VHS-Sanierung

VHS-Architekt will ins Gebäude: „Zusage“ sorgt für Aufregung

Dietmar Teich hat vor mehr als 40 Jahren als Architekt für das Mülheimer VHS-Gebäude gewirkt. Er begehrt Einlass in die gesperrte Immobilie.

Dietmar Teich hat vor mehr als 40 Jahren als Architekt für das Mülheimer VHS-Gebäude gewirkt. Er begehrt Einlass in die gesperrte Immobilie.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Mülheims Stadtrat soll nach dem Bürgerentscheid nun den Sanierungsplan für das VHS-Gebäude beschließen. Im Vorfeld geht es turbulent zu.

Eine Entscheidung über den von Stadtkämmerer Frank Mendack vorgelegten Sanierungsplan für das VHS-Gebäude in der Müga ist vertagt. Derweil gibt es Aufregung über eine angebliche Einladung, die OB Ulrich Scholten gegenüber dem einstigen VHS-Architekten Dietmar Teich ausgesprochen haben soll.

Im Finanzausschuss meldete die CDU Beratungsbedarf an zu der Vorlage, mit der Kämmerer Mendack eine über fünf Jahre gestreckte, 22,5 Millionen Euro verschlingende Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes an der Bergstraße abgesegnet wissen will. 2025 soll die VHS dann ihren Betrieb an der Bergstraße wieder aufnehmen.

Alexander Böhm (SPD) greift die MBI mit scharfen Worten an

Derweil lieferten sich Alexander Böhm (SPD) und Heidelore Godbersen (MBI) eine Auseinandersetzung. Der vom Kämmerer präsentierte Zeitplan bringe „den ganzen Irrsinn noch einmal auf den Punkt“, echauffierte sich Böhm. Allein die mit 3 Millionen Euro angesetzten Planungsausgaben seien anderweitig viel besser zu gebrauchen im engen Etat.

Den MBI warf Böhm vor, im Wahlkampf für den Bürgerentscheid „mit illusorischen Zahlen“ und „mit billigstem Populismus“ unterwegs gewesen zu sein. Nun steckten die MBI offensichtlich im Dilemma, denn nun gelte es, Verantwortung zu übernehmen für die Finanzierung der Sanierung. Klar sei: Mit nur zwei Millionen Euro für den Brandschutz sei die Sanierung des 40 Jahre alten Gebäudes nicht zu haben.

Heidelore Godbersen (MBI): Bürger wollen keine Luxussanierung

MBI-Finanzpolitikerin Heidelore Godbersen gab sich unbeeindruckt. Sie warb für eine schrittweise Sanierung und für eine unvoreingenommene Prüfung, ob wirklich alles, was die von der Stadt bestellten Gutachter zum Gegenstand einer Sanierung ausgerufen hatten, tatsächlich erforderlich sei. Jedenfalls hätten die Bürger, die zum Erfolg des Bürgerentscheids beigetragen hätten, sich keine „Luxussanierung“ gewünscht.

Genau dies werde die Initiative „nächste Woche sehen“, erwähnte Godbersen zur Überraschung aller Anwesenden, dass VHS-Architekt Dietmar Teich eine Einladung habe, in der nächsten Woche das Gebäude in der Müga selbst in Augenschein zu nehmen.

Architekt in die VHS? „Dann nehme ich ihm die Schlüssel ab“, so der Kämmerer

Ungläubig blickte Kämmerer Mendack daraufhin zu dem Chef des Immobilienservices, Frank Buchwald, und zum Bildungsdezernenten Marc Buchwald. „Das ist uns neu“, so Mendack. Wenn Buchwald tatsächlich vorhabe, Teich in die VHS zu führen, „nehme ich ihm den Schlüssel ab“. Schließlich fragte Mendack noch bei Godbersen nach, wer denn jene Einladung an Teich ausgesprochen haben soll. Godbersen: „Herr Scholten.“ Mendack: „Gut zu wissen.“ Dann gebe es wohl Redebedarf.

Auf Nachfrage sagte Stadtsprecher Volker Wiebels am Mittwoch nach einer Sitzung des Verwaltungsvorstandes, dass der OB Teich keine feste Zusage für eine Inspektion gegeben habe. Er habe lediglich geäußert, dass man es sich vorstellen könne, „vielleicht in der ersten Dezemberwoche“.

Zutritt vor einer Entscheidung des Stadtrates gilt als unwahrscheinlich

Dass die Verwaltung Teich den Zutritt aber vor einer Entscheidung zum Sanierungsplan am 5. Dezember durch den Stadtrat gewähren wird, ist wenig wahrscheinlich. Laut Wiebels will sich die Verwaltungsspitze zum weiteren Vorgehen in der Causa Teich noch in dieser Woche mit den Fraktionen abstimmen.

MBI-Fraktionssprecher Lothar Reinhard legte noch einmal nach, sprach davon, dass die „kostengünstigste und praktikabelste Lösung“ gefunden werden müsse. Nun stur nach einem „Gefälligkeitsgutachten“ für den Stadtkämmerer vorgehen zu wollen, komme einer „Sabotage“ des Bürgerentscheids gleich. Seinen Newsletter schließt Reinhard mit scharfen Worten: „Die geistige Unbeweglichkeit des Kämmerers gleicht der eines Granitblocks und seine Weitsicht der eines Panzers im Rückwärtsgang.“

Das wollte Kämmerer Mendack am Mittwoch so nicht stehen lassen: „Die Auffassung eines Politikers, der noch nie Verantwortung für seine Stadt übernommen hat, ist für mich irrelevant.“

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