Götz Alsmann

Als Götz Alsmann zur Eröffnung der Werkstadt spielte

Hätten Sie ihn erkannt? Götz Alsmann (Mitte) im September 1977 im  Garten des Knöterich-Tonstudios in Annen. Ihm zur Seite die „Heupferde“ Hol­ger Lührig (li.) und Dieter Schroer. Das Foto vom feschen Götz belegt auch, dass Alsmann nicht mit Krawatte und Hochfrisur zur Welt gekommen ist.

Hätten Sie ihn erkannt? Götz Alsmann (Mitte) im September 1977 im Garten des Knöterich-Tonstudios in Annen. Ihm zur Seite die „Heupferde“ Hol­ger Lührig (li.) und Dieter Schroer. Das Foto vom feschen Götz belegt auch, dass Alsmann nicht mit Krawatte und Hochfrisur zur Welt gekommen ist.

Foto: Michael Winkler

Witten.  Auch Götz Alsmann hat klein angefangen. Der Musiker und Entertainer spielte mit seiner Band „Heupferd“ zur Werkstadt-Eröffnung in Witten.

Als der Musiker und Entertainer Götz Alsmann kürzlich 60 Jahre alt wurde und die Medien groß über den Münsteraner berichteten, klingelte es bei un­serem Mitarbeiter Michael Winkler – allerdings nicht an der Tür, sondern in sei­nem Kopf. Hier seine Erinnerungen:

„Während meines Studiums an der Uni Dortmund lernte ich im Frühjahr 1977 auf der Fete einer Theatergruppe den Studenten Dieter Schroer kennen, der als Gitar­rist und Sänger in dem Münsteraner Jug-Band-Trio „Heupferd“ spielte.

Götz Alsmann spielte Teekistenbass und Whiskeykrug

Wir schrammelten und sangen mit einigen anderen Kommilitonen lauthals engli­sche Hits und Traditionals, Schroer an Tenorgitarre und Kazoo und ich zum ersten Mal in meinem Leben am Waschbrett. Bald danach fragte er mich, ob ich seine Acoustic-Band bei einem Auftritt bei den Eröffnungsfeiern der Wittener Werkstadt beglei­ten wolle. „Du kommst doch aus Witten, oder?“

Ich sagte spontan zu und am 9. Juli lernte ich die anderen beiden „Heupferde“ kurz vor dem Auftritt kennen: Holger Lührig an Teekistenbass und Jug (das ist ein Whiskey­krug) und Götz Alsmann an Banjo, Mandoline, Mundharmonika, Ukulele und Ak­kordeon.

"Aus dem wird mal was"

Dieter hatte mir vorher schon von dem jungen Abiturienten erzählt, der 1973 in die Gruppe kam. „Ein wahnsin­niges Talent. Aus dem wird mal was!“, schwärmte er von Götz. Er sollte recht be­hal­ten, wie die Musikgeschichte des All­rounders zeigt, der vor allem aber ein her­vorra­gender Showmaster und Jazzpianist im Stil der 50-er Jahre ist.

Allerdings: Unser Auftritt als Quartett kam in Witten bei dem recht jungen Publi­kum beim Sommerfest nicht so richtig an. Die WAZ schrieb dazu am 12. Juli: „Heupferd mühte sich redlich, konnte die abge­schlafften Jugendlichen jedoch nicht aus der Reserve locken“. Wahrscheinlich war den Teenagern diese historische Gute-Laune-Mu­sik wohl doch zu fremd. Egal.

Winkler spielte wieder Waschbrett

Zwei Monate später luden mich die Münsterländer am Wochenende vom 24./25. September noch einmal ein, nämlich zu den Aufnahmen ihrer zweiten LP ins Knöterich-Tonstu­dio in der „Stachelbeer­siedlung“, wie die Otto-Laue-Straße in Annen genannt wird.

Um das damals schon bekannte Multiplay-Aufnahmeverfah­ren zu nutzen, aber auch nicht zu starkes Grundrauschen zu produzieren, sollte ich bei drei Songs wie­der Waschbrett spielen und einmal im Chor mitsingen.

Heupferd-Trio spielte eine Mischung aus Jazz, Country und Tagesschlagern

Das leicht verstimmte Klavier im Studiokeller gab den richtigen Sound für die „Jug-Band-Music“ und Götz spielte wirklich alles auf allen In­strumenten hoch und runter. Von 1924 bis 1934 spielten Straßenmusiker in den USA (z.B. in Memphis und Louisville) auf den Bürgersteigen diese Mischung aus Jazz, Country Blues und Tagesschlagern – und hofften auf „Hut-Gagen“. Das Heupferd-Trio spielte genau diese Lie­der perfekt nach.

Im Januar 1978 erschien dann die selbstproduzierte Langspielplatte „Come on in“ mit 14 Liedern, auf denen ich unter dem Pseudonym „Steppin‘ Fred“ bei drei Songs aufgeführt bin. Das Kratzen und Klopfen mit den Fingerhüten auf dem ble­chernen Waschbrett und der Holzblocktrommel erinnerte mich an den Sound der Metallplättchen unter den Schuhsohlen von Tänzer Fred Astaire. Daher die­ser ver­rückte Aliasname.

„Heupferd“ löste sich 1980 auf und Götz‘ nächste Band, die „Sentimental Pounders“, spielten von 1980 bis 1988 zusammen Rock`n Roll.

Kultsendung „Zimmer frei“

Götz Alsmann habe ich in den nächsten Jahrzehnten nie wieder getroffen, aber natürlich war ich auf tollen Konzerten von ihm und seiner heutigen Band – in Witten, Recklinghausen, auf Norderney. Super fand ich in den 90-er Jahren seine Spät-Show im NDR-Fernsehen.

Und die Kultsendung „Zimmer frei“ im WDR habe ich natürlich auch gesehen - und war immer von Götz Alsmann, auch bekannt als „Professor Bop“, be­geis­tert.“

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