Insolvenz

Bei der Firma PZW in Witten drohen jetzt Massenentlassungen

Der Firma PZW im Esch in Witten-Heven droht das endgültige Aus.

Der Firma PZW im Esch in Witten-Heven droht das endgültige Aus.

Foto: foto: Jürgen Theobald (theo) / FUNKE Foto Services

Witten.  Lange hatte man nichts von PZW in Witten gehört. Seit der Insolvenz 2018 wurde ein Käufer gesucht. Ohne Erfolg. Nun droht das endgültige Aus.

Bei dem Wittener Automobilzulieferer PZW stehen Massenentlassungen an. Das wurde der Belegschaft nach Informationen der WAZ-Lokalredaktion Witten bei einer Betriebsversammlung mitgeteilt. „Ich schätze, es werden weit über 100 sein“, sagte ein langjähriger Mitarbeiter, dessen Name der Redaktion bekannt ist. Die verbliebenen Beschäftigten würden nur noch zur „Ausproduktion“ benötigt, sprich zur Abwicklung der noch bestehenden Aufträge. Mit anderen Worten: Ein Jahr nach Anmeldung der Insolvenz droht der Press- und Zerspanungstechnik GmbH im Esch nun endgültig das Aus. Auch IG-Metall-Chef Mathias Hillbrandt sieht nur noch geringe Chancen, das Traditionsunternehmen zu retten.

Hiobsbotschaft schockt Mitarbeiter zum Beginn der Sommerferien

Die Beschäftigten, die zum Teil seit Jahrzehnten für den Betrieb (früher Galladé) arbeiten, sind geschockt. Sie erwischte die Hiobsbotschaft ausgerechnet mit den beginnenden Sommerferien. Sie wurden aufgefordert, sich jetzt bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend zu melden. Wie viele Mitarbeiter schon zum 1. August gekündigt werden und wie viele vorerst noch gebraucht werden, ist derzeit noch unklar. Die Zahl und die Namen derer, die noch eine Weile bleiben können, soll diese Woche genannt werden. „Jeder macht sich natürlich Gedanken, wie es weitergeht und wer betroffen ist“, sagt der Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. „Die Leute sind teilweise ja schon im Urlaub.“

Dass PZW nun doch offenbar die Luft ausgeht, erklärt IG-Metall-Chef Mathias Hillbrandt so: Kunden wie die großen Automobilkonzerne, die bisher Verluste ausgeglichen hätten, damit ihre Bänder nicht stillstehen, seien dazu nicht länger bereit. Fast ein Jahr lang hatte der Insolvenzverwalter Markus Wischemeyer aus Bochum einen Käufer für das angeschlagene Traditionsunternehmen gesucht – am Ende offenbar vergeblich.

Es gab eine Reihe interessierter Käufer

Es soll zwar eine ganze Reihe von Interessenten gegeben haben. Doch den möglichen Investoren sei es nicht gelungen, bei den Kunden höhere Preise durchzusetzen, „damit in der Zukunft nicht wieder Verluste anfallen“, so Hillbrandt. Stattdessen hätten die Autokonzerne gesagt: „Friss oder stirb!“ Potenzielle Investoren hätten außerdem kräftig investieren müssen. Der Gewerkschafter spricht von bis zu 20 Millionen Euro. Zu Verhandlungen mit der Eigentümerfamilie über Maschinen und Liegenschaften, die mit fünf bis acht Millionen Euro veranschlagt werden, sei es gar nicht mehr gekommen. Hillbrandt wirft den Unternehmern aus Solingen vor, den Wittener Betrieb an die Wand gefahren zu haben.

Vorwürfe an die Eigentümerfamilie, die vor neun Jahren als Retter gefeiert wurde

Dabei wurden die PZW-Gründer nach der Übernahme vor acht Jahren, als Galladé pleite ging, noch als Retter gefeiert. Die Insolvenz des Presswerks vor einem Jahr hielt der Gewerkschafter für „unnötig, die Auftragslage war super“. IG Metall und Betriebsrat hatten laut Hillbrandt zuvor mit einem Gutachter ein Konzept vorgelegt, mit dem man hätte weitermachen können. Doch dann sei der Insolvenzantrag „wie Kai aus der Kiste“ gekommen. In der Vergangenheit seien Vertrieb und Management zu schwach gewesen, angemessene Presse am Markt durchzusetzen. „Es gab lange keine vernünftige Kalkulationsbasis, auf der man vernünftig rechnen konnte“, sagt der Erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft. Er spricht von einem „regelrechten Blindflug“.

Einer von drei Gesellschaftern: Jeder von uns hat über eine Million verloren

Immer wieder werden Vorwürfe laut, die Eigentümer hätten noch Geld aus dem kriselnden Unternehmen gezogen. So müsse man heute noch Miete an die Gesellschaft zahlen, in die alle Liegenschaften und Maschinen ausgelagert wurden. Dagegen wehrt sich Christian Uhe, der mit seinen zwei Brüdern Gesellschafter war. „Jeder von uns hat über eine Million verloren.“ Hohe Verluste seien zum Beispiel angefallen, als man 2017 eine neue Spezialmaschine „nicht ans Laufen kriegte“, um einen Großauftrag zu erfüllen. Uhe: „Damals ist sehr viel Eigenkapital vernichtet worden.“ Er bedaure es, dass es nun zu keiner Nachfolgelösung gekommen und kein Geld mehr da sei. Die Mitarbeiter bekommen keine Abfindungen. IG-Metall-Chef Hillbrandt: „Es bleibt eine Sauerei, dass die Werte nicht im Unternehmen geblieben sind, damit die Menschen aufrecht aus der Fabrikhalle gehen können.“

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