Witten. Dirk Hautkapp arbeitet als US-Korrespondent für 14 Zeitungen. Wenn er nicht über Trump berichtet, skyped er gerne mit seiner Mutter in Heven.

Als in Witten die Sonne untergeht, ist es in Washington gerade Zeit fürs Mittagessen. „Lunchtime“ sagen die Amerikaner. Dirk Hautkapp hat seine erste Schicht beendet. Der Arbeitstag des US-Korrespondenten der Funke Mediengruppe beginnt um halb sechs „wegen der Zeitverschiebung“, erklärt der 53-Jährige. Dann steht der Wittener auf, setzt sich in seinem Haus, das auch sein Büro ist, an den Schreibtisch und nimmt Kontakt mit Berlin auf.

Was ist der Heimatredaktion heute wichtig? Präsident Trump hat wieder getwittert. Ex-First-Lady Michelle Obama trägt ein neues Kleid. Der Außenminister wird vereidigt. Hautkapp nimmt die Aufträge entgegen und beginnt zu tippen. In Herrgottsfrühe. Etwas, auf das er sich erst einstellen musste. Das anders ist, wie so vieles in den Staaten.

Politisch wohl spannendste Metropole der Welt

Vor sechs Jahren verließ der Wittener das Ruhrgebiet, um in der Hauptstadt der USA seinen Traumjob anzutreten: Korrespondent für 14 deutsche Tageszeitungen in der politisch wohl spannendsten Metropole der Welt. Von Witten nach Washington: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte als junger Journalist nicht von so etwas geträumt“, sagt Hautkapp.

Korrespondent Dirk Hautkapp besucht seine Mutter Karin (75), hier vor dem Haus der Familie Im Busche in Heven, regelmäßig.
Korrespondent Dirk Hautkapp besucht seine Mutter Karin (75), hier vor dem Haus der Familie Im Busche in Heven, regelmäßig. © Barbara Zabka

Junger Journalist, genauer freier Mitarbeiter in der Lokalredaktion der Ruhrnachrichten, das war Mitte der 80er-Jahre, Hautkapp hatte am Schillergymnasium Abi gemacht und „nicht so richtig Lust auf Studieren“. Dann lieber von den Kinderferienspielen berichten. Oder Abhängen im „Treppchen“, dem legendären Jazzkeller am Berliner Platz.

Viele glückliche Zufälle prägten Lebensweg

Von Witten zog es Hautkapp nach Essen, wo er Volleyball spielte, „Junioren-Nationalmannschaft“, erinnert er sich. Und von den Ruhrnachrichten wechselte er in den Lokalsport der Neuen Ruhr Zeitung, Titel der Funke Mediengruppe. Bald stieg er in die Politik-Redaktion auf. „Es waren auch viele glückliche Zufälle, die meinen Weg geprägt haben.“ Die Stelle in Washington wurde ganz plötzlich und unerwartet frei. „Ich hatte eigentlich andere Lebenspläne. Aber als ich gefragt wurde, war klar, dass ich das mache.“

Wittener ist direkt, frech und bullerig

Wie ist das Leben in Amerika? „Das kann ich gar nicht sagen. Es gibt nicht ein Amerika, Amerika ist unglaublich vielfältig. Das Leben in Washington finde ich nicht schwierig. Die Menschen hier sind aufgeschlossen und kontaktfreudig. Tiefe Freundschaften schließt man aber selten.“ Das sei anders als in Witten. „Der Wittener ist ja Ruhrgebietler mit einem Schlag Sauerland: direkt, frech und ein bisschen bullerig.“ Den Korrespondenten der Metropole zieht es darum mindestens zwei Mal im Jahr zurück in die Ruhrstadt. „Dann besuche ich meine Mutter in Heven. Sie lebt allein. Mir ist es wichtig, sie regelmäßig zu sehen.“

Bis 2021 in den USA

Wie lange er in der US-Hauptstadt bleiben wird, steht für Hautkapp nicht endgültig fest. „Auf jeden Fall bis 2021, solange Trump Präsident ist.“ Und dann? Könnte es gern zurück nach Hause gehen. „Ich bin Wittener. Ich lese regelmäßig die Wittener Lokalausgabe.“