Denkmal

Sanierung: Mülheimer verabschieden sich vom Kulturhaus Fünte

Die Fünte in Mülheim-Heißen wird jetzt umfassend saniert. Familie Bruns hat das historische Fachwerkhaus verkauft, will aber, dass es auf jeden Fall erhalten bleibt.

Die Fünte in Mülheim-Heißen wird jetzt umfassend saniert. Familie Bruns hat das historische Fachwerkhaus verkauft, will aber, dass es auf jeden Fall erhalten bleibt.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Freitagabend läuft die letzte Vorstellung in der Fünte. Mülheim verliert ein lebhaftes Kulturzentrum. So geht es mit dem Fachwerkhaus weiter.

Für eines der ältesten Häuser in Mülheim beginnt mal wieder eine neue Ära: Die Fünte wird als Kulturzentrum endgültig aufgegeben und künftig Sitz eines Architekturbüros. Der Investor, Oliver Sattar, will das historische Gebälk aufwendig sanieren: „Das alte Schätzchen soll ja noch einige Jahrhunderte halten.“

Der mit denkmalgeschützten Bauwerken erfahrene Architekt residiert schon länger im Hofgebäude der Fünte. Bei Familie Bruns, deren Vorfahren das Fachwerkhaus seit dem 15. Jahrhunderte besessen haben, ist er zunächst als Miteigentümer eingestiegen, inzwischen gehört ihm die Fünte ganz. Eine grundlegende Sanierung ist unvermeidlich, das weiß auch Frank Bruns, der das Haus 13 Jahre lang als Kulturzentrum geführt hat. „Dies hätte unsere finanziellen Möglichkeiten aber weit überstiegen“, sagt er.

Viele Interessenten wollen nur das Grundstück haben

Also hat die Familie beschlossen, sich von dem Haus zu trennen, das als zweitältestes Gebäude in Mülheim gilt. An Interessenten bestand kein Mangel, berichtet Frank Bruns. „Es gab eine ganze Menge Leute, die Interesse an dem Grundstück hatten, aber eben nur an dem Grundstück. Wir wollten verhindern, dass jemand das Haus einfach verfallen lässt. Es soll erhalten bleiben.“

Den Erhalt lässt sich der neue Hausherr Oliver Sattar jetzt einiges kosten, er rechnet mit einer Investition von rund 700.000 Euro. Ihm schwebt Folgendes vor: Im Erdgeschoss zieht auf rund 180 Quadratmetern das Architekturbüro mit acht Beschäftigten ein, im Obergeschoss will er auf 130 Quadratmetern Wohnraum für seine Mitarbeiter schaffen, „vielleicht auch in Form einer WG“. Einer der Handwerker wohnt schon dort. Privat ist Sattar in Ickten zu Hause - er habe derzeit keine Umzugspläne.

Neuer Eigentümer: Sanierung wird „tricky“

Insgesamt hat er an der Gracht 209 in Heißen ein knapp tausend Quadratmeter großes Grundstück erworben. Gerne teilt er es weiterhin mit der Mülheimer Tiertafel, die im ehemaligen Brauhaus der Fünte untergekommen ist. Die Sanierung des Fachwerkhauses, das in der jetzigen Form seit rund 250 Jahren existiert, ist eine Herausforderung: „Das wird tricky“, meint Sattar, „aber wir haben Erfahrung.“ Auch auf längere Verhandlungen mit der Denkmalbehörde richtet er sich ein und ahnt schon: „Sie werden nicht alles absegnen, was ich mir so vorstelle.“ Noch sei aber kein Bauantrag gestellt, keine Nutzungsänderung für das Gebäude auf den Weg gebracht.

Die Fünte wird jetzt leer gezogen, das Erdgeschoss entkernt, die ursprüngliche Fassade freigelegt, um zu sehen, in welchem Zustand sich das Gebäude befindet, was wie erneuert werden muss. Für die Kulturschaffenden hat dieses Jahr eine ganze Serie von Abschieden mit sich gebracht, denen die Corona-Pandemie noch den feierlichen Rahmen geraubt hat, vielleicht auch die Sentimentalität.

Frank Bruns: Durch Corona-Auflagen auch die Lust verloren

Bereits im März wurde den Künstlerinnen und Künstlern gekündigt. Sie mussten ihre Ateliers im Obergeschoss räumen. Das Kulturprogramm sollte bis Oktober regulär weiterlaufen, doch dann kam Corona. In der Fünte hat es noch vereinzelte Veranstaltungen gegeben, den Rausschmeißer spielt am Freitagabend, 9. Oktober, Dr. Peter Merguet mit seinem Solo von Goethes „Faust“.

Für Frank Bruns, inzwischen 71 Jahre alt, bedeutet die Schließung der Fünte einen großen Schritt in Richtung Ruhestand. Er hat sich damit abgefunden. „Durch Corona konnten wir sowieso nicht mehr richtig was machen. Wenn man immer aufpassen, alles anmelden muss, verliert man auch die Lust.“ Die Fünte-Theatergruppe bleibe aber bestehen und habe ein neues Domizil gefunden – in einem Tennisclub in Essen-Bredeney.

Eine neue Spielstätte hat sich auch bereits Wolfgang Hausmann gesichert, dessen monatliche Literaturabende viele Jahre lang verlässlich zum Programm der Fünte zählten. Er organisiert jetzt Lesungen in „Rick`s Café“ im Medienhaus, auf Einladung von dessen Betreiberin Marion Appenzeller. Seit Ende Juni hat Hausmann dort fünf Mal eine „Tea-Time am Freitagnachmittag“ organisiert, diese soll ab Oktober - gemeinsam mit befreundeten Autoren - wöchentlich stattfinden. Von der Fünte hat er sich räumlich verabschiedet und offenbar auch innerlich. „Ich habe viele schöne Stunden in der Fünte erlebt“, sagt er. „Aber jetzt ist sie leider nicht mehr nutzbar, und damit muss man leben.“

Beim letzten Flohmarkt werden Sammlerstücke verkauft

Als Kulturstätte ist die Fünte fortan Vergangenheit. Ein Mal öffnet sie noch für die Öffentlichkeit ihre Tür: Am Samstag, 17. Oktober, lädt Frank Bruns zum Flohmarkt ein. Für kleines Geld will er verkaufen, „was sich über die Jahre dort angesammelt hat: Gläser, Bücher, Figürchen“. Der Trödel beginnt um 14 Uhr, Ende offen...

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