Interview

Verleger Hillenbrand will das Genre Phantastik erfahrbar machen

Mike Hillenbrand vom „Verlag in Farbe und Bunt“ präsentiert Bücher aus seinem Programm auf dem Hajek-Brunnen. Der Stadt Mülheim ist der Verleger sehr verbunden. Hier hat auch der Verlag seinen Hauptsitz.

Foto: Oliver Müller

Mike Hillenbrand vom „Verlag in Farbe und Bunt“ präsentiert Bücher aus seinem Programm auf dem Hajek-Brunnen. Der Stadt Mülheim ist der Verleger sehr verbunden. Hier hat auch der Verlag seinen Hauptsitz. Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Der Mülheimer Verleger Mike Hillenbrand präsentiert am 2. und 3. September mit der„Phantastika“die Vielfalt des Genres in Oberhausen.

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„Lesen ist wie Fernsehen im Kopf“: Den Slogan hat Mike Hillenbrand aufgegriffen. Das Kopfkino soll in Farbe ablaufen – wie die phantastischen Welten der Bücher, die er im Programm hat. Deshalb heißt sein Unternehmen „Der Verlag in Farbe und Bunt“ mit Sitz an der Gneisenaustraße und einer Redaktion an der Kruppstraße in Essen. Weil der 44-Jährige das Genre live erfahrbar machen möchte, präsentiert er am Wochenende, 2. und 3. September, mit der „Phantastika“ die schillernde Vielfalt in der Oberhausener Luise Albertz-Halle und im benachbarten NH-Hotel.

Haben wir zu wenig Fantasie?

Hillenbrand: Gerade in der heutigen Zeit haben wir zu wenig Fantasie und ich glaube, dass Science-Fiction im Speziellen, aber die ganze Phantastik eine Literaturgattung ist, die früher als gesellschaftskritisches Medium gedient hat.

Was wäre das beispielsweise?

Jules Verne, aber auch die Satire von Swift Gullivers Reisen. Selbst die originale Star Trek-Serie, die in Deutschland am Anfang eher als Kinder-Serie abgetan wurde, hat in den 60er Jahren Episoden produziert, in denen die Enterprise auf zwei verfeindete Völker eines Planeten trifft. Die Völker sind verfeindet, weil die eine Gruppe auf der linken Seite weiß und auf der rechten Seite schwarz ist und bei der anderen Gruppe ist es genau umgekehrt. Wie die Filmemacher das damals an den Zensoren von NBC vorbei bekommen haben, ist mir ein Rätsel.

Sie veröffentlichen in ihrem Verlag ausschließlich Fantasy, Science-Fiction, Horror, Mystery, Steampunk und phantastische Literatur?

Ja, in verschiedenen Ausprägungen. Die Bücher sind vollkommen unterschiedlich. Es gibt klassische Sience-Fiction-Literatur, es gibt aber auch wunderschöne Romane.

Gerade der Fantasy-Bereich liegt voll im Trend, besonders bei jungen Lesern. Ist das ein Antrieb?

Wir laufen keinen Trends hinterher, sondern möchten die Menschen allumfassend wieder zum Träumen bringen. In der heutigen Zeit, wo die Herzen ein bisschen kälter werden, obwohl es uns laut allen Statistiken so gut geht wie nie zuvor, haben die Menschen trotzdem das Gefühl, ihnen geht etwas verloren und jemand anders will ihnen etwas wegnehmen.

Sprechen Sie von Sozialneid?

Ich will das gar nicht verurteilen. Aber es ist eine Entwicklung, die mir als Vater, als soziales Mitglied in vielen verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft Sorgen macht. Deshalb habe ich den Verlag gegründet und veranstalte jetzt auch die „Phantastika“.

Das Verlagsgeschäft ist als kein leichtes Unternehmen bekannt.

Wer heutzutage einen Verlag gründet, dem darf man nicht unterstellen, dass er damit Geld verdienen möchte. Am Anfang war das ein großes Investitionsvolumen. Der Verlag hat sich gemacht. Ich habe das Glück, dass ich mich beruflich gut entwickelt habe. Vor zehn Jahren habe ich mich mit einer anderen Firma selbstständig gemacht. Die Speechmedia ist ausgezeichnet worden als Europas bester Spracherkennungsdienstleister. Weil ich deswegen viel in Europa unterwegs bin, selber schreibe, in der Literaturszene viele Freunde habe, jahrelang auf der Frankfurter Buchmesse die Verleihung des deutschen Phantastik-Preises moderiert habe, kenne ich sie alle.

