partei Anfang 2013 im Stadtwerke-Foyer.

Foto: Claudia Schütte

Witten.   Wittens SPD-Parteichef Stotko ist Freitag zurückgetreten. Es war bekannt geworden, dass er es mit den eigenen Mitgliedsbeiträgen nicht so genau nahm.

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Erdbeben in der Wittener SPD: Parteichef Thomas Stotko hat am Freitag (5.12.) seinen Rücktritt erklärt. Er zog damit die Konsequenzen aus der jetzt bekannt gewordenen „Beitragsaffäre“. Stotko war seiner Partei offenbar über einen längeren Zeitraum Mitgliedsbeiträge schuldig geblieben. Jetzt will er sie nachgezahlt haben – aber da war die Katze schon aus dem Sack.

Der 48-Jährige räumte in einer persönlichen Erklärung am Nachmittag ein, Integrität und Vorbildcharakter nicht entsprochen zu haben, Maßstäbe, die mit seinem Amt als Stadtverbandsvorsitzender und Schatzmeister verbunden seien. „Der Maßstab, den ich an das Handeln anderer anlege, muss erst recht für mich persönlich gelten“, so Stotko. In der Vergangenheit war er gerade mit Bürgermeisterin Sonja Leidemann hart ins Gericht gegangen, weil sie zu niedrige Beiträge bezahlt haben soll.

Parteiausschluss eigentlich nach zwei Mahnungen

Nach Informationen unserer Zeitung soll Stotko zwei Mahnungen seiner Partei ignoriert haben, was laut Satzung automatisch einen Parteiausschluss zur Folge hat. Nun ist der Wittener Rechtsanwalt aber nicht irgendwer, sondern Landtagsabgeordneter und innenpolitischer Sprecher der Fraktion. Darum versuchte man, die Kuh vom Eis zu holen – und schickte dem Wittener, wie unsere Zeitung erfuhr, eine dritte Zahlungsaufforderung.

Gegenüber unserer Landesredaktion hatte der Parteichef noch am Donnerstagabend erklärt: „In einem Schreiben vom 1. Dezember, welches ich am 3. Dezember erhalten habe, wurde mir durch den Landesverband mitgeteilt, dass eine Vereinnahmung der Mitgliedsbeiträge nicht stattgefunden hat. Ich wurde gebeten, den ausstehenden Betrag zu überweisen, was ich sofort in die Wege geleitet habe.“ Der Jurist ging nicht auf die Frage ein, ob er schon mehrfach gemahnt worden sei.

„Warum hat er sich nicht früher erklärt?“

Am Freitagmorgen, nach den ersten Berichten unserer Zeitung, waren viele Genossen vor Ort geschockt. „Wenn man andere zur Beitragswahrheit verpflichten will, sollte man erst mal selbst in den Spiegel gucken und diese Maßstäbe an sich anlegen“, sagte Partei-Urgestein Jürgen Dietrich (73), Beisitzer im Ortsverein Heven/Krone, noch vor dem Rücktritt. Den hält er für konsequent, wie er abends mitteilte.

Dietrich ist unbegreiflich, warum sich Stotko nicht früher offenbart hat. „Wenn jemand in Not ist oder soziale Probleme hat“, kann man doch auch Ratenzahlung vereinbaren. So haben wir das früher bei der IG Metall auch gemacht.“ Besonders pikant: Stotko, der in seiner Rücktrittserklärung von einer „nachlässigen Zahlung“ seiner Mitgliedsbeiträge spricht, war seit September auch Schatzmeister der Kreispartei.

Genossen zollen Stotko Respekt

Welchen Beitrag er der Partei schuldete, wurde bisher nicht bekannt. Die Landespartei beruft sich auf Datenschutz. Es soll sich um eine größere Summe gehandelt haben. Als Abgeordneter mit über 9000 Euro brutto ist Stotko neben seinem normalen Mitgliedsbeitrag, der auf 250 Euro plus x geschätzt wird, zu einer Sonderzahlung von monatlich 310 Euro verpflichtet. Nach Informationen dieser Zeitung soll er bis zu der Nachzahlung in dieser Woche mindestens schon das ganze Jahr die Mitgliedsbeiträge schuldig geblieben sein.

Unterbezirksvorsitzender Hubertus Kramer zollte Stotko Respekt für seine Entscheidung. „Er hat Größe bewiesen, indem er die Konsequenzen aus seinem unbedachten Verhalten gezogen hat.“ Wer Nachfolger als Parteichef in Witten wird, ist noch nicht bekannt. „Chapeau“, so kommentierte der Wittener SPD-Fraktionschef Thomas Richter spontan Stotkos Schritt. „Er hat die Konsequenz gezeigt, die er von anderen erwartet hat.“ Als eine mögliche Interimskandidatin für den Vorsitz wird Parteisprecherin Christel Humme gehandelt. Sie ist auch Schatzmeisterin in Witten...

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