Pädagogik

Waldkindergarten in Broich macht die Natur zum Spielzeug

Der Waldkindergarten Böllertshöfe wird geleitet von Sabine Fröber. Die Kinder spielen überwiegend draußen direkt am Waldrand und im Einklang mit der Natur.

Foto: Herbert Höltgen

Der Waldkindergarten Böllertshöfe wird geleitet von Sabine Fröber. Die Kinder spielen überwiegend draußen direkt am Waldrand und im Einklang mit der Natur. Foto: Herbert Höltgen

Broich.   Die „Waldkinder“ sollen die Natur erleben und somit in ihrer Kreativität und Fantasie geschult werden. Den Herbst genießen sie in vollen Zügen.

In der kleinen Holzhütte des Waldkindergartens hängen Girlanden aus Blättern und Stöcken. Aus dem anderen Ende des Gartens hört man das Gackern der Hühner und Gänse. Einige Kinder sitzen mit Sabine Fröber auf den Strohballen und basteln kleine Flugdrachen. Heute ist das Wetter ungemütlich, doch davon lassen sich die Kinder im privaten Waldkindergarten nicht abbringen. Mit Gummistiefeln und Regenjacken ausgestattet, spielen die 15 Kinder im Sandkasten und tollen auf der großen Wiese herum. Aus einer kleinen Spielgruppe ist in den letzten zehn Jahren die Kindertagesstätte „Waldkinder“ entstanden.

Fröhlich quiekend fährt ein Kind auf dem Bobbycar die große Wiese herunter. „Für Kinder gibt es kein schlechtes Wetter“, weiß Erzieherin Sabine Fröber. Einige von ihnen würde man auch bei strömendem Regen nicht aus der Matsche und dem großen Garten herausbekommen. Im Waldkindergarten sollen die Kinder alle Jahreszeiten mit ihren Sinnen erleben. So werden Stifte und Wasserfarben zum Beispiel gerne mal durch Matsche ersetzt. Aus dem Stock wird ein Musikinstrument, und der Baumstamm wird zum ICE, am nächsten Tag zum Flugzeug umfunktioniert. „Die Kinder haben hier draußen so vielfältige Möglichkeiten, sich zu entwickeln“, freut sich Sabine Fröber.

Täglich ausgiebige Spaziergänge

Als die Gänse sich raufen, stellt sich ein Junge vor den Käfig und legt einen Finger auf den Mund: „Na, seid ihr wohl ruhig!“ Auf der Tagesordnung des Kindergartens stehen täglich ausgiebige Spaziergänge im Wald, bei denen die Kinder ihre Umwelt kennenlernen und erleben sollen. Sie wissen sogar einiges über die Natur, was bei den Eltern bereits in Vergessenheit geraten ist. „Das hier sind Efeublätter“, sagt Lukas ganz stolz und zeigt auf das Dach aus Blättern, das die anderen Kinder im Sandkasten vor dem Regen schützt. Durch den täglichen Kontakt haben die Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren einen ganz besonderen Bezug zu-einander und ein starkes Bewusstsein für die Natur entwickelt.

Ausgeglichen und zufrieden

Dabei hat jede Jahreszeit etwas Besonderes: Im Frühling pflanzen sie gemeinsam Kartoffeln, im Sommer können sie am Bach spielen und im Winter Eiskristalle beobachten. Heute schmeißen sie bunte Blätter in die Luft und lassen es so regnen. „Durch das gemeinsame Erleben der Jahreszeiten haben die Kinder einen tollen Zusammenhalt“, freut sich die Erzieherin. Auch die Rückmeldung der Eltern sei sehr positiv und bestätige sie in ihrer Arbeit. Die Kinder gingen meistens besonders ausgeglichen und zufrieden nach Hause. „Es ist immer wieder toll zu sehen, wie viel man den Kindern mitgeben kann“, findet die Pädagogin.

Warteliste besteht

>> Bevor Sabine Fröber die Tagesstätte „Waldkinder“ gegründet hat, arbeitete sie in einem „geschlossenen“ Kindergarten und ist froh darüber, heute jeden Tag mit den Kindern in der Natur zu arbeiten. „Auch für mich ist die Ruhe der Natur natürlich viel angenehmer.“

Für die 15 Plätze gibt es eine Warteliste. Die Betreuung erfolgt von 8 bis 13 Uhr und hat ihren Preis: monatlich 420 Euro.

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