Innenstadt

Stadtquartier: Noch viel freie Fläche in Mülheims Top-Lage

Im Stadtquartier Schloßstraße in der Mülheimer City gibt es noch eine ganze Reihe an leeren Ladenlokalen.

Im Stadtquartier Schloßstraße in der Mülheimer City gibt es noch eine ganze Reihe an leeren Ladenlokalen.

Foto: Jörg Schimmel / Funke-Foto-Services

Mülheim.  Im Stadtquartier Schloßstraße am Mülheimer Ruhrufer stehen noch 1400 Quadratmeter Ladenfläche leer. Corona erschwert die Vermarktung enorm.

Noch reichlich Leerstand gibt es zu füllen in Mülheims Vorzeige-Neubau in Top-Lage am Ruhrufer: dem Stadtquartier Schloßstraße. Während die oberen Etagen fast voll vermietet sind, stehen im Erdgeschoss noch etwa 1400 Quadratmeter Fläche für Einzelhandel und Gastronomie frei. Durch Corona gestaltet sich die Vermarktung jedoch schwierig.

Das Stadtquartier Schloßstraße ist zweigeteilt – ein Durchgang zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Ruhrstraße trennt die beiden Gebäude voneinander. Von der Haltestelle Stadtmitte aus gesehen, gehört der rechte Gebäudekomplex der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft (MWB), der linke der Augsburger Fondsgesellschaft Patrizia Grundinvest. „Wir sind voll vermietet“, sagt MWB-Sprecher Andreas Winkler. Nur eine der 24 Seniorenwohnungen sei aktuell frei geworden, „normale Fluktuation“.

Freie Flächen im Erdgeschoss fallen besonders ins Auge

Das Mülheimer Stadtmarketing ist längst mit der Tourist-Info eingezogen, die Büroflächen im Haus seien ebenfalls vermietet, „an den Pflegedienst bipG vor Ort GmbH“, so Winkler. Dieser habe auf rund 470 Quadratmetern im 1. Obergeschoss des Gebäudes eine Intensivpflegegruppe eingerichtet. Auf die Gastronomieflächen im Erdgeschoss sind bereits das „Mezzomar“ und das griechische Lokal „Thema“ eingezogen.

Anders sieht es nebenan, im linken Gebäudekomplex des Stadtquartiers aus. Zur Stadtmitte hin sind Bären Apotheke, Netto und Kamps gut besucht, ein Nagelstudio ist vor kurzem auf 100 Quadratmeter eingezogen. Rundherum jedoch zugeklebte Schaufensterscheiben mit der Aufschrift: „Ladenlokal zu vermieten“. Auch wenn es im Vergleich zur gesamten Bruttogeschossfläche von 38.000 Quadratmetern wenig ist, sind es diese Flächen im Erdgeschoss, die den Menschen ins Auge fallen. Besonders wenn sie länger leer stehen und das Bild der Innenstadt mitprägen.

Wenig Verhandlungsspielraum bei den Mietpreisen

Vera Kranz von der Fortress Immobilien AG aus Düsseldorf vermarktet die Flächen für die Besitzerin der Immobilie, die Patrizia Grundinvest Kapitalverwaltungsgesellschaft, die sich dort einen Fonds für Privatanleger gesichert hat. Sie weiß: „Im Frühjahr hatten wir eine positive Entwicklung– dann kam Corona.“ Aufgrund der Pandemie trauen sich nur wenige Investoren an neue Projekte. Im April dieses Jahres sprang auch noch die Sportsbar Three Sixty ab und kündigte den Mietvertrag. Diese sollte die größte freie Fläche im 640-Quadratmeter-Ladenlokal belegen. Gerade für die Gastro-Flächen sei es nun in der Krise schwierig, geeignete Mieter zu finden. „Eine solch große Fläche muss ein Gastronom erst einmal bewirtschaften.“

Zumal es für den Immobilienvermarkter nur wenig Verhandlungsspielraum bei den Mietpreisen gebe, da Vertragsvorgaben mit der Besitzerin einzuhalten sind. Ein Quadratmeter kostet zwischen 15 und 20 Euro Miete im Monat – je nach Nutzung. Und: „Der Mieter sollte zudem in der Lage sein, das Lokal selbst auszubauen, da es von uns nur einen Ausbauzuschuss gibt“, so Vera Kranz. Das erschwere die Lage zusätzlich.

Jahrelanger Stillstand hat die untere Innenstadt aussterben lassen

Ohnehin sind die Flächen in der Mülheimer Innenstadt für potenzielle Mieter aktuell wenig attraktiv, weiß auch Vera Kranz. Schließlich ist vor allem im unteren Teil der Schloßstraße durch die Schließung des Kaufhofs vor zehn Jahren und dem darauffolgenden jahrelangen Stillstand auf dem Areal die Kundenfrequenz immer weiter gesunken, die Klientel in der Innenstadt nicht gerade kaufkräftiger geworden.

Nun brauche es weiter Zeit, bis sich der Standort positiv entwickelt. „Vor Corona waren wir auf einem guten Weg, attraktiver zu werden“, sagt Vera Kranz. Daher blickt sie optimistisch in die Zukunft: „Sollte es einen Impfstoff geben und sich die Lage entspannen, schätze ich mit einem halben Jahr, bis wir alle Flächen vermietet haben.“ Immerhin habe es mittlerweile wieder einige Anfragen gegeben.

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