„Wir haben das ganz gerecht aufgeteilt: Ich fahre immer hin, meine Frau fährt zurück!“ Und Prost! Die Gläser klingen, es wird viel gelacht, der Stress ist vergessen: Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt gehört für viele zum Advent wie das Amen in der Kirche.

„Was gibt’s denn bei Euch zum Nachtisch?“

Dicht an dicht drängen sich die Menschen an diesem Abend an den Stehtischen. „Ich kriege das Projekt in diesem Jahr niemals fertig“ hört man und „Was gibt’s denn bei Euch zum Heiligabend zum Nachtisch?“ Hier treffen sich Kollegen auf ein Feierabend-Gläschen, Studenten zur Weihnachtsfeier und alte Freunde, die sich lange nicht gesehen haben.

„Früher waren wir Arbeitskolleginnen, heute treffen sich uns immer einmal im Jahr hier an der Pyramide“, sagen Steffi und Lisa und pusten in ihren Glühwein. Ganz egal, wie stressig die Zeit im Büro auch ist: „Der Termin ist gesetzt.“

„Nicht so überlaufen wie Dortmund“

Auch Nadine, Lars, Lena und Alex haben sich verabredet. Die Medizin-Studenten kommen aus ganz verschiedenen Städten in Deutschland, aber den Wittener Weihnachtsmarkt schätzen sie alle: „Nicht so überlaufen wie Dortmund“, sagt Lars. „Genau so klein und gemütlich wie bei uns in Bayern“, meint Nadine. Die vier haben gerade weißen Glühwein im Glas – der ist in diesem Jahr klar im Kommen. Und, schmeckt er besser? „Mir schon“, sagt Lena. Aber für ein endgültiges Urteil wollen die Studenten erst noch ein paar weitere Gläser probieren...

Stimmungsvoll: Die Pyramide am Berliner Platz.
Stimmungsvoll: Die Pyramide am Berliner Platz.© Jürgen Theobald (theo)

Serviert werden die von Joyce Bangert. Sie war schon im letzten Jahr im Ausschank-Team und schätzt die Stimmung am Weihnachtsmarkt. „Die Leute sind super freundlich und entspannt.“ Auch großzügig? „Och, da kommt ganz schön was zusammen.“ Man hört’s – die Trinkgeld-Glocke läutet oft.

„Glühwein drinnen wäre ja auch witzlos.“

Auch der feine Nieselregen an diesem Abend kann die gute Laune der Gäste nicht trüben. „Die Wärme, die kommt von innen“, versichert Lena. „Und Glühwein drinnen wäre ja auch witzlos.“ Auf dem Weihnachtsmarkt bekomme das Wort „Feierabend“ eine ganz neue Bedeutung: „Das ist der Abend vor der Feier – da ist Weihnachten plötzlich ganz nahe.“

Dennoch: Auch die gute Stimmung der Gäste kann über die schlechte der Schausteller nicht hinwegtäuschen: „Viel zu kurz, viel zu verregnet“, sei der Advent in diesem Jahr gewesen, klagt Thomas Grass, der Chef an der Glühwein-Pyramide. Seine Kollegin Michaela Nowag am Mandel-Stand nebenan wird noch deutlicher: „So ein Pech hatten wir noch nie mit dem Wetter – nicht in den letzten 30 Jahren.“ Allerdings: „Wir haben auch viel positive Resonanz bekommen. Die, die da waren, die fanden’s gut.“

Das Wetter kann er wirklich nicht schönreden

Dieses Fazit zieht auch Thomas Schmidt vom Stadtmarketing. Das Wetter könne er zwar wirklich nicht schönreden und auch die kurze Adventszeit mache sich in der Bilanz bemerkbar. Aber eigentlich sei im diesem Jahr auf dem Markt alles okay gewesen, das sei die Bilanz der Schausteller. Jetzt müsse man nur noch an kleineren Stellschrauben drehen.

Ein bisschen leuchtender solle der Markt werden, und auf der Eisbahn tut sich auch noch was: „Vielleicht gibt es im nächsten Jahr eine extra Bahn fürs Eisstockschießen.“ Denn das sei extrem gut angekommen. „Und dann müssen wir die Eisbahn dafür nicht sperren.“

>>>EISBAHN STEHT IN DEN STARTLÖCHERN

Nach dem Weihnachtsmarkt ist vor der Rodelbahn: Wenn die Eisbahn am 7. Januar für diese Saison schließt, dann steht schon das nächste Wintervergnügen vor der Tür. Ab Mitte Januar soll sich der Hohenstein wieder in eine gigantische Rodelbahn verwandeln. Falls das Wetter mitspielt.

„Wir stehen jedenfalls in den Startlöchern“, sagt Thomas Schmidt vom Stadtmarketing. „Es ist alles bereits präpariert.“ Voraussetzung sei allerdings, dass es kalt sei und in den Nächten eine bestimmt Luftfeuchtigkeit gebe. „Sonst kann man den Schnee nicht erzeugen.“

Die Rodelbahn mit Kunstschnee, die 2017 erstmals gebaut wurde, hatte im letzten Januar Tausende nach Witten gelockt. Am Wochenende kamen 4000 bis 5000 Besucher pro Tag, in der Woche waren es immer noch etwa 1000 Gäste täglich. Viele Rodler reisten dafür aus den umliegenden Städten an.