Kranker Baum

Aus Naturdenkmal wird Kaminholz

Eine rund 250 Jahre alte Blutbuche wurde im Stadtpark in Witten gefällt.

Eine rund 250 Jahre alte Blutbuche wurde im Stadtpark in Witten gefällt.

Foto: Walter Fischer

Ein Austernseitling hatte der rund 250 Jahre alten Blutbuche zu schaffen gemacht. Nun musste der Baumriese im Wittener Stadtpark gefällt werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Rund 250 Jahre stand sie da. So schätzt man jedenfalls. Genau wird man nie erfahren, seit wann die Blutbuche das Bild des Wittener Stadtparks prägte. Denn nun, nachdem der etwa 35 Tonnen schwere Baum gefällt worden ist, will man sich nicht mehr die Mühe machen, seine Ringe zu zählen.

Am Freitagmittag rückten vier Baumfäller der alten Dame zu Leibe, zerrten und schnitten an ihr. Der Austernseitling, ein hinterhältiger Parasit, hatte sie über Jahre geschwächt, sie zur Gefahr für Spaziergänger gemacht.

Der knapp 20 Meter hohe Baumriese wehrte sich bis zu letzt. Aus einer Arbeit, die laut Baumfäller-Chef Patrick Wilke nur 15 Minuten hätte dauern sollen, wurden zwei volle Stunden. „Erst riss ein Stahlseil der Winde. Dann ging ein Verschleißteil in der Kettensäge kaputt, als wir zum Schnitt ansetzten“, erzählt der 30-Jährige.

Stabiler Kern, morsche Äste

Die Arbeiter hatten den noch festen Baumkern der zwei Meter breiten Blutbuche unterschätzt. Doch trotz seiner Stabilität war der Baum nicht gesund: Der Austernseitling zersetzt Bäume nur bis zu den mittleren Stamm- und Astschichten. Von der folgenden Weißfäule, sieht man nicht viel. An der Wurzel bleibt der Baum stark – gefährlich wird es in den oberen Astbereichen. Das hat auch ein Gutachten des Kreises für die Blutbuche ergeben ergeben.

Gegen 14 Uhr hatten die Baumfäller alle Hindernisse beseitigt und ließen das 75 Zentimeter lange Blatt der Kettensäge rotieren. Ein erster Fallkerb-Schnitt, bei dem eine Ecke im 45-Grad-Winkel herausgetrennt wurde, bestimmte die spätere Fallrichtung des Baumes. Ein waagerechter zweiter Schnitt durchtrennte den dicken Stamm fast vollständig. Das in der Baumkrone befestigte Stahlseil spannte sich. Mit einem letzten Ächzen, Knirschen und Rauschen krachte die uralte Blutbuche auf den Parkboden.

„Es ist ein Jammer“, sagte Patrick Wilke mit Blick auf das professionelle Werk seiner Firma. Der Baumfäller bedauert es immer, wenn er so einen alten Riesen fällen muss. „Aber wenn der Baum zur Gefahr wird, muss er weg.“ Irgendwann hätte ein morscher Ast einen Parkbesucher treffen können.

„Im Wald hätten wir die Buche noch gut zehn Jahre stehen lassen“, sagt Bernd Ammersilge von der Grünflächenabteilung der Stadt. Aber hier mitten im Stadtpark sei sie unkontrollierbar geworden. Deshalb hob der Kreis Ende 2012 ihren Status als Naturdenkmal auf. Er gab damit die Verantwortung an die Stadt ab. Die muss nun auch die Kosten für die Fällarbeiten, rund 2000 Euro, tragen. Die Baumarbeit-Firma Wilke hat die Blutbuche am Wochenende in kleine Stücke zersägt und abtransportiert. Etwa 20 Kubikmeter Kaminholz sollen nun aus ihr entstehen. Nur noch die Wurzel erinnert heute an den einst so prächtigen Baum. Sie soll bald ausgefräst und entfernt werden.

Mit etwas Sorge blickt Bernd Ammersilge bereits auf einen Nachbarbaum der Blutbuche. Die Buchstaben „G“ und „T“ sind mit Neongrün auf seinen Stamm gesprüht. „T“ beutet Totholz, „G“ steht für den großen Steiger, der benötigt wird, um es zu entfernen. Drei bis vier Jahre gibt der städtische Mitarbeiter dieser Blutbuche, bis auch sie fallen soll.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben