Bürgerwerkstatt

Am Ende nur Verlierer

Abstimmung in der Bürgerwerkstatt: Am Ende fand keine der entscheidenden Anträge eine Mehrheit. Foto:Jürgen  Augstein / WAZ FotoPool

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Witten.  Hätte man die unendliche Vorgeschichte nicht gekannt, man hätte der letzten Sitzung der Bürgerwerkstatt zur Bücherei-Zukunft glatt noch eine Chance gegeben.

So viel Einstimmigkeit herrschte selten - bis Antrag vier an die Reihe kam. Die ersten drei Anträge gingen nach fast zwei Jahren mit langen Plenumssitzungen und vielen Arbeitsgruppen tatsächlich glatt durch. Einig waren sich die Vertreter der Parteien, sprich der Verwaltungsrat des Kulturforums, und die Bürgerinitiative etwa in der wichtigen inhaltlichen Forderung nach einer modernen, zukunftsfähigen Stadtbücherei. Harald Kahl (61), einer der Sprecher der Initiative, erinnerte an die Übereinstimmung, die in Arbeitsgruppe 2 bei den Kosten für das Mobiliar (600 000) und die Sanierung (ursprünglich 1,6 Mio) erzielt worden sei. Hier ging es um Antrag drei.

Auch die ersten beiden Anträge wurden einstimmig verabschiedet, die Zielgruppen betreffend („Kinder, Jugendliche, Bürger“) und den Erhalt der Stadtteilbüchereien, die eine wichtige soziale Funktion hätten und gerade der Versorgung älterer Mitbürger und Kinder dienten. Hier sei mehr als ein Öffnungstag wünschenswert, hieß es, was dann aber nur durch Ehrenamtliche geleistet werden könne.

Dass sie sich in den vergangenen zwei Jahren teilweise wie die Kesselflicker gestritten haben, dass der Chef des Kulturforums mehr als einmal entnervt seinem Unmut Luft gemacht hatte, dass viele Bürger schon nach den ersten Sitzungen der Bürgerwerkstatt die Nase gestrichen voll hatten, dass unendlich lang diskutiert wurde - von all dem war in diesem kompakt gehaltenen Abschlussplenum (jeweils 1 Minute Redezeit) nichts zu spüren. Bis Antrag vier an die Reihe kam.

Den trug Frank-Steffen Fröhlich (49, FDP) für den Verwaltungsrat vor und dieser zementierte einmal mehr die unverrückbare Position der Anbau-Befürworter. Der Antrag fiel wie erwartet durch. Auch Antrag 5 der Bürgerinitiative, den alten Standort an der Ruhrstraße zu modernisieren, hatte keine Chance.

Die Bürgerinitiative nimmt für sich in Anspruch, am Ende flexibler gewesen zu sein als der Verwaltungsrat des Kulturforums, hatte sie doch noch als „Kompromiss“ einen Verkauf des Büchereigebäudes an den Investor Lehmann ins Spiel gebracht. „Wir haben Brücken gebaut“, sagt Harald Kahl von der Initiative. Anders als die Bürgermeisterin, die seiner Ansicht nach sogar den Lehmann-Entwurf unterstützt hätte, hätten sich die Fraktionen nicht bewegt.

Die knapp eine Million Euro Miete, die man in zehn Jahren an Lehmann zahlen müsse, sieht Lilo Dannert vom Verwaltungsrat besser in einen Anbau ans Museum investiert. Sie will sich nicht vorwerfen lassen, von Anfang an nur auf ein Modell festgelegt gewesen zu sein. „Auch in den Fraktionen ist heftig diskutiert worden. In meiner wurde immer aufs Geld geguckt“, sagt die 61-jährige grüne Ratsfrau. Sie hebt die Synergieeffekte hervor, die man sich von einem Anbau verspricht - etwa bei Energie und Personal. Dannert: „Man müsste dann ja nur ein Haus bespielen.“

Für sie ist die Bürgerwerkstatt erst beendet, „wenn wir mit dem Bürgerentscheid durch sind“. Mal sehen, ob man sich auf die Formulierung einer (Standort-) Frage verständigen kann. Harald Kahl hält das angesichts von drei Modellen für die Quadratur des Kreises. „Entweder man macht Multiple Choice oder stellt zwei Fragen.“

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