Kommentar

Zum Friday for Future: Liebe Schüler! Rüttelt uns wach!

Redaktionsleiter Mirco Stodollick    

Redaktionsleiter Mirco Stodollick    

Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Am 22. März soll es in Mülheims Innenstadt den ersten Schülerprotest für eine bessere Klimapolitik geben – und das ist gut so! Ein Kommentar.

Dürfen Schüler in den Streik treten, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren? Kaum ein Thema wird dieser Tage landauf, landab mehr diskutiert. Die Protestbewegung will nun auch in Mülheim ankern. Der Nachwuchs will sich ein Gehör verschaffen, damit wir Erwachsenen ihm tunlichst eine Welt hinterlassen, in der es sich leben lässt. In die die Jugend von heute selbst noch mit gutem Gefühl Nachwuchs setzen wird können.

Ja! Nur zu! Demonstriert! Zeigt uns Alten, dass wir seit Jahrzehnten auf dem falschen Weg sind, wenn es immer nur darum geht, Wachstum zu schaffen, koste es, was es wolle. Seid ungestüm! Lasst Euch nicht einschüchtern von den Lindners dieser Welt, die Euch absprechen, auf Augenhöhe mitreden zu können! Wer, wenn nicht ihr, sollte wissen, was aktuell reale Zukunftssorgen sind? Es geht um Eure Lebensperspektive, in Zeiten, wo wir weiter temporeich gen Klimakatastrophe steuern.

Macht der Protest Schule?

Die, die jetzt schreien, dass Schulpflicht gelte und Verstöße zu sanktionieren seien, haben sicherlich eine gradlinige Argumentation parat, weil sie auf geltendes Recht verweisen und darauf, dass ein „Schülerstreik“ wortwörtlich Schule machen könnte.

Doch für zwingend erforderliche Veränderungen bedarf es manchmal eben auch des zivilen Ungehorsams. Die schwedische Kinder-Aktivistin Greta Thunberg hat eine Bewegung ins Rollen gebracht, die vielleicht gar nicht so anders tickt als die Arbeiterbewegung einst, mit der die soziale Frage in den Fokus gerückt ist. Jetzt geht es um die Zukunft der jungen und der weiteren Generationen. Haben wir Alten etwa Angst davor, dass uns die Jungen mal kräftig auf die Füße treten und klarmachen: Bis hier hin, aber nicht weiter so?

Veränderung braucht Kraft

Die Politik hat lange genug geschlafen. Braunkohle-Kraftwerke vergiften das Klima, das Automobil gilt weiter als unantastbar, weil standortrelevant, alternativlos. . . Man könnte ja ernsthaft auch mal auf die Idee kommen, kräftig in den öffentlichen Nahverkehr zu investieren. Aktuell ist das Angebot aus vielerlei Gründen nicht konkurrenzfähig.

Widerstand ist auf maximale Aufmerksamkeit angewiesen. Veränderung braucht Kraft. Würden sich die Schüler heute nur in ihrer Freizeit versammeln, die Wirkung wäre wohl weniger stark als aktuell. Jetzt staunt ganz Deutschland über die Wucht der Bewegung und manch einer kippt von seinem Sessel, auf dem er es sich allzu bequem eingerichtet hatte, ohne sich darüber Gedanken zu machen, was wir alle zusammen, aber auch jeder Einzelne der Welt eigentlich antut mit seinem Konsumverhalten.

Noch ist von der Welt vielleicht noch allerlei Schaden abzuwenden. Also, liebe Schüler: Rüttelt uns wach! Erhebt lautstark die Stimme! Heute werden die Weichen gestellt für Eure Welt – die Welt der Zukunft.

Leserkommentare (5) Kommentar schreiben