Ein gutes Netzwerk ist wichtig. Wie verdient man mit einem Sparten-Verlag Geld und wird den Autoren trotzdem gerecht?

Das ist ja einfach das Problem. Wir haben auf der einen Seite ein Unternehmen, das Geld verdienen muss und möchte. Und auf der anderen Seite haben wir Künstler, die sich zum Teil auch selbst als Geschenk an die Welt betrachten, das muss man auch mal sagen. Da sind zwei entgegengesetzte Pole, die zusammenstoßen.

Welche Wegen haben Sie aus der Zwickmühle gefunden?

Das Konzept war „Der Verlag in Farbe und Bunt“. Das Ganze kam so: Markus Heitz, durchaus ein prominenter Fantasy-Autor in Deutschland, der regelmäßig auf den Spiegel-Bestsellerlisten ist, wollte, nachdem er sehr erfolgreich eine Reihe über Zwerge geschrieben hat, mal etwas über Drachen schreiben. Das wollte er schon immer. Ich sagte, das kannst du gerne tun, aber wie wär’s, wenn du vorher noch etwas über Zwerge schreibst?

Dadurch kam der Verlag zustande?

Es gibt Autoren, die müssen überleben, die schreiben alles. Aber auch die haben diese Geschichte in sich, die sie immer schon schreiben wollten. Mit „In Farbe und Bunt“ haben wir diesen Titel sehr bewusst gewählt. Wir wollen bunte Geschichten voller Farbe erzählen, wir wollen diese Herzublutgeschichten von den Autoren haben, weil da auch viel Leidenschaft und Botschaft drin steckt.

„Phantastika“ zeigt ganze Vielfalt

Mit dem Festival „Phantastika“ bespielt der Verleger Mike Hillenbrand am Samstag und Sonntag, 2. und 3. September, die komplette Luise Albertz-Halle in Oberhausen und das angrenzende NH-Hotel.

Fünf Themenwelten sorgen für volles Programm. Für „Phantastisches Lesen“ kündigt sich ein prominentes Autoren-Aufgebot an: Kai Meyer, Markus Heitz, Andreas Brandhorst, Bernhard Hennen und Dirk van den Boom. „Perry Rhodan“, seit über 55 Jahren erfolgreiche Heftromanreihe, repräsentieren Autoren, Risszeichner und Redakteure. Robert Corvus sowie der Übersetzer Uwe Anton helfen Hobbyautoren in Seminaren, fremde Welten zu erschaffen.

In der Welt „Phantastisches Hören“ sind bekannte Sprecher dabei wie Martin Baltscheit, Balthasar von Weymarn und Jochim-C. Redeker. Ein Koffertheater bietet die Chance, sich selbst in die Produktion einer Episode ihrer YouTube-Reihe „Duster Donnerkeil“ einzubringen. „Phantastisches Sehen“ präsentiert mit „Game of Thrones“- und „Doctor Who“-Schauspieler Ian Beattie den einzigen ausländische Gast. Seine Autogramme sind kostenlos! In Workshops zeigt Beattie klassischen Schwertkampf. Der Berliner Regisseur Thomas Frick hat noch Größeres vor: Mit Besuchern produziert er einen Kurzfilm, der am Sonntag Premiere feiern soll. In die Welt des „Phantastischen Spielens“ können die Jüngsten bei vielen Aktionen eintauchen. Und die Welt „Phantastische Technik“ vereint Wissenschaft und Science-Fiction. Auf dem Podium sind namhafte Wissenschaftler vertreten, darunter Volker Schmid (Teamleiter ISS). Höhepunkt ist die Verleihung des „Deutschen Phantastik-Preises“ am Samstag, 20 Uhr, moderiert von Luci van Org.

>>> ANRUFEN UND TICKETS GEWINNEN

Die WAZ verlost 3 x 2 Wochenendtickets inklusive der Gala unter allen Anrufern, die sich am heutigen Mittwoch zwischen 15 Uhr und 15.15 Uhr in der WAZ-Redaktion melden: 44308-31. Wer kein Glück hatte: Tageskarten (18 Euro), Gala (6 Euro), Wochenendkarten (27 Euro), Info unter www.phantastika.de.

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