Schwimmunterricht

Wenig Wasserfläche: Die prekäre Schwimmsituation in Mülheim

Viele Kinder können in der Grundschule noch nicht schwimmen. Es fehlt an Wasserflächen und Lehrkräften.

Viele Kinder können in der Grundschule noch nicht schwimmen. Es fehlt an Wasserflächen und Lehrkräften.

Foto: Patrick Pleul / picture alliance

Mülheim.  Der Mangel an Wasserfläche in Mülheim führt zu langen Fahrtzeiten für Schulkinder und kurzen Zeiten im Wasser. An Grundschulen fehlen Lehrkräfte.

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Zu wenig Wasserfläche in Mülheim sorgt nicht nur für extrem lange Wartezeiten auf Schwimmkurse, sondern führt auch zu schwierigen Bedingungen beim Schul-Schwimmen. Lange Anfahrt- und somit kurze Wasserzeiten sind an einigen Schulen die Regel; bei manchen fehlt es am Personal, um der hohen Zahl an Nichtschwimmer-Kindern gerecht zu werden.

Wenn Schüler der Gesamtschule Saarn in der fünften oder sechsten Klasse Schwimmunterricht haben, bringt sie ein Bus ins Südbad. Die Fahrzeit variiert je nach Verkehr zwischen zehn und 20 Minuten, hinzu kommt die Umziehzeit der Kinder. „Wenn alles glatt läuft, haben wir ungefähr 35 bis 40 Minuten Wasserzeit“, sagt Sportlehrer Dirk Ostermann. Unter der Voraussetzung, dass die Busse pünktlich und die Schüler eingespielt auf den Ablauf sind. Regelmäßig allerdings kämen die Fahrer zu spät oder gar nicht.

Rahmenbedingungen im Schwimmbad „mangelhaft und unterrichtsfeindlich“

Im Schwimmbad angekommen seien die Rahmenbedingungen „mangelhaft und unterrichtsfeindlich“. „Man weiß nie, wie viele Bahnen man bekommt“, sagt Ostermann. „Wenn man Glück hat, hat man ein Rechteck, wenn nicht, nur eine Linie.“ Bekommt er nur eine Bahn in der Mitte zugeteilt, sei Unterricht nicht möglich. „Die Stadt bemüht sich um eine Minimalleistung, aber letztlich ist es eine Mängelverwaltung.“

Was fehlt, ist ein Schwimmbad links der Ruhr, doch die Idee, vor über fünf Jahren ein Leitbildprojekt, fand nie ihre Umsetzung. „Was mir viel mehr am Herzen liegt“, sagt Martina Ellerwald, Leiterin des Mülheimer Sport-Services, „ist der Ersatzneubau des Friedrich-Wennmann-Bades.“ Die Fragen seien: Wann fängt der Bau endlich an und hält das Bad noch so lange, bis der Neubau steht? „Wenn es wegfällt, wäre das total dramatisch.“ Erst Anfang des Monats war das Bad wegen einer defekten Überlaufrinne für mehrere Tage geschlossen worden. Im Sommer hatte die Stadt das Hallendach reparieren lassen.

Wasserflächen-Mangel und fehlende Lehrkräfte

Lediglich im Friedrich-Wennmann-Bad gibt es einen regelmäßigen öffentlichen Betrieb von morgens bis abends. Das Südbad ist nur wenige Stunden die Woche geöffnet, das Nordbad und das Hallenbad Rembergschule dienen nur Vereinen und Schulen als Schwimmfläche. Ellerwald ist sich bewusst, dass die finanzielle Lage der Stadt den Bau eines Bades links der Ruhr nicht hergibt. „Wir sind da auf Hilfe von Bund und Land angewiesen“, sagt sie und hofft auf eine verstärkte Neubauförderung.

Frauke Jerabeck, DLRG-Bezirksleiterin, sieht neben dem Wasserflächen-Mangel auch die Problematik der fehlenden Lehrkräfte. Wenn es um die Betreuung vor Ort gehe, „geraten Schulen an ihre Grenzen“, sagt Frauke Jerabeck. „Lehrer machen einen super Job, aber sie sind keine ausgebildeten Schwimmlehrer.“

Initiativen unterstützen Grundschulen und weiterführende Schulen

Vor allem an Grundschulen gerate der Schwimmunterricht schnell in Gefahr, wenn ein Sportlehrer krank ist, sagt Annette Michels vom Mülheimer Sport-Service. Aber auch an weiterführenden Schulen gibt es immer noch Nichtschwimmer. Während bei den Grundschulkindern die Initiative „Flotte Flosse“ unterstützt, gibt es für die weiterführenden Schulen seit Anfang 2018 das Projekt „Schwimm mit“, unterstützt von der Bürgerstiftung.

Frauke Jerabeck erlebt aber auch immer öfter, dass es am Willen der Kinder und Eltern mangelt, schwimmen zu lernen. „Sie kommen manchmal mit Entschuldigungen, die an den Haaren herbeigezogen sind“, sagt sie. „Eltern müssten da mehr hinterher sein. Aber vielen fällt erst mit der Einschulung ein: Mein Kind kann ja gar nicht schwimmen.“

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