Flüchtlinge

40 Flüchtlinge ziehen in die Wittener Mannesmannhalle

40 Flüchtlinge zogen am Montag in die Mannesmannhalle des KSV Witten ein. Die Feuerwehr baute am Mittag die Betten für die Flüchtlinge auf.

40 Flüchtlinge zogen am Montag in die Mannesmannhalle des KSV Witten ein. Die Feuerwehr baute am Mittag die Betten für die Flüchtlinge auf.

Foto: Funke Foto Services

Witten.  Die Stadt betont, die Unterkunft sei ein Provisorium, und plant die Errichtung eines großen Asylbewerberheims.

62 Flüchtlinge aus verschiedenen Notunterkünften in Nordrhein-Westfalen sind am Montag in Witten angekommen. 40 von ihnen – alleinreisende Männer – wurden spätnachmittags in der Mannesmannhalle neben der Werkstadt untergebracht.

Damit hat sich der Trainingsraum des KSV Witten in nur wenigen Stunden in ein provisorisches Heim für die anerkannten Asylbewerber verwandelt. Die Stadt betont: Die Belegung der Turnhalle sei eine kurzfristige Lösung.

Von der einen Halle in die nächste: Das ist neu in Witten. Auch hier sind Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Einrichtung des Landes in der Jahnsporthalle untergebracht. Doch sobald die Flüchtlinge anerkannte Asylbewerber sind, bemühte sich die Stadt, sie „in kleinen Lösungen über den Wohnungsmarkt“ unterzubringen, wie Stadtsprecherin Lena Kücük sagt. 600 Flüchtlinge leben bereits in Wohnungen. Kücük: „Das ging gut, solange Witten nur etwa 50 Menschen pro Monat zugewiesen wurden.“ Aber allein im Oktober seien es bereits 300 Flüchtlinge.

Die Stadtverwaltung ändert nun ihre Strategie. Es wird bekanntlich über die Einrichtung eines großen Asylbewerberheims nachgedacht, am liebsten an der Brauckstraße. Denn bis Weihnachten erwartet die Stadt mindestens 500 weitere Flüchtlinge. Kücük: „Und wir können nicht eine Trainingshalle nach der anderen dicht machen.“

Nachdem die neue Nutzung der Mannesmannhalle, in der 500 Breitensportler des KSV trainieren, am Freitag für Irritationen gesorgt hatte, scheint sich der Verein nun mit der Lösung arrangiert zu haben.

Feuerwehrleute bauen Betten auf

Noch liegen die Metallteile des Etagenbetts „Happy Hartmann, Modell 250 EL“ auf dem roten Hallenboden der Mannesmannhalle verstreut. „Der Springboden ist ganz neu“, stöhnt Ferdinand Drexelius, Sportstättenleiter beim Ringerverein KSV, der die städtische Halle nutzt. Den rechten Teil des Gebäudes mussten die Vereinsmitglieder am Montag räumen – hier zogen wenige Stunden später 40 Flüchtlinge ein.

Glücklicherweise gab es gegen Mittag keinen Einsatz für die Feuerwehr. Die Männer parkten ihre Fahrzeuge einsatzbereit vor der Werkstadt, um in der Turnhalle zu stecken und zu schrauben. In wenigen Stunden wird der holzvertäfelte Turnraum zum Schlafzimmer, die Umkleidekabine mit den drei Duschen zum Bad, ein leerer Raum mit Spüle zur Küche.

„Das ist wie bei Ikea“, witzelt ein Feuerwehrmann, denn „Happy Hartmann“ lässt sich relativ schnell zusammenstecken. Betten und Matratzen hatte die Verwaltung bereits bestellt und gelagert. Ein guter Schachzug – laut Internet hat das Doppelstockbett inzwischen 16 Wochen Lieferzeit.

Sicherheitsdienst ist bereits bestellt

Ein Stadtmitarbeiter schafft gespendete Bürostühle heran. „36 Stück, das muss reichen“, zählt Christoph Noelle vom Amt für Wohnen und Soziales. Er steht mit einem Klemmbrett am Halleneingang und koordiniert die Einrichtung. Obwohl: Jetzt lädt er gerade Matratzen aus einem Lkw. Die Lieferung von Kühlschränken, Kochplatten, einer Spüle wird noch erwartet. Dafür kommt ein Sanitärfachmann, denn zwei der drei Duschen geben nur kaltes Wasser. Die Heizung dagegen funktioniert. Auch der Sicherheitsdienst, der sich um die Flüchtlinge kümmern wird, sei bestellt.

Wo sind die künftigen Bewohner? „Die warten im Rathaus, bis wir den Kollegen dort grünes Licht geben“, sagt Noelle. Es seien allein reisende Männer, aus Syrien, Afghanistan, Iran und Irak, die ihre Familien später nachholen wollen.

Pro Flüchtling vier Quadratmeter

41 weitere Flüchtlinge, die Witten heute und morgen aufnehmen wird, werden auf die bisherigen Unterkünfte verteilt. Dort sei man enger gerückt. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Noelle. „Ein Flüchtling kommt zurzeit auf vier qm Wohnraum. Diesen Zustand kann es nur kurzfristig geben.“

Erst am Montagmorgen hatte der Krisenstab im Rathaus entschieden, die Mannesmannhalle als Asylbewerberunterkunft zu nutzen. Um 9.30 Uhr erhielt KSV-Vorsitzender Thomas Altstadt die Nachricht. Was der Wegfall des Raumes für den Verein bedeute, könne er noch nicht einschätzen. „Acht bis zehn Übungsstunden finden täglich in der Halle statt.“

Die Ringer trainieren in der benachbarten Ostermannhalle. Dorthin und in den linken Teil der Mannesmannhalle werden die Abteilungen für Seniorensport, Kickboxen, Tae Kwon Do und Aikido wohl ausweichen. Auch ein gemeinsames Training mit der Sportunion Annen sei denkbar. Einen neuen Standort müssen sich wohl die Karatesportler der TG Witten suchen. Erst kürzlich waren sie von der Jahnhalle (jetzt Landesnotunterkunft) in die Mannesmannhalle umgezogen. Ferdinand Drexelius vom KSV klingt optimistisch: „Wir können uns so einrichten, dass das geht. Es darf nur möglichst wenig Reibung auf beiden Seiten geben.“

Laut Stadt werden die Neuankömmlinge bald von der Mannesmannhalle in eine große Unterkunft umziehen. Die Mannesmannhalle, so Sprecherin Kücük, ist „nicht mehr als ein Zeitgewinn“.

